Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 6 (2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 250 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forchheimer, Feldbergstrasse 31 Jüdische Frauengesfalten in. Eva Bachrach In einer Zeit, in der weite Kreise in erhöhtem Maße bemüht sind, an wirklich jüdischem Leben wieder teilzunehmen und auch Verständnis für die hebräische Sprache gewinnen wollen, ist eine Frau, die sich besondere Verdienste auf diesem Gebiete errungen hat, geeignet, die Zaghaften anzuspornen und ein leuchtendes Vorbild für alle zu sein, die irre werden an der Möglichkeit, echte Weiblichkeit mit wahrhafter Gelehrsamkeit zu vereinen. Wohl muß zugegeben werden, daß für Eva Bachrach die Vorbedingungen besonders glücklich waren. Stammte sie doch aus dem Hause des berühmten Prager Rabbiners Low ben Bezalel, des unter dem Namen ..der hohe Rabbi Low" weithin bekannten Kabbalisten des 16. Jahrhunderts. Als dessen Enkelin wurde sie etwa 1580 geboren. Ihr Vater war Isak ben Simson Cohen. Ihre Mutter Vögele, die Tochter des Rabbi Low. hatte sich schon durch Gelehrsamkeit ausgezeichnet. Alles, was sie im elterlichen und großelterlichen Hause vor sich sah, war dazu geeignet, die mit hohen Geistesgaben ausgestattete Eva immer erneut zu ihrer Fortbildung anzuregen, so daß sie bereits bei ihrer Vermählung im Jahre 1600 die hebräische und aramäische Sprache beherrschte und auch im jüdischen Schrifttum wußte sie so gut Bescheid, daß sie des öftern von gelehrten Zeitgenossen um Deutungen schwer verständlicher Midraschstellen befragt wurde. An der Seite ihres hochgelehrten Gatten, Abraham Samuel Bachrach, der Weltruf genoß, fand sie auch weiterhin Anregung und Gelegenheit genug, ihre Fähigkeiten zu verwerten. Sie war noch sehr jung, wenig über dreißig Jahre, als er auf einen der bedeutendsten Rabbinersitze jener Zeit, nach Worms, berufen wurde, wo ihm allerdings nur eine kurze Wirksamkeit vergönnt war. Fiel sie doch in das zweite Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts, in die Zeit, in der an verschiedenen Orten des westlichen Deutschlands eine gewisse Aufruhrstimmung herrschte, die bald hier, bald dort zu einer Erhebung der Zünfte führte und dabei Der Mensch sollte so leben, dass er am Ende jeden Tages wiederholen könnte: Ich habe meinen Tag nidit umsonst verbracht. Sohar I 221 b manche'Opfer forderte. Auch in Worms kam es vorübergehend zu Ausschreitungen. Rabbi Abraham Samuel flüchtete, um nicht mehr zurückzukehren; untei'wegs ereilte ihn infolge der Strapazen der Tod. Er hinterließ seine trauernde Gattin mit vier Kindern in jugendlichem Alter, deren Erziehung sie sich nun in ihrem Geburtsort Prag widmete. Die einzige Ablenkung, die sie sich gönnte, war die Ausübung von Wohltaten und die Fortsetzung ihrer Studien. Sie hat zu den im Machsor enthaltenen Poesien auch selbständige Erklärungen angefertigt, die späterhin von ihrem berühmten Enkel Jair Chajim für würdig gehalten wurden, sie durch Abschrift der Nachwelt zu überliefern. Sie hatte die Freude als etwa Siebzigjährige die Berufung ihres einzigen Sohnes Samson nach Worms, wo einst ihr Gatte gewirkt hatte, zu erleben. Und sie folgte ihm auch noch für kurze Zeit dorthin, um dann, nachdem sie noch an der Barmizwahfeier ihres Enkels teilgenommen hatte, an die Ausführung eines lange gehegten Wunsches heranzutreten, eine Pilgerfahrt nach Palästina zu unternehmen. Doch wurde ihr hier die Erfüllung versagt, da sie auf halbem Wege vom Tode überrascht wurde. Sie ist in Sofia begraben. Ihr Andenken aber ist in einem Denkmal erhalten, das dauernder als Denkmäler aus Stein oder Erz ist, und das auch ihrer Gesinnung entspricht. Ihr Enkel Jair Chajim, der den größten Teil seines Lebens als Privatgelehrter verbrachte, hat seine Responsen unter dem Titel „Chawoth Jair" zusammengestellt; Chawah ist auch die hebräische Bezeichnung für Eva, und durch die Anspielung auf diesen Namen hat er auf die Bedeutung hingewiesen, die diese Frau für ihn und sein schöpferisches Wirken hatte. Ida Posen Grundsätzliches zur Berufsbildung und Berufswahl der jüdischen Frau Im Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt, wie in den Blättern des Jüdischen Frauenbundes fanden sich schon wertvolle Anregungen und Auseinandersetzungen zu unserer Frage. Wenn im folgenden unternommen werden soll, diesen Auseinandersetzungen eine grundsätzliche Untermauerung zu geben, so mag als persönliche Rechtfertigung die Tatsache gelten, daß diese Betrachtungen von einer Frau angestellt werden, der es vergönnt war, sowohl auf dem Gebiet der praktischen, insbesondere der erziehlichen, mütterlichen und hauswirtschaftlichen Arbeit, als auch in theoretischer Beziehung, hervorzutreten. Die sachliche Rechtfertigung liegt in den Dingen selbst, liegt im Rahmen der stürmischen und schmerzlichen Entwicklung, in deren Mitte wir uns befinden, liegt in den zwingenden Härten eines Schicksals, das bis an die tiefsten Wurzeln unserer Daseinsgestaltung greift. Ein Gutes aber hat diese Härte: Sie durchpflügt das Innere unseres gesamten Seins und wie die Söhne den Weinberg nach dem Golde durchwühlen, das nach des sterbenden Vaters Aussage darin verborgen sein soll und wie statt des Goldes ihnen herrliche Ernte zuwächst und sie den geheimen Sinn des väterlichen Wortes erkennen läßt, so werden, wie so oft schon, auch dem schweren jüdischen Schicksal dieser Tage neue Ernten des Aufstieges und der Erfüllung entsprießen. Wir müssen nur wollen. Eine der anscheinend schwierigsten Aufgaben dieses Neuwollens ist die Berufswahl, ist auch in vielen Fällen die Berufsumschichtung. Wer sich heute mit den Notwendigkeiten und Möglichkeiten jüdischer Berufswahl und Berufsausbildung auseinandersetzt, hat nicht nötig, sich mit Traditionen und verstaubtem Aktenmaterial herumzuschlagen, denn alles ist neu wie am ersten Tag. Neu und doch alt. Knüpft es doch an und muß anknüpfen an eine uralte Tradition und Gebundenheit: an die Scholle, an die Familie, an die Mütterlichkeit. In dieser Dreiheit liegt die Berufswahl des jüdischen Mädchens von heute beschlossen und in diesem Sinne muß die Berufsausbildung erfolgen.. Indem ■ wir das niederschreiben, treten wir zugleich einem Vorurteil entgegen, das niemals und heute weniger als je zu Recht bestand: dem auch in jüdischen Kreisen weit verbreiteten Irrtum, daß die Hauswirtschaft und rein manuelle Tätigkeit gegenüber der geistigen Leistung untergeordnet und minderwertig sei. Ich bin dieser Auffassung von jeher entgegengetreten, und gerade die mir auferlegte Doppelaufgabe hat mich frühzeitig zu der Erkenntnis geführt, daß das Wertvollste und Ewigk^eitssicherste. das die Frau der Welt an materiellen und erst recht an ideellen Werten zu geben hat, auf der mütterlich-erziehlichen und in Verbindung damit der hauswirtschaftlichen oder sonstwie erdhaft verwurzelten Ebene