Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 10 (6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 407 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 407 zur Förderung wirtschaftlicher Interessen von in Deutschland wohnhaften oder wohnhaft gewesenen Juden m. b. II." Sie beschäftigt sich in erster Linie mit der Verwaltung und .Verwertung von Vermögen nebst allen dazu gehörigen Geschäften. — In der Sitzung der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde am 8. Mai erfolgte u. a. die Beratung der Vorstandsvorlage, in der beantragt wird, die A m t s z e i t der in der Wahl vom 30. XI. 1930 gewählten Repräsentanten bis zum 31. XII. 1936 zu verlängern. Die im Amt befindlichen Gemeindevorsteher sollen so lange in ihren Aemtern verbleiben, bis die Amtseinführung der neu zu wählenden Repräsentanten erfolgt sein wird. Verbunden mit der Beratung war ein Antrag von Amtsgerichtsrat Michaelis, die Zahl der Vorstandsmitglieder von 11 auf 12 zu erhöhen. Die Vorlage des Vorstandes war ebenso wie auch der Antrag Michaelis in erster Lesung mit 34 gegen 3 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen angenommen worden. Die Abstimmung nach der zweiten Lesung ergab das gleiche ZahlenverhäUriis. so daß der Antrag auf Verlängerung der Mandatsdauer der Repräsentantenversammlung mit überwältigender Mehrheit angenommen ist. — Am 23. V. wurde der Gynäkologe und Krebsforscher Hofrat Dr. Adolf T h e i 1 h a b e r . der in diesem Jahre auch sein 60jähriges Doktorjubüäum begehen kann, 80 Jahre alt. — Gröbzig. Die jüdische Gemeinde stellte dem anhaltischen Heimatmuseum ihre nicht meinbenutzte Synagoge auf 30 Jahre kostenlos zur Verfügung. Nach Ablauf dieser Frist gehen sowohl die-Synagoge als auch der Friedhof kostenlos in den Besitz der Stadt über. — Mannheim. Unter dein Vorsitz von Rabbiner Dr. Lazarus- Wiesbaden tagte am 13. V. der jetzt 40 konservative und liberale Mitglieder umfassende „Süddeutsche Rabbinerverband". Europa Ausland England. In der am 2. V. eröffneten 2. Tagung des Verwaltungsrats des E m i g r a n t e n h i 1 f s w c r k s, der aus Vertretern der an der Hilfsaktion interessierten Staaten zusammengesetzt ist, berichtete der Oberkommissar James G. M a c d o - nald über die bisherige Arbeit und besprach die PbU:e zur dauernden Seßhaftmachung der aus Deutschland ausgewanderten Juden. Er betonte, daß die Ansiedlung in Palästina unter Aufsicht des von Dr. Weizmann geleiteten Komitees der Jewish Agency gut fortschreite, und erwähnte, daß Palästina heute so. ziemlich das einzige Gebiet sei, das sich zur Ansiedlung von Ausgewanderten eigne. Keiner der übrigen Pläne scheine zur Zeit wenigstens durchführbar. Vor aiiem müsse dafür gesorgt werden, daß die Ausgewandarten so schnell als möglich in dauernde Heimstätten untergebracht werden. Von Anfang an sei die Berufsumschichtung der Ausgewanderten als eine der notwendigsten Maßnahmen für die Ermöglichung der Einordnung in neue Länder erkannt worden, wobei der Beruf des Landwirtes oder des geschulten Handwerkers aussichtsreicher sei als der des Kaufmannes, Arztes, Handlungsgehilfen oder Rechtsanwaltes. — Bisher wurde 173 aus Deutschland ausgewanderten Wissenschaftlern die Fortsetzung ihrer Arbeit an englischen Universitäten durch den unter Leitung von Lord Rutheiiord stehenden Londoner Rat für Akademikerhilfe ermöglicht. — Das Unterhaus hat kürzlich das Ermächtigungsgesetz zur Ausgabe einer P a 1 ä s t i n a a n! e i h e in Höhe von zwei Millionen Pfund einmütig angenommen. — Der Minister für die Kolonien hat vom High Commissioner für Palästina folgendes Telegramm erhalten: ..Arn Montag um 12 Uhr Mittag (14. V.) ist über Tiberias ein Wolkenbruch niedergegangen, der den Verlust von Menschenleben und schweren Sachschaden in der Altstadt zur Folge hatte. 19 Leichen wurden bisher aufgefunden. 15 Personen wurden ins Krankenhaus gebracht, mehrere werden als vermißt gemeldet. Viele Personen sind obdachlos geworden. Wirksame Hilfsmaßnahmen wurden getroffen." Der Minister 'midie Kolonien Sir Philip Cuniiffe-Lister hat an den High Commissioner von Palästina, Sir Arthur Wauchope. folgendes Telegramm gerichtet: „Mit großem Bedauern habe ich von dem Verlust von Menschenleben und den Schäden infolge des Wolkenbruchs in Tiberias erfahren. Uebermitteln Sie bitte dem Bürgermeister und der Bevölkerung von Tiberias den Ausdruck meines tiefen Mitgefühls mit den Hniterbliebenen der Opfer und den Notleidenden." — Der Erzbischof von 0 a n t e r b u r y , das Oberhaupt der englischen Hochkirche. erhebt in einem an die „Times" gerichteten Brief schärfsten Protest gegen die in letzter Zeit wieder laut gewordene llitualmordbeschuldigung. Der Erzbischof teilt mit, daß sich seinem Protest vierzig repräsentative Vertreter der christlichen öffentlichen Meinung^Englands angeschlossen haben. — Für die Hilfsaktion zugunsten deutscher Juden hat ein englischer nicht genannt sein wollender Nichtjude die Summe von lUOUÜ Pfund gespendet. Dr. R a y - m o n d K 1 i b a n s k y , ehemals P r i v a t d o z e n t an der II n iv e r s i t ä t Heid e l b e r g, wurde zum II o n o r a r y L e c t u - r e r am K i n g ' s C o 11 e g e lT n i v e r s i t y of London ernannt. Er wurde bereits vor einiger Zeit zum Mitglied von O r i e 1 0 olle g e O x f o r d gewählt. 85. Geburtstag . 10. Mai: Herr J a k o b H aas, Hegelstraße lf>. 89. Geburtstag Am 8. Juni 1934 begeht Frau Ida Aaron. Eschersheimer Landstraße 108. in größter Rüstigkeit ihren 80. Geburtstag. Sie i-;t eine Enkelin von Baruch B aseh witz. mit dem Wolf Heidenheim gemeinsam im Jahre 1798 seine Hebräische Druckerei gründete und der auch durch seine Pläne für Staatsanleihen sich bekanntgemacht hat. Mit Stolz erinnert sich die Jubilarin ihres bekannten Vorfahre-.». Frau Aarons rechnerisches Talent ist heute noch bewundernswert. Mögen der rüstigen Dame noch recht a iele Jahre vergönnt sein, in dem Kreis ihrer Freunde die Freude zu finden, die sie sich und anderen so gerne bereitet. 75. Geburtstag Iii. Juni: Herr Jakob Schwarz. Bergerstraße 93. Johanna Astruck Auf Grund des Alter^grenzengesetzes ist die Obersehullehrerin am Philanthropin. Fräulein Johanna Astruck. zu Beginn des neuen Schuljahres in den Ruhestand getreten. In all den Jahren ihrer Tätigkeit, Fräulein Astruck ist 1908 in den Lehrkörper des Philanthropins eingetreten, hat Fräulein Astruck mit unermüdlicher Gewissenhaftigkeit ihr Lehramt versehen, zu dem sie die reichen Gaben ihres Wissens und Herzens mitbrachte. Ihre Schülerinnen verehren in ihr eine gütige, gerechte Lehrerin, und ein großer Freundeskreis wünscht ihr noch viele frohe Jahre eines otium cum dignitate. das sie sich nach den Worten der obersten Schulaufsichtsbehörde „für ihre dem Staate in langjähriger treuer Pflichterfüllung geleisteten Dienste" verdient hat. Bernhard Firnberg Im 81. Lebensjahre starb der Musikalienhändler Bernhard Firnberg, der nicht nur im Musikleben der Stadt Frankfurt eine n ichtige Rolie gespielt hat sondern auch mehr als ein Jahrzehnt als Sänger im Chor der Hauptsynagoge wirkte. Vielen Gemeindemitgliedern sind die Sologesänge Firnbergs, die er mit wunderbarem Bariton vortrug, als künstlerische und religiöse Eindrücke noch in frischer Erinnerung. Am 1. Oktober v. J. erst zog sich Bernhard Firnberg von seinem Geschäft zurück, das er zu einem der bedeutendsten seiner Art in Deutschland entwickelt hatte. Sidney Dillenberg Nach wochenlangem, schwerem Krankenlager ist Sidney Dillenberg im 28. Lebensjahr abberufen worden. In unserer Zeit wird der Verlust von Menschen, die. wie er, geistiges Führertum repräsentieren, besonders schmerzlich empfunden. Von Jugend an mit der jüdischen Jugendbewegung aufs engste verbunden, hat er es in ganz kurzer Zeit verstanden, sich durch seine außerordentlichen Fähigkeiten einen Kreis von Freunden Und Mitarbeitern zu schaffen. Seine Kenntnisse in jüdischen Dingen, sein umfassendes Wissen auf dem Gebiete der Musik und der Literatur, seine menschlich vornehme Art waren es. die diesen Kreis ständig vergrößerten. Als er die Leitung des Jüdischen Jugendbundes übernahm, waren wir gewiß, in ihm chion wertvollen Menschen und einen guten Freund und Kameraden gefunden zu haben. Wenn auch durch seinen Beruf stark in Anspruch genommen, fand er doch immer noch Zeit, sich der HANNS L.K ÄTZ Dipl. Malermeister- Fernruf 94418 Am Kirchberg 27 Ausführung aller Maler- und Anstricharbeiten