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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-05-01 · 9 (5.1934) · p. Seite 360

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
9 (5.1934)
Date
1934-05-01
Page
Seite 360 (sequence 14)
Language
German
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Seite 360 lieh den religiösen Gehalt verdeckte, so Brods Romän-Weltiichkeit den theologischen Traktat, der hinter seiher Epik steckt. \ Brods Liebesromane handeln davon, wie das 'Liebeswunder verwirkt wird, wenn einem seiner Träger die Unbedingtheit des 'Gefühls abgeht, zeigen, wie die Welt aussieht, in der seine Helden sich, bewähren müssen, um nach jüdischer Auffassung göttlicher Gnade teilhaftig zu werden. Zwangsläufig mußte ein reifes Kunstwerk entstehen, als in seinem letzten Buch, „Die Frau, die nicht enttäuscht" (E. P. Tal & Co., Wien), die Themen Liebe-Gott, Jude-Welt einmal zusammenwuchsen. Es könnte auch — wie sein Vorgänger — „Das Jahr der Entscheidung" betitelt sein. Stefan Rott wurde noch in Plato unterwiesen, in der „Frau, die nicht enttäuscht" gibt Max Brod, dessen Ich sich in den Schriftsteller Justus Spira und in den Freund Stefan Rott spaltet, den theologischen Traktaten, die in das Romangeschehen eingebaut sind, die Form platonischer Dialoge. Ein essayistischer Roman also — und ein musikalischer. Die beiden Themen werden kontrapunktiert. In der Gestalt Carola Webers begegnet dem jüdischen Helden das Liebeswunder. Carola ist eine Deutsche, Angehörige des Landes, dessen Stellungnahme zum Judentum Justus in den Grundlagen seines geistigen und seelischen Seins erschüttert. Er ist im Begriff, alle deutschen Bindungen zu lösen^ als im Sommer 1932 die ...Mädchendame" Carola seinen Weg kreuzt. Den auf Liebe, auf eine neue deutsche Versuchung gar dieser Art gänzlich Unvorbereiteten überkommt das Diesseitswunder: Justus und Carola treffen sich auf einer „Höhe des Gefühls", auf der sich die — von Brod keineswegs abgestrittenen — Gegensätze deutschen und jüdischen" Wesens aufheben: hören auch die Belästigungen und Störungen der Welt nicht, auf: in dieser reinen Sphäre menschlichen Sich- Findens schwindet der Druck, der das Dasein des Mannes vergiftet hatte. Aber die Liebe zerbricht. Carola ist nicht „die Frau, die nicht enttäuscht". Und Justus nicht der Mann, der diese Jungverheiratete und Junggeschiedene zu halten vermöchte. Ihre Liebe zerbricht nicht an ihrer Deutschheit und seinem Judesein. Aber als ihre Liebe für zu leicht befunden wird, führen die Spannungen zwischen Mann und Weib auch zu Mißverständnissen" und Empfindlichkeiten zwischen der Deutschen und dem Juden. Sie verläßt ihn und geht eine neue Ehe ein. Ihn bestärkt ein Besucher aus Jerusalem in der Hoffnung, daß drüben das Judentum eine Renaissance erlebe, durch die es den Europäern in neuem Lichte erscheine. Das ist eine künstlerische Lösung, die der Dynamik des Romangeschehens entspricht: der Haß ruht in Tiefenschichten unterhalb jener Bezirke, die der Aufklärung zugänglich sind, und ist, wenn diese Schicht einmal aufgerührt ist, mit Gründen der Vernunft und Gesittung kaum zu beruhigen. Solange die Liebe währte, spürte. Spira den Haß nicht: sie liegt in Be: reichen, die sich menschlicher Uebereinkunft entziehen. Wenn er sich am Schlüsse Jerusalem zuwendet, so glaubt er damit nicht nur das Judenproblem einer Lösung zuzuführen, er verspricht sich vom zionistischen Aufbau, daß er der Welt ein Vorbild gäbe für ein neues Zusammenleben von Mensch und Mensch, Volk und Volk, für einen ethischen Sozialismus. Max Brod schließt auch seinen Roman „Zauberreich der Liebe" und sein Bekenntnisbuch „Heidentum, Christentum. Judentum" mit dem Ausblick auf Zion. Bei aller Sympathie bekennt er, daß der Zionismus nicht die einzige Lösung sein kann, er macht selbst darauf aufmerksam, daß Palästina höchstens den achten Teil der Judenheit der Erde aufnehmen kann. Seine Apologie des Judentums weist darum auch andere Wege der Erneuerung, ja, sie gilt sogar nur einem erneuerten Judentum. Ein verkümmertes Judentum kann seine Sendung in der Welt nicht erfüllen. Brod verwahrt sich gegen jene Folgen der Emanzipation und Assimilation, die zu einem Pietätsjudentum führten, zu einem Judentum, das nicht um seine religiöse und ethische Berechtigung gegenüber dem Christentum weiß. Sein Bekenntnisbuch behandelt diese Grenzsetzung nicht allein mit dem Takt, mit dem man andere Religiosität achten muß, er anerkennt auch die Werte, die aus ihren geschichtlichen Gewordenheiten hervorgingen. Für gefährlich hält er nur christlich-heidnische Amalgambildungen, gegen deren Welt- Durch meine 29 jähr. Tätigkeit im Hause Kaufhof A.-G. (vorm. Frank & Baer) habe ich die besten Verbindungen zu den leistungsfähigsten Fabrikanten. Die Eröffnung meines Fachgeschäftes in Damen-, Kinder- und Baby-Wäsche, Schurzen und Berufskitteln ist am 2. Mai 1934. Johanna Alexander iiiiiiiiii l l Goethestr. 4 Tel. 27316 Auch Regenschirme größte Auswahl in gewohnt geschmackvoller Ausführung von Mk. 9.— an. A. 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