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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-05-01 · 9 (5.1934) · p. Seite 369

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
9 (5.1934)
Date
1934-05-01
Page
Seite 369 (sequence 23)
Language
German
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Seite 369 ,,R e i c h s a u s s c h u ß der jüdischen Jugendverb ä n d e" hat für alle ihm angeschlossenen Jugend-, Turn- und Sportvereine mit Wirkung vom 1. April 1934 die Durchführung eines einheitlichen Versicherungsschutzes angeordnet. — In diesem Jahr kann die israelitische Waisenanstalt in Weißen see auf ein 60jähriges und der Verein „Jedide Ilmim" auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken. — Die bisher in Deutschland bestehenden staatszionistischen (revisionistischen) Gruppen, d. h. die „Staatszionistische Organisation", der ..Verband der Zionisten-Revisionisten" und der „Verband der Staatszionisten" haben sich zu der „Staatszionistischen Organisation" zusammengeschlossen. Diese Vereinigung, an deren Spitze der ehemalige Vorsitzende der Berliner jüdischen Gemeinde, Direktor Georg Kareski, steht und deren Vizepräsident der ehemalige Vorsitzende der „Staatszionistischen Organisation", Adolf Hirschfei dt, ist, bildet somit die Einheitsorganisation aller staatszionistisch eingestellten Zionisten Deutschlands. — Vom Jugendpflegedezernat wurde mit Unterstützung der jüdischen Gemeinde eine sportärztliche Beratungsstelle unter der Leitung bewährter Sportärzte eingerichtet. — Am 30. März wurde Prof. Dr. Franz Oppenheimer, der einstige Vertreter der Soziologie an der Frankfurter Universität, und am 26. April Dr. Meier Hildesheimer. Dozent am Rabbinerseminar und Seelsorger der Gemeinde „Adass Jisroel", 70 Jahre alt. — Dresden. Vor einiger Zeit sollte der Gemeinderat der Dresdener jüdischen Gemeinde neu gewählt werden. Der Gemeindevorstand, der befürchtete, daß Verhandlungen über die Aufstellung einer Einheitsliste nicht zum Ziele führen würden, wollte einen Wahlkampf dadurch vermeiden, daß er „unter vorübergehender Außerkraftsetzung entgegenstehender Bestimmungen der Satzungen" die Mitglieder des neuen Gemeinderats von sich aus berief. Gegen diese einstimmig beschlossenen Maßnahmen des Vorstandes haben einige Organisationen der Gemeinde Widerspruch erhoben. Zwecks Erreichung einer befriedigenden Lösung dieser Angelegenheit wandten sich sowohl der Vorstend als auch die Hauptopponenfcin, die jüdische Volkspartei, an die ,.Reichsvertretung der deutschen Juden", die nach eingehenden grundsätzlichen Darlegungen feststellte, daß ernste Meinungsverschiedenheiten über die richtungsmäßige Zusammensetzung des Gemeinderats nicht bestehen, so daß lediglich die personelle Zusammensetzung des Gemeinderats nachzuprüfen bleibe. Dabei kommt der Schiedsspruch zu dem Ergebnis, daß die Berufenen „ihrer Persönlichkeit nach zur Mitwirkung im Gemeinderat sowohl an sich als auch in der Zusammenarbeit miteinander geeignet erscheinen", daß sie auch ,,zur Vertretung der Anschauungen, deren Träger sie sind, qualifiziert" seien. Der Schiedsspruch entscheidet auf Grund dieser Feststellungen dahin: „Die Zusammensetzung des Gemeinderats der Gemeinde Dresden, gemäß den Beschlüssen des Gemeindevorstandes vom 11., 14. und 27. Februar 1934, berücksichtigt alle für das Gemeindeleben wichtigen Weltanschauungen und Kräfte. Der Gemeinderat in dieser Zusammensetzung ist in allem Wesentlichen von der Zustimmung der großen Gruppen des Dresdener Gemeindelebens getragen. Die Einwendungen, die gegen die Zusammensetzung des Gemeinderats vorgebracht werden, berühren seine Verbundenheit mit der Gemeinde, seine Legitimation in der Gemeinde und feine Fähigkeit zur Führung der Gemeinde nicht. Diese Zusammensetzung wird deshalb hierdurch gebilligt Die neuen Gemeindevertreter leiten ihre Befugnis ab aus dem Willen der übergroßen Mehrheit der Gemeinde und der Feststellung dieses Willens durch die Reichsvertretung. Die Feststellung auf diesem Wege ist notwendig, weil der verfassungsmäßige Weg zur Zeit nicht gangbar ist. Die Berufung erfolgt für die Dauer der laufenden Wahlperiode bis zum 31. Dezember 1935. Danach hat die Neubildung der Gemeindekörperschaften auf dem verfassungsmäßigen Wege stattzufinden." — Frankfurt a. M. Im Alter von 71 Jahren verstarb der bedeutende Sprachforscher Professor Dr. Josef Caro, einst Lehrer an der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft. — Die Frankfurter Pianistin Heida Hermanns-Holde konzertierte in Berlin, Frankfurt, Mannheim, Mainz, Wiesbaden, Brüssel mit großem Erfolg bei Publikum und Presse. — Hamburg. Bankier Martin Bier, der älteste deutsche Schachmeister, wurde am 1. April 80 Jahre alt. — Professor Dr. Richard S a 1 o m o n, Inhaber des Lehrstuhls für Paläographie an der Universität Hamburg, wurde auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in den Ruhestand versetzt. — München. Nach einer Verfügung der Regierung von Oberbayern soll, unter Einbeziehung der bestehenden Volksschule der Israelitischen Religionsgesellschaft „Ohel Jakob" eine achtklassige israelitische Volksschule errichtet werden. — Professor Dr. Oskar L o e w, der ehemalige Inhaber des Lehrstuhls für Pflanzenphysiologie an der Münchener Universität, wurde kürzlich 90 Jahre alt. — Offenbach. Bei den spanischen Skimeisterschaften, die in der Sierra Guadarama zum Austrag kamen, konnte der Student Walter K a t z aus Offenbach a. M., zur Zeit in Madrid, gegen internationale Konkurrenz die Meisterschaft im Slalom erringen. Im kombinierten Abfahrtslauf belegte Walter Katz gegen 72 Teilnehmer den 2. Platz, mit einem ganz geringen Punktabstand hinter dem Ersten. — Stettin. Kürzlich wurde in Stettin eine jüdische Genossenschaftsbank gegründet. — Weimar. Nach der neuen Prüfungsordnung für Zahntechniker in Thüringen werden zur Prüfung nur Personen, die arischer Abstammung sind, zugelassen. Die nichtarische Abstammung ist kein Hindernis für die Zulassung, wenn der Antragsteller am Weltkriege an der Front oder in einem Seuchenlazarett auf seiten des Deutschen Reiches oder seiner Verbündeten teilgenommen hat oder wenn der Antragsteller der Vater bezw. die Mutter oder der Sohn bezw. die Tochter oder die Ehefrau eines im Weltkriege Gefallenan ist. Europa Ausland Oesterreich. In Wien verstarb im Alter von 68 Jahren der bekannte Internist, Professor Dr. Hermann Schlesinger. Holland. Am 25. April wurde der jetzt in Scheveningen lebende Nathan Birnbaum, der unter dem Namen „Matthias Acher" bekannte Schriftsteller und Führer des thoratreuen Judentums, 70 Jahre alt. Belgien. Bei König Leopold III. erschien der Großrabbiner von Belgien mit dem Vorstand des belgischen Zentralkonsistoriums, um ihn im Namen des belgischen Judentums zu seiner Thronbesteigung zu beglückwünschen. Italien. Livorno. In diesem Jahre kann der jüdische Verlag Belforte & Co., dessen Haupttätigkeit in der Herausgabe und Verbreitung jüdischer Gebetbücher besteht, auf ein lOOjähriges Bestehen zurückblicken. — Pisa. 44jährig verschied Professor Alberto Olivetti, der Vertreter der italienischen Literatur an der Universität Pisa. — Rom. Die jüdische Gemeinde in Rom ist die einzige in Italien, in der die Zahl der Geburten höher ist als die der Todesfälle. Jugoslawien. Im Alter von 72 Jahren verschied der Ehrenpräsident der autonomen orthodoxen. Gemeinde in Zagreb. Lavoslav Rothstein. Polen. In Lemberg verschied im Alter von 72 Jahren Professor Henry ß i g 1 e i s e n, der Nestor der polnischen Literarhistoriker. Palästina. Der Export an Zitrusfrüchten betrug bis zum 18. März 1934 4 612 739 Kisten; das sind 150 000 Kisten mehr als der Export in der gesamten Saison 1932/33. Der Export von Palästinaweinen ist in diesem Geschäftsjahr, hauptsächlich durch die Aufhebung der Prohibition in Amerika, gegenüber dem Vorjahre um 30 Prozent gestiegen. — Nach amtlichen Veröffentlichungen wohnten am Ende des Jahres 1933 in Palästina 245 000 Juden; sie machten 22 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. — Tn Palästina gibt es zur Zeit 4 6 0 Advokaten und unter diesen etwa 200 Juden; in diesem Lande praktizieren augenblicklich 1568 Aerzte und 4 8 3 Dentisten. Amerika. In New York verstarb der in Mannheim geborene Mitinhaber des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co., Otto Hermann Kahn. Die neuesten n. eleoantesfen Modelle in Damen- Herrenu. Kinderschuhe finden Sie im E^X Concentra * Schuhvertrieb Schäfergasse 17 Bäckerei BERGMANN, Adalbertstrasse 6» Mi,giÄ Ä™...

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