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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-03-01 · 7 (3.1934) · p. Seite 289

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
7 (3.1934)
Date
1934-03-01
Page
Seite 289 (sequence 31)
Language
German
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Seite 289 wechslung in der Tracht und der Innenausstattung der Räume, je nachdem, ob es sich um eine Veröffentlichung aus Utrecht, Nürnberg oder Erlangen handelt, ist bei diesen sonst im allgemeinen übereinstimmenden Darstellungen nicht zu vermeiden. Besonders erwähnt sei hier nur noch das von dem in Amsterdam lebenden Franzosen Picart gestochene Interieur von 1725 Ein Besuch „Wenn Sie wieder zurück sind, wird jede Mutter fragen; wie ist Nahalal?" so meinte voraussehend meine Schlafgenossin im schönen Einwandererheim in Jerusalem. Sie hat damit recht gehabt — ich werde s o oft, auch von jungen Mädchen, gefragt, daß ich gern von dem freundlichen Angebot der Schriftleitung Gebrauch mache, hier zu einem größeren Kreise von Müttern und Töchtern davon zu sprechen, als ich es mündlich könnte! Nahalal — der Name geht auf biblische Zeiten zurück — liegt an der großen Autostraße, die von Haifa durch das Emek nach dem Straßenknotenpunkt Afule führt. Das Tal ist hier breit; nebeneinander liegen große jüdische Siedlungen (wie das vielen Deutschen wohlbekannte Jagur) und arabische Dörfer in der Ebene — die kahlen und unbewohnten Berghänge zeigen jene nicht von Menschenhand veränderte Weite und Leere und all diese kaum zu schildernden Tönungen zwischen blau und violett. Ueber ihnen liegt ein Himmel von nie geahnter Klarheit und Tiefe — ein heroisches, herbes Bild. Die Straße ist sehr belebt durch große Lastwagen und Autobusse, und immer wieder bewundert man die Fahrkunst der palästinensischen Chauffeure. Wir waren noch kaum aus dem Gewirr der mit den „sperrigsten" Lasten — Schienen, Baumaterial — beladenen Lastautos auf der großen Straße, als unser Chauffeur, ein schmaler Mann mit hellen Augen im gebräunten Gesicht, der uns gut und sicher auf der später recht holprigen Seitenstraße nach Nahalal brachte, uns freundlich orientierte: Nahalal ist Schule und Moschaw (dorfähnliche Gemeinschafts-Siedlung) und unser Besuch galt zunächst der landwirtschaftlichen Mädchenschule, die ein wenig später wie die Siedlung entstand, nämlich nachdem der allerschlimmste Wassermangel behoben war, der Wassermangel, der heute noch das größte Problem ist, und dem hoffentlich ein noch nicht fertiger neuer Brunnen abhelfen wird. Freilich, wenn man die Schule sieht, mit dem leuchtenden Kranz von tiefvioletten Bougainvillias über der Eingangspforte, den großen, wohlgepflegten Gärten und Anlagen, den blitzsauberen Hühnerhöfen und Kuhställen, der Käserei und allem, was zum gründlichen Erlernen der Landwirtschaft dient, so ahnt man nichts von solchen Schwierigkeiten! Seele der Schule ist die Leiterin, Frau Meisel, eine Frau, von der klare Kraft und zielbewußte Güte ausstrahlt, so daß man begreift: sie dient am rechten Platz einem großen Werk. Da ich von Freunden angemeldet kam, so hatte zu meiner Freude Frau Meisel ein wenig ihrer kostbaren Zeit frei für mich und meine vielen Fragen, besonders nach dem weiteren Schicksal ihrer Schülerinnen. Denn es scheint mir (nach vielen Schulbesuchen in den verschiedensten Ländern): so schön und wohlgeordnet das Leben in einer Schule auch sein mag, ihr großes Examen legt jede Schule erst später, in der Eignungsprüfung der Schüler fürs Leben ab! Die ehemaligen Schülerinnen der landwirtschaftlichen Frauenschule Nahalal sind zum größten Teil verheiratet und in der Landwirtschaft tätig. Da die Schule vor Fertigstellung des neuen zweiten Hauses etwa doppelt so viel Schülerinnen aufgenommen Weibliche Jugend und Um die schweren Aufgaben, die täglich an uns herantreten, wirksam lösen zu können, schließen sich häufig Gleichgesinnte und gleichen Zielen Zustrebende zu einer Gemeinschaft zusammen. Der Mädchenclub ist nichts anderes als eine in der einfachsten Form aufgebaute Gemeinschaft, um Freude und Mut im täglichen Lebenskampf zu geben. Wir wollen die jungen Menschen für ihre Arbeit stärken und nach getaner Tagesarbeit mit dem auf dem Boden herumstehenden Geschirr und ähnlichen kleinen Beigaben, durch welche die Stimmung „letzte Vorbereitung" erzeugt wird; besonders in den Mittelpunkt der Betrachtung wird bei diesem Bild die Mutter gerückt, die ihrer Tochter gerade religiöse Unterweisung zuteil werden läßt, indem sie ihr erläutert, wie der gereinigte Tisch aussehen muß. Ida Posen in Nahalal hat, als Wohnraum vorhanden, ist ein Teil der jungen Mädchen im Dorfe untergebracht; so ergibt sich eine freundliche Nachbarschaftsbeziehung zwischen Dorf und Schule. Die Schülerinnen, soweit sie Ausländerinnen sind, stammen meist aus Polen. Dort jedoch sah ich im vorigen Jahr in den Schulen nie solche derben, kräftigen Gestalten, mit festen Armen und leuchtenden Gesichtern. Eine seltsame Verwandlung hat die wunderbare Sonne dieses Landes vollbracht; unter ihr reift eine frische lebenstüchtige Generation von Müttern heran. Selbstverständlich gibt es auch viele deutsche Mädchen in der Schule: da es für sie heute besonders nötig ist, rasch in die praktische Arbeit zu kommen, hat die Schule auch in bezug auf deren Sprachkenntnisse bei der Aufnahme Entgegenkommen gezeigt. Umgangs- und Unterrichtssprache ist natürlich Jwrith Cneu-hebräisch). Um die Schuie nicht nur wie sehr flüchtige Passanten zu sehen, die einmal hindurchgeführt wurden durch Ställe, Bienenzucht, Baumschule und Gemüsegarten, sondern um etwas mehr vom Leben der Mädchen zu erfahren, blieben wir über Nacht bei lieben deutschen Freunden im Dorf. Das Dorf Nahalal ist kreisförmig angelegt — sichtlich aus dem gleichen Grunde wie viele deutsche Dörfer. Der innere Kern enthält die Gemeinschaftsbauten, Kindergarten, Schule, Post, Konsumverein, Wasserturm, auch eine kleine schlichte Synagoge, wo alte Männer so friedlich ..lernten", wie im fernen Geburtsstädtchen. Weit überragt wird das bescheidene Holzhäuschen durch ein modernes Gemeinschaftshaus mit Bühne und Radioanlage, das, obwohl noch im Rohbau, doch schon stark abgenützt erscheint! Den weitsren Kreis bilden die weißen Häuschen der Siedler, hinter denen ihr „Mesehek" liesrt mit Stall und Garten. Die anfänglich von den Siedlern errichteten kleinen Holzhütten stehen leer, seit die neuen Steinhäuser bezogen wurden. Hier leben jetzt viele Deutsche, denn Nahalal war einer der ersten Moschawim, wo junge Deutsche zum Anlernen von den Jkarim aufgenommen wurden: auch deutsche Kinder sind hier untergebracht, bis ihre Eltern sich in der neuen Heimat eingelebt haben. Die Kinder scheinen sich rasch einzugewöhnen und sind schon genau so wild wie die „sabres" (eingeborenen Kinder — aber das ist kein Schmeichelname!) von Nahalal. Auch einzelne deutsche Familien haben sich hier eingemietet, leben sich langsam ein, lernen Sprache und Klima kennen. Eine viel vernünftigere und billigere Möglichkeit dazu haben sie hier als in den Städten. Es stimmt gewiß,, daß die Frauen hier viel besser palästinensisch haushalten lernen. Dazu {rehört vor allem die Umstellung von Gas und Elektrizität auf Petroleum, aber auch das Kochen mit anderen Rohstoffen und vielem, was die Frauen können müssen. Sie müssen allerdings auf vieles verzichten, was uns unentbehrlich scheint — das ist eine der großen Aufgaben, die jeder Einwanderer für sich allein lösen muß, ehe er wirklich Wurzel fassen kann. Dr. Dora Edinger ihr Gemeinschaftsleben ihnen in der Freizeit Anregung, Belehrung und fröhliches Beisammensein geben. Vor vielen Jahren, lange vor dem Krieg, war die Idee der Girl-Clubs in England entstanden. Anna Edinger brachte diesen Gedanken von London nach Frankfurt. Bertha Pappenheim griff ihn auf und paßte die zu schaffende Einrichtung den Frankfurter jüdischen Verhältnissen an. So entstand der Mädchenclub. Es war im Jahre 1902. Heute

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