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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-03-01 · 7 (3.1934) · p. Seite 271

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
7 (3.1934)
Date
1934-03-01
Page
Seite 271 (sequence 13)
Language
German
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Seite 271 fassung der Hilfesuchenden, alles wurde mit Kopf und Herz zugleich erwogen. Daß Erziehung und Unterricht im Judentum eine religiöse Pflicht sind, geht auch aus unserer Thora hervor. „Diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen in deinem Herzen sein und du sollst sie einschärfen deinen Kindern." Hiernach sollte jedes Kind im Elternhause belehrt und erzogen werden. Schon dem dreijährigen Kinde wurde das Höre Israel eingeprägt. Die Errichtung von öffentlichen Schulen für Knaben von sechs Jahren an, von Schulen, die gewissermaßen Helferinnen oder Vertreterinnen des Elternhauses sein sollten, ist Josua ben Gamala um 65 nach Christi zu verdanken. Das Ziel des religiösen Judentums war der ewige Friede, die Verwirklichung des Prophetenwortes, daß die Schwerter zu Sicheln umgeschmiedet werden. Wenn man sich so die Gebote unseres Judentums betrachtet, dann muß man zu der Erkenntnis gelangen und hoffen, daß der wahre Sinn unseres Judentums der Sinn des Judentums in dieser Zeit sein möge. Althebräische Legenden Mitgeteilt von Dr. Bernhard Hirschberg-Schrader Der Heide und der Rabbi Einmal kam ein Heide zu Rabbi Joschua. „Glaubst Du, daß Gott die Zukunft kennt?" fragte er den Gelehrten. „Ich glaube es", erwiderte der Rabbi. „Wenn dem so ist, weshalb heißt es denn in der heiligen Schrift: „Ich werde alles, was ich geschaffen, vernichten, denn es gereut mich, daß ich den Menschen gebildet habe." Hat denn Gott nicht gewußt, daß der Mensch entarten wird?" „Hast Du Kinder?" fragte Rabbi Joschua. „Ja, ich habe Kinder", entgegnete der Heide. „Was tat'st Du, als Dir ein Kind geboren wurde?" „Ich gab ein großes Fest." „Weshalb hast Du ein Fest gefeiert. Wußtest Du denn nicht, daß Dein Kind dereinst sterben wird?" „Ich wußte es, aber in der Stunde der Freude, dachte ich nicht an das künftige Leid." „Der Ewige tat das gleiche", sah ihn der Rabbi gütig an, „er wußte selbstverständlich, daß der Mensch sündigen wird, aber dies konnte ihn nicht daran hindern, den Menschen zu erschaffen." Das Gebet der Erde Als der EAvige den Menschen erschaffen hatte, verhieß Er ihm ewiges Leben. Die Menschen waren fruchtbar und vermehrten sich. Sie lebten von den nützlichen Gewächsen, die die Erde hervorbrachte. Da sie aber noch nicht gelernt hatten, den Boden zu bearbeiten, fing die Erde an zu siechen, und sie flehte in ihrer Not zum Allmächtigen: „0 Herr des Himmels und der Erde. Du hast die Menschen erschaffen und zu ihrer Erhaltung die Früchte meines Schoßes bestimmt. Aber die Menschen vermehren sich ständig und saugen mir alle Säfte aus. Ich bin siech und werde verderben und mit mir wird das ganze Menschengeschlecht untergehen. Hilf, o Herr, gib auch mir eine Nahrung, auf daß ich nicht verderbe." Und der Allmächtige erhörte ihr Gebet und sprach: „Dem Menschen seien zu seiner Eihaltung alle nützlichen Säfte und Früchte der Erde gegeben, seinem Leben sei aber fortan ein Ziel gesetzt. Und wenn er stirbt, so falle sein Körper der Erde als Nahrung anheim, seine Seele aber entschwebe zu mir ins Himmelreich." Und die Erde genas. Als der Allmächtige den Menschen schuf Als der Herr beschlossen hatte, den Menschen zu schaffen, versammelten sich alle Engel um Ihn. Die einen flehten: „Herr, erschaffe ein Wesen, das Dich auf Erden preisen soll, so wie wir im Himmel Deine Herrlichkeit singen." „Erhöre uns, Allmächtiger", flehten andere Engel, „erschaffe niemanden mehr. Die von Dir auf Erden eingesetzte Harmonie wird erschüttert und in eine wilde Disharmonie verwandelt werden." Die Engel verstummten, als der Engel der Barmherzigkeit vor den Thron des Höchsten trat und niederkniete. „Herr, schaffe einen Menschen", begann der Engel mild, „schaffe ihn nach Deinem edlen Ebenbilde. Ich will dann sein Herz mit himmlischer Barmherzigkeit erfüllen, und er wird durchdrungen sein von Mitgefühl für alle Lebewesen. Durch ihn wird alles, was Atem hat, Dich preisen." Als der Engel der Barmherzigkeit geendet hatte, begann der Friedensengel: „Herr, erschaffe den Menschen nicht. Er wird den von Dir eingerichteten Frieden zerstören. Ströme von Blut werden seine Bahn bezeichnen. Die Erde wird von Aufständen und entsetzlichen Kriegsgreueln beschmutzt werden, und Du wirst auf der von Dir geschaffenen Erde nichts Schönes mehr finden." Es nahte der Engel der Wahrheit und sprach: „Half ein, o Gott der Wahrheit, hast Du einmal den Menschen erschaffen, so kommen mit ihm auf die Erde Lüge, Treubruch und Verrat." Nun trat eine tiefe Stille ein. Alsdann vernahm man die Stimme des Allmächtigen: „Ich werde den Menschen erschaffen, und Du. Engel der Wahrheit, wirst mit ihm zur Erde hinabsteigen. Aber Du bleibst Bewohner des Himmels. Du wirst zwischen Himmel und Erde schweben und so der Vermittler zwischen Göttlichem und Menschlichem sein." Einzelne Zimmer und ganze Haushaltungen im Lagerhaus der Firma B. B. Cassel, Schwanenstr. 14 Meldungen nur durch Postkarte erbeten. Besichtigung und Preisangabe erfolgt kostenl.

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