Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 10 (6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 418 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 418 eines ist wichtig, wenn wir unsere Stellung zu den anderen Jugendvereinen zu kennzeichnen haben: Wir sind eine Organisation von und für Frauen and Mädchen. Diese Einseitigkeit ermöglicht es uns, ungestört die Themen zu pflegen, die für das Frauenleben wichtig sind, und nur für kleine gesellige Abende junge 3-.euTe einzuladen. Wir wissen, daß wir damit den Flirt für uns ausschließen. Aber abgesehen davon, daß unsere jungen und besonders die jüngsten Klubmitglieder immer auch anderen Vereinen angehören konnten, beobachten wir, daß der Zuschnitt unserer Heimabende, der sich in Jahrzehnten erprobt hat, für viele das ist, was sie brauchen. Wir verfügen glücklicherweise über eine Reihe von Mitarbeiterinnen, die persönliche Beziehungen zu einzelnen Klubmitgliedern haben, Beziehungen, die nur entstehen konnten, weil sich beide Teile in unseren Klubväumen sicher wußten und die gewisse seelische Ungestörtheit fanden. Wir müssen unsere Freunde dort suchen, wo man für ein solches Heim- und Vereinsleben Verständnis hat. Wir glauben, der Frankfurter Gemeinde durch die Existenz unserer kleinen Organisation einen stillen, aber wertvollen Dienst zu erweisen. Irene Darmstädter Erlebfes und Erlauschfes im Jüdischen Jugendheim Nachdem nun alle Bünde und Vereine an dieser Stelle zum Wort gekommen sind, entspreche ich gerne der Aufforderung der Redaktion des Gemeindeblattes, um als Letzter und Neutraler, der über diese Jugend seine ordnungsliebenden Hände hält, das Wort zu ergreifen. So will ich denn von meiner Tätigkeit und meinen Erfahrungen im Jüdischen Jugendheim berichten, aber ohne all die Ideologie, die alle Bünde bisher zur Genüge hier geschildert haben. Als ich Mitte des vergangenen Jahres zum Heim wart berufen wurde, fand ich eine nackte, kahle Villa vor, in der sich ein Musterlager von allen möglichen Stuhlarten, Küchen- und Speisezimmer-Tischen sowie Bänken und Kleiderhaken befand. Das meiste Material war schon halbwegs dem Untergang geweiht, da die Jugend keine Tugend kennt. In den versrMedenen Zimmern selbst aber herrschte dazu noch ein Tohuwabohu, denn die Kleinen warfen alles Papier und die Erdnußschalen auf den Boden, und die Großen wippten alle Zigarren- und Zigarettenasche zur Erde, denn sie konnten doch den Achtjährigen keinesfalls in der Unordnung nachstehen. — Auch war es ein Vergnügen für jeden einzelnen Besucher des Heims, einmal sämtliche Türen im Hause zu öffnen, um nur mal nachzusehen, ob denn kein Bekannter da sei. — Und wie sahen erst die Wände aus! An jeder möglichen und unmöglichen Stelle wurde ein Nagel eingeschlagen, wurden Mitteilungen und Plakate angebracht. — Der zum Hause gehörige Garten und Rasen befand sich in einem Zustande, daß sich kein Grashälmchen mehr entwickeln konnte, weil Sport, Spiel und „Nachtwandler" keine Rücksichten kannten. Doch welche Wendung ist jetzt eingetreten! — Rücksichtsloses Eingreifen, bei dem es manchmal nicht ohne fühlbare Härten (Heimverbot für kürzere Zeit) herging, bewirkte, daß sich alle Jugendlichen der Ordnung fügen mußten. — Die Zimmer wurden mit Nummern versehen und an einer Tafel angezeigt, in welchem Zimmer zu einer bestimmten Stunde sich dieser oder jener Bund resp. Verein befanden und seine Heimabende oder Vorträge abhielt. — Auch die überlauten Unterhaltungen mußten unterbleiben, denn die Arbeil in den Büuden litt ganz besonders unter diesem Getöse der Jugend, die untereinander, d. h. unter den gegensätzlichen Meinungen von Staatsxiomsten, Allgemeinen Zionisten, Deutsch-Jüdischen, sowie Neutralen ständig ihre Differenzen durch hänselnde Zurufe austrugen. Nicht immer geht diese Hänselei so glatt aus; ich entsinne mich noch ganz gut, daß bei einem Vortrag die Gemüter ho in die Wolle kamen, daß die Versammlung von mir aufgelöst und die Gegner räumlich getrennt werden mußten. — In dieser Beziehung muß eben stets ein Augenmerk darauf gerichtet sein, daß die deutsch-jüdische Jugend nicht mit der aus dem Osten stammenden Jugend in Zwistigkeiten kommt. — Eine schwierige Aufgabe! — Aber man sieht nun auch den erfreulichen Fortschritt, den alle Bünde und Vereine (von denen früher manche wegen der Unordnung fortgeblieben waren und sich jetzt zurückgefunden haben) nunmehr in den geregelten Verhältnissen genommen haben.— Die Bünde haben an dieser Stelle in großen Zügen ihr Programm mitgeteilt. Außerdem finden noch täglich im Jugendheim Kurse statt und zwar wöchentlich: 25 hebräische, 6 französische, 6 englische, 1 italienischer, 1 spanischer und zwei in Stenographie. Ferner sind drei Singkreise und ein Orchester im Hause. Sollten die einzelnen Bünde, Vereine, Kurse usw. sich gegenseitig nicht stören — eine täglich sich ändernde und äußerst schwierige Arbeit, da die 14 Räume bis zu dreimaliger wechselnder Besetzung verteilt werden müssen. — Und was ergehen nun neben all diesem Trubel für Anforderungen an den Heimwart? Dem einen ist es zu heiß, dem anderen zu kalt; diesem fehlt ein Blei, jenem Papier; einer will die Uhrzeit wissen, ein anderer sucht einen Fahrplan oder Nähnadel und Faden. Hier kommt eine Dame, die eine Strumpfmasche auffangen möchte, dann ein Junge, der sich ein Loch in die Hose gerissen hat. Ein andermal muß die neu angelegte Hausapotheke in Funktion treten (die Herren Aerzte werden um freundliche Ueberlassung von Verbandzeug, Medikamenten und sonstigen Dingen höflichst gebeten) und zuletzt soll noch der Garten umgegraben und vom Laub gereinigt werden. Und welche Art von Auskünften muß ich sonst noch erteilen: „In welchen Kurs der verschiedenen Sprachen passe ich hinein?" „Wann findet diese oder jene Sprachstunde statt?" „In welchem Zimmer sind wir heute?" „Haben Sie ermäßigte Karten für das Lehrhaus?" „Haben Sie Karten für die Vorstellung des Kulturbundes?" usw. usw. Außerdem werden bei mir junge Mädchen gesucht, die bei kleinen Familien, welche sich keine Stütze halten können, unterkommen können. Auch eine Gelegenheit zum Lesen von Tageszeitungen wurde ohne finanzielle Inanspruchnahme der Gemeinde von mir geschaffen und eifrig von den Heimbesuchern in Anspruch genommen. Zuletzt ist auch noch die Plakattafel zu erwähnen, die alles Wissenswerte bringt und für eifrige Leser eine Arbeit von Stunden in sich birgt. Hier findet man außer den amtlichen Anzeigen, Benachrichtigungen, Programmen usw., auch eine Anzeigentafel für leerstehende Zimmer, offene Stellen für Lehrpersonal und sonstiges. Strengste Ordnung und Zucht muß also herrschen und öfters erschallt ein strenger Verweis durch das Haus. Letztlich aber habe ich sie doch gerne, all meine kleinen Lieblinge und großen Freunde (Freundinnen nicht zu vergessen), und ich glaube wirklich und habe das Gefühl, daß dies auch auf Gegenseitigkeit beruht. Siegmund Rothschild. Gutes Fachgeschäft für Damen-, Kinder-, Baby-Wäsche Damen-, Mädchen-, Knaben-Schürzen Haus- und Gartenkleider, Berufskittel ErstklassigegFabrikate — Große Auswahl — Niedrige Preise Johanna Alexander Goethestrasse 4 Tel. 27316 Ehemals langjähr. Einkäuferin und ADteilungsIeiterin der Fa. Frank & Bär A.G. und deren Rechtsnachfolgerin, der Westd. Kaafhof A. G. vormals Leonh. Tietz A.G. Kotier Reiseartikel Damentaschen Schreib - Mappen Aktentaschen alle Lederwaren repariert Mr. Kreisch Kaiserhofsir. 7 MÖBEL in geschmackvoller Ausführung finden Sie stets in grossei Auswahl im SPEZIALHAUS G. Nutsbaum Grofje Esdienheimerstrafje 8