Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 7 (3.1934)
- Date
- 1934-03-01
- Page
- Seite 288 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forchheimer, Feldbergstrasse 31 Pessachvorbereitungen im Bild Die häuslichen Vorbereitungen zum Pessachfest beginnen bereits einige Wochen vor Anfang des Feiertages und dauern selbst bei der vorsorgenden Hausfrau bis zum Vorabend des Festes, an dem das gesetzlich vorgeschriebene Suchen nach Gesäuertem erst stattfinden kann, um es endgültig aus dem Hause zu entfernen. Selbst da, wo es ungünstige Umstände nicht immer ermöglichen, sich gebührend der Reinhaltung des Hauses zu widmen, regen sich in diesen Tagen fleißige Frauenhände, um mit doppeltem Eifer alle Ecken und Winkel zu durchstöbern, um etwa von den Kindern dorthin verschleppte Brotreste oder andere als Chomez, „Gesäuertes", bezeichnete Dinge aufzufinden. Die erhöhte Bedeutung, die das Reinemachen in diesem Zusammenhang erhält, drückt der Volksmund in treffender, etwas derber Weise durch das Sprichwort aus: Wenn der Bauer kaan Kerb hätt und der Landsmann kaan Pessach, kämen sie aus dem Dreck nit heraus. Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun, Goethe. Auch noch manchen gedruckten Haggadoth, z. B. der Mantuaner, den venetianischen und der 1662 in Amsterdam gedruckten, sind kleine Holzschnittvignetten als Randverzierung beigegeben, welche zur Erläuterung dieser Vorbereitungen dienen. Einmal ist eine Frau in geschäftiger Haltung beim Reinigen ihrer Kisten oder ihres Geschirrs abgebildet, ein anderesmal wird sie bei ihrem Gang in den Keller gezeigt, wo sie nach dem Rechten sieht, während der Mann schon die vorgeschriebene letzte Kontrolle vornimmt. In den venetianischen Haggadoth sind auch kleine, zur Belehrung geeignete Darstellungen des Kascherns enthalten. Sie veranschaulichen die fnaw?3TiaT53- ■^■■•runxD rnnra >y*va ^?;npmn/rnNjv: ^Tk^f^&^ 4 -VE n;-ns ^Jtk ■üip-Y^DlV Tjjm :rs"£D jit* Vvv fcj^ £t i? 4 '•pj;s^ v r*ViOBnj rh idd Msjk *njpNDnS "\-wp Vk ^kedksüw Mä'lrji i- \ \ -i i ■■■'vy:wp jnd 'd.itwd ^^s^'^wd'p;^Vi ' (^^fel^^t Es ist wohl selbstverständlich, daß eine derartig wichtige Angelegenheit auch dem Illustrator nicht entgangen ist. Schon in den frühen handschriftlichen Haggadoth finden sich neben den Bildern, die sich auf den Text des Büchleins, den Auszug aus Aegypten und die im Zusammenhang damit erwähnten Personen beziehen, auch Darstellungen der Pessachvorbereitungen. Besondere Erwähnung verdient hier die als Nürnberger Haggadahhandschrift in der Literatur bekannte Arbeit eines Juden aus dem 15. Jahrhundert. Die manchmal in der Ausführung etwas primitiv anmutenden farbigen Malereien sind für die Kulturgeschichte von großer Wichtigkeit. Sie gewähren einen Einblick in das Innere des Hauses der damaligen Zeit. Bald wird die Frau bei ihrer Arbeit mit dem Besen gezeigt oder der Mann eifrig beschäftigt, mit dem Licht in der Hand, nach verborgenen Brotkrumen suchend. Daneben kommen auch Szenen vor, die in charakteristischer Weise die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau beleuchten. Während die Männer die schweren Mehlsäcke auf den Schultern tragen, kneten die Frauen den Teig und formen die Mazzoth, die dann von den Männern in den Ofen geschoben werden. Die Darstellung einer Frau beim Schießen der Mazzoth in den glühenden Backofen findet sich unter einer Reihe in Buchform vereinigter Malereien in der Sammlung Siegfried Schwarzschild. Frauen beim Geschirreinigen, Mehlsieben and Mazzothhet'stellen. (Aus der Haggadah von Venedig 1740) für Pessach nach religiösen Vorschriften vorgenommene Herrichtung der Gefäße, die auch schon vorher beim alltäglichen Kochen Verwendung gefunden haben. Besonders deutlich ist dieser Vorgang in dem in verschiedenen Auflagen erschienenen Amsterdamer Minhagimbuch zu erkennen, in dem die religiösen Gebräuche des ganzen Jahres durch Wort und Bild erläutert werden. Ueber dem offenen Feuer hängt ein Kessel, aus dem die Dampfwolken des siedenden Wassers emporsteigen; die Frau bringt eine größere Anzahl von Gefäßen herbei, der am Kessel stehende Mann ist gerade im Begriff, ein dafür geeignetes Gefäß in das siedende Wasser zu tauchen. Auch die anderen Illustrationen dieser Minhagimbücher sind sehr anschaulich, so auch das Chomezsuchen, bei dem auch der kleine Knabe mit zur religiösen Betätigung herangezogen wird; unter dem Tisch hervorschauend hält er die Kerze so, daß beim Zusammenkehren der Krumen nichts unbeobachtet liegen bleiben könnte. Während die soeben beschriebenen Minhagimbücher für die religiöse Unterweisung bestimmt waren, sind im 17. und 18. Jahrhundert auch von verschiedenen nichtjüdischen Schriftstellern illustrierte Bücher veröffentlicht worden, in denen die Vorbereitungen zum Pessachfest vom Standpunkt des unbeteiligten Beschauers wiedergegeben werden. Eine gewisse Ab-