Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 6 (2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 236 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3094266-3094399-3094405--3973-3098757- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 236 DRINGENDE AUFFORDERUNG! DAS GEBOT DER STUNDE! An alle jüdischen Arbeitgeber wenden wir uns mit der dringenden Bitte, LEHRSTELLEN für die Ostern 1934 zur Entlassung kommenden jüdischen Jugendlichen zur Verfügung zu stellen. Eine Generation, die die ungesunde Verteilung der Berufe unter den deutschen Juden erkannt hat und frühzeitig mit einer verständigen Umschichtung Ernst machen will, sieht sich vor ausserordentlichen nicht vorhergesehenen Schwierigkeiten. | Auch auf dem nunmehr verengerten Raum bietet sich noch Aussicht zu verständiger Berufsl'. wähl, wenn alle mithelfen, die dazu imstande sind. | Gesetzliche Bestimmungen, die die Einstellung jüdischer Lehrlinge verbieten, gibt es nicht. jj Auf den Erlass des Herrn Reichsarbeitsminister vom 24. November 1933 wird ausdrücklich hingewiesen. | Wenn irgendwo, so bedarf es in dieser Lebensfrage unseres Nachwuchses der jüdischen Solidarität! Sie stellt in diesem Augenblick, in dem ein starker Jahrgang von der Schule in die Berufe überführt werden muss—aus der Stadt Frankfurt allein über 200, aus dem hiesigen Bezirk eben" falls eine grosse Zahl—ein Problem erster Ordnung dar. Besonders erwünscht sind Ausbildungsstätten landwirtschaftlicher und handwerklicher Art ) und Ausbildung als Spezialarbeiter, sowie kaufmännische Lehrstellen. Es wird hierbei herzlich gebeten, auch allen denen entgegenzukommen, die aus ihrem jüdischen Gewissen heraus nur sabbathfreie Stellen annehmen können. JEDE Arbeit kommt in Frage, wenn mit ihr eine geregelte Ausbildung verbunden ist. Mehr als mit Geld kann jeder, ob Kaufmann, ob Industrieller, ob Handwerker schönste menschliche Hilfe leisten, wenn er in seinem Betrieb einem jüdischen jungen Menschen eine LEHRSTELLE gewährt. Wo eine Lehrstelle nicht möglich ist, sollte zumindest an die Anstellung eines anzulernenden Arbeiters gedacht werden. An sorgfältig ausgewählten Lehrlingen, die nach Charakter, Schulbildung und Eignung Gutes versprechen, ist in diesem Jahr ein besonders grosses Angebot. Sie alle müssen vor Beschäftigungs- und Berufslosigkeit bewahrt werden. Jeder Einzelne hat die Pflicht, hierbei mitzuhelfen; die jüdische Jugend wird es ihm danken! Meldungen von Stellen werden erbeten: für männliche Lehrlinge: an die Geschäftsstelle des Vereins Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden e. V., Frankfurt a. M., Hans Handwerkstrasse 30 ptr., Tel. 26162. für weibliche Lehrlinge: an die Geschäftsstelle des Unentgeltlichen Arbeitsnachweises und Berufsberatung der Weiblichen Fürsorge e. V. für jüdische Frauen und Mädchen, Frankfurt a. M., Hans Handwerkstrasse 3, Telefon 25462 Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden E. V. Unentgeltlicher Arbeitsnachweis und Berufsberatung der Weiblichen Fürsorge E. V. für jüdische Frauen und Mädchen. Vorstand und Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde Die Rabbiner der Israelitischen Gemeinde: Dr. Hoffmann Dr. Horovitz Mehler Dr. Salzberger Dr. Seligmann Jüdische Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe Centraiverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Landesverband Hessen-Nassau und Hessen-Ortsgruppe Frankfurt a. M. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten e. V. Landesverband Südwestdeutschland-Ortsgruppe Frankfurt a. M.