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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-03-01 · 7 (3.1934) · p. Seite 263

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
7 (3.1934)
Date
1934-03-01
Page
Seite 263 (sequence 5)
Language
German
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FRANKFURTER ISRAELITISCHES a GENEINDEBLATT Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde ßf\ Das Gemeindeblatt ersdieint monatl. u. wird den Gemeindemitgl. unentgeltl. zugestellt. Preis der Einzelnummer 40 Pfg. — Jahresbezug RM. t>.—. Schriftleitung: Fahrgasse 146; Fernsprecher: Sammel-Nummer H. 2754+. — Postscheckkonto: Frankfurt am Main Nr. 33521. — Anzeieenverwaltung: M. Isaac & Co., RaTensteinstrafle lt. I. Fernsprecher 44868 und 44888. — Anzeigen nach Tarif. — Anzeigenschluß für die nächste Nummer: 20. März. — Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemei ndeblattes nur die prefigesetzlicne Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis der Schriftleitung gestattet. 12. Jahrgang Frankfurt a. M., März 1934 Nr. 7 Worte der JUahnung Der Gemeindevorstand sieht sich veranlasst, durch seinen Vorsitzenden mit den folgenden dringlichen und ernsten Worten zu den Gemeindemitgliedern zu sprechen: Als Leiter der Gemeindeverwaltung und in Erfüllung ihrer Aufgabe als Beraterin der Gemeindemitglieder fühle ich mich gedrängt, einige Worte der Mahnung an die jüdische Öffentlichkeit zu richten, mit der Bitte an alle Gemeindemitglieder, ihren ganzen Einfluss aufzuwenden, um der Mahnung Gehör und Beachtung zu verschaffen Als ich bei der Versammlung, die die Arbeit des neuerstandenen Frankfurter Jüdischen Lehrhauses einleitete, im Namen der Gemeinde sprach und, unter Hinweis auf den Sturm, der über die deutsche Judenheit dahinbraust, mit den Worten des Propheten aufforderte „Sich in die Kammern zurückzuziehen, bis der Sturm vorüber'1, da meinte ich nicht nur die Besinnung auf unser Erbgut und seine erweiterte und vertiefte Pflege, sondern auch in gesellschaftlicher Beziehung möglichste Beschränkung auf den eigenen Kre s, sofern ein Hinaustreten nicht als durch Selbstachtung geboten oder als geradezu gewünscht sich darstelle, die Wahrung jener Würde, Haltung uid Zurückhaltung, die eine der beste r, wenn nicht die beste Wiffe derer ist, die sich als zu Unrecht aus einer geliebten Gemzin <chaft ausgeschlossen betrachten müssen. Seit dem Einsetzen des Sturmes ist beinahe ein ganzes Jahr vergangen, ohne dass die Schwere der Dinge wesentlich nachgelassen, und wenn ich auch gaiz g wiss nicht behaupten möchte, dass die Gewöhnung an die Situation die jüdischen Menschen abgestumpft und sie hat vergessen lassen, welche Haltung7'allein dem Betroffenen geziemt, so machen sich doch vereinzelt Erscheinungen geltend, die die Gesamtheit schalten und ihr verhängnisvoll werden können. Ich glaube, jiicht auf alle Einzelheiten einge 'ien zu brauchen. Es mag genügen hinzuweisen auf mancherlei des Takts entbehrendes Benehmen in der Öffentlichkeit, auf ein Neid und Unwillen erregendes Zurschautragen von Luxus, auch wenn er in den materiellen Verhäl'nissen des Einzelnen begründet sein könnte, auf Vieler mangelnde Zurückhaltung in dem Besuch von öffentlichen Veranstaltungen, wo Juden — um mich milde auszudrücken — bestenfalls nur geduldet werden, auf ein Üebermass in der Veranstaltu ig und Ausdehnung von Vergnügungen, wobei z. B. das Auffahren von Autos besonders unliebsam empfunden wird und zu ungerechtfertigten Verallgemeinerungen führen muss. Schon sind in verantwortungsbewussten Gemeindekreisen Stimmen laut geworden, die ein Einschreiten kategorisch verlangen. Möge diese ernste und dringende Warnung und der Hinweis auf die gefährlichen Folgen solch unverantwortlichen und mit Recht als Mangel an Gemeinschaftsgeist empfundenen 7uns genügen, um ihm Einhalt zu gebieten.

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