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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-06-01 · 10 (6.1934) · p. Seite 402

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
10 (6.1934)
Date
1934-06-01
Page
Seite 402 (sequence 16)
Language
German
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feeite 402 Kulturarbeit des Monats Lieder-Abend von Alice Kassel Xaeh längerer Pause gab die Frankfurter Mezzosopranistin Alice Kassel einen eigenen Lieder-Abend. Die geschmackvolleVortragsart der Dame und ihr ernsthaftes Bemühen, weiter zu kommen, wurden aufs neue bestätigt. Das Volumen der — leicht dunkel getönten — Stimme ist recht ansehnlich, kommt aber nicht immer voll zur Geltung, weil der Ansatz mitunter gelockerter sein müßte. Frl. Kassel könnte die Wirkung ihres Gesangs schon dadurch steigern, wenn sie sich freier vom X o t e n b i 1 d machen würde. Die Vortragsfolge wich vom hundertfach gehörten Schema in erfreulicher Weise ab und verdient durchaus Anerkennung. Es zeigte sich, daß auch ein Programm, das nur Liedschöpfungen von Komponisten jüdischer Herkunft bringt, recht wohl durchführbar ist. Man hörte zunächst ein Arioso und Lieder des klassischen Romantikers Mendelssohn, dann zwei stimmungsmäßig recht verschiedenartige ..poemes juifs" des Impressionisten Darius Milhaud, weiter zwei eindrucksvolle .,Seelenlieder" (op. 16) von Heinrich Schalit und zuletzt, eine Mahler-Gruppe. — Max F i r n b e r g , der anfangs etwas robust begleitet hatte, fand sich im Lauf des Abends mehr und mehr in seine Aufgabe und gab sein Bestes mit der feinsinnigen pianistischen Erfassung der Mahler-Lieder. Alice Kassel fand bei ihren Hörern sehr freundlichen Beifall, g. sch. Hauskonzert Die Einrichtung von Hauskonzerten hat jetzt für uns .Juden einen tieferen Sinn erhalten, denn das Musizieren in künstlerischer Form vor einem kleinen, geschlossenen Kreis ist mehr denn je dazu berufen, Ersatz für das zu schaffen, wTas früher nahezu ausschließlich öffentlichen Veranstaltungen vorbehalten war. Diesem Zweck intimer Musikpflege diente in reichem Maße das von Clara Plaut gemeinsam mit Dr. Willy S a 1 o m o n unternommene Spiel auf zwei Klavieren. Standardwerke cter Spezialliteratur, die selbst eifrigen Konzertbesuchern durch die Seltenheit des in dieser Besetzung gepflegten Zusammenspiels oft unbekannt geblieben sind, kamen wohlgerundet und musikalisch wirksam durchleuchtet zu Gehör. Den Duos von Bach (Konzert O-moll), Mozart (Sonate ü-duv) und S c humann (Variationen) gesellte sich noch in gleich gediegener, stilsicherer Darstellung, dabei für viele Hörer gewiß eine Neuheit, das Rondo op. 73 von Chopin zu, eine etwas blasse, floskelreiche Arbeit, die aus dem Nachlaß herausgegeben worden ist. Das Auditorium nahm die künstlerische Feierstunde mit Zeichen lebhafter Anerkennung auf. A. H. Jüdischer Volkslieder-Abend Der junge Frankfurter Bassist Heinrich Bornstein hat im Rahmen verschiedener Konzerte der letzten Zeit wiederholt den Beweis erbracht, daß er zur spezifisch-jüdischen Musik stärkere seelische Verbundenheit empfindet als es in der Regel bei deutsch-jüdischen Künstlern der Fall ist. Der Verlauf eines jüdischen Volkslieder-Abends, den Heinrich Bornstein jetzt im großen Saal der — einigermaßen besetzten — Frankfurt-Loge ^ab. konnte diesen Eindruck vollauf bestätigen. Ein ganzes Programm, ausschließlich aus diesem einen Kulturkreis zusammengestellt, wurde mit Geschmack und Wärme vorgetragen. Die weiche Stimme Bornsteins verrät durchweg gute Schulung; gelegentlich nur sollte ein gewisser nasaler Beiklang ferngehalten werden. Das Publikum zollte dem Konzertgeber sehr herzlichen Beifall. Es zeigte sich auch — was manchen überraschen mochte —, daß unter diesen Kompositionen ostjüdischer Herkunft manche sehr wohl im Konzertsaal bestehen können. Dr. Willy S a 1 o m o n begleitete mit ausgezeichneter Einfühlung. Leider wurde der Beginn des Abends stark hinausgezögert. Die Texterklärungen des Programms waren nicht ausreichend. g. sch. Vortrag- und Konzertabend Programmatische Bemerkungen des Herrn Sanitätsrats Dr. Ettlinger über Sinn und Aufbau des Kulturbundes Rhein-Main eröffneten die erste Veranstaltung, in der zunächst Dr. H. Gundersheimer einen Lichtbildervortrag „Der jüdische Kunstsammler" hielt. Der Vortragende gab eine soziologische Darstellung der Sammelprinzipien der Juden und vermittelte einen Einblick in ihre Sammlungen. Auf welch fruchtbaren Boden die Ausführungen des Redners gefallen waren, zeigte der reiche Beifall, den er erntete. Es folgten jüdische. Gesänge des Baritonisten Ernst Wolff, mit anschmiegsamer Stimme wirkungsvoll dargeboten. Trotzdem erhob sich wiederum die Frage, ob es angängig ist, liturgische Melodien im Konzertsaal vorzutragen. Eine amerikanische Versteigerung — unter der Leitung des früheren Mitgliedes des Königsberger Stadttheaters Franz Oppenheimer — in der von der Künstlerhilfe erworbene. Kunstgegenstände zim Ausgebot kamen, scheint nicht den erhofften Erfolg gebracht zu haben. Dr. B. Orchesterkonzert des Kulturbundes Die Gründung eines Berufsorchesters, die der Initiative Hans Wilhelm Steinbergs und der Opferwilligkeit kunstsinniger Gönner zu danken ist, bedeutet eine mutige Tat, geeignet, dem jüdisch-kulturellen Leben Frankfurts und des gesamten Rhein-Maingebiets ungemeinen Antrieb zu geben. Das mit vielen Schwierigkeiten verknüpfte Wagnis ist künstlerisch in kaum zu erhoffender Weise gelungen. Diese Feststellung konnte jeder treffen, dem das wirkliche Erlebnis des eisten 'Konzertabends zuteil wurde. Steinberg hat in dem Streiehkörper eine erlesene Schar von Musikern um sich gesammelt; die jedem noch so hoch gestellten Anspruch genügen. Auch die heikle Bläserfrage ist für den Anfang relativ glücklich gelöst. Die Holzinstrumente sind mit recht zuverlässigen Kräften besetzt, die Blechgruppe vermag sich bei weiterer Uebung sicherlich zu entwickeln. Die Retuschen, welche sich die Partituren vorläufig im Bläsersatz noch gefallen lassen müssen, sind so geschickt gemacht, daß sie für den Laien kaum bemerkbar werden. Ueberhaupt: was besagen diese geringfügigen Mängel, deren Behebung nur eine Frage kurzer Zeit sein wird, gegenüber der bereits erreichten positiven Leistung! Steinberg braucht sich in der Stadt Frankfurt, deren prominentesten musikalischen Posten er jahrelang erfolgreich innehatte, als berufener Orchesterleiter nicht erst zu legitimieren. Was er aber unter denkbar ungünstigen Verhältnissen in knapp einmonatiger Probearbeit aus dieser etwa 35 Mitglieder zählenden, von überall hergeholten Spielgemeinschaft gemacht hat, verdient doch auf einem besonderen Blatte bemerkt zu werden. 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