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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-12-01 · 4 (12.1933) · p. Seite 173

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
4 (12.1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 173 (sequence 39)
Language
German
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Seite 173 sie muß die Geduld aufbringen, 4ie Nervosität ausschalten. Künstlerische Formung ist menschliches Sichselberfinden, menschliche Zielsetzung der Klärung und Harmonisierung. Die Kunst der Darstellung ist die Instrumentierung des inneren und äußeren Menschen, geistiger, seelischer und Körperausdruck zugleich. Die Gesamtpersönlichkeit gestaltet. Man schaffe das unsinnige Getue des Nachahmens, Theatermachens und Deklamierens beiseite und betone dem jungen Menschen gegenüber, daß das Sprechen einer. Dichtung, das Erfassen einer „Rolle" keine Spielerei ist, sondern Verpflichtung höchster Art. Da kann man nicht „einüben", „einstudieren" und wie all die törichten, verbrauchten Schablonen heißen und immer noch angewandt werden! Unsere jungen Menschen müssen, ob sie nun selber Versuche anstellen, wie weit ihre Gabe reicht, ob sie an Berufszukunft im musikalischen, sprachlichen, tänzerischen, filmischen Bühnenkunstwerk denken oder einsehen, daß sie nur das sein können, woran es bitter fehlt, kulturell hochstehendes Publikum — unsere jungen Menschen müssen erkennen, daß „Kunst4nicht „Karriere" ist, nicht „Stanvettlauf", sondern Hingabe, Aufopferung, seelische Tapferkeit. Wenn sie aus der Freizeitbeschäftigung mit der „Kunst" nichts anderes gewinnen würden, als diese Einsicht, die nicht mit der vergangenen Zeit übereinstimmt, nicht mit den familiären Anschauungen und Tendenzen, dann wäre schon viel für die neue Lebensausrüstung unserer jungen Generation gewonnen. Dies ist die ideelle Seite! Die praktische? Man gebe der Jugend Einsichten in die technischen Grundlagen aller Darstellungsarten. Man gebe ihr vor allem das, Avas auch erst heute so betont wird, wie es nötig: die Atemtechnik. Wie verkrampft und verspannt der Mensch von heute ist, wie forciert er die einfachsten und natürlichsten Funktionen behandelt, das weiß nur der, der an der Verkümmerung seiner Ausdrucksmittel erkennt, wie der Pendel der Lebenskraft arbeitet, der Atem. Was will der Redner, der Sprecher, der Darsteller, der Tänzer ohne die Elastizität der Atmung, die Spannkraft, die dem Alltag abhanden gekommen ist. Es gilt die Naturfunktionen wieder einzurichten. Sonst kann von Durchhaltenkönnen keine Rede sein, nicht einmal im dilettantischen Versuch . . .! Es gilt dann, Körper und Stimme zu instrumentieren, derart zu entspannen — nicht, wie früher krampfig zu überspannen, daß die Innenschwingung der Persönlichkeit ungehemmter Ausdruck wird. Man lasse die Jugend die Worte der Dichter sprechen, die sie fühlt, nicht die, die sie auswendig paukt und „hersagt" oder „aufsagt" oder „deklamiert" oder „rezitiert" — sprechen gleich fühlen —; das „Verstehen" machts auch nicht, das innere Erlebnis machts. Welche Arbeit, welch schöne Arbeit, die Jugend da aufzuklären und ihr Einsicht zu schaffen! Man richte Literaturübung ein, nicht mit gedanklichen Einführungen, gescheiten Tifteleien, nein, mit Selbstübung der Jugend, sie soll selber sprechen, was sie im Dichter erlebt, sie soll die Dichter selbstgestaltend aufnehmen. „Ich habe das und das bereits gelesen!" Das ist eine törichte Oberflächlichkeit — Lesen können wenig Menschen; sie nehmen Spannung auf, aber nicht Dichter, sie lesen ihre Neigungen in ein Buch hinein, aber sie holen^nicht des Dichters Gehalt aus dem Werke heraus. Laßt uns das*unserer Jugend vorhalten . . . und immer wieder: nicht deuteln! Erleben, innen Erleben. Und laßt dann die Jugend gestaltungsfroh an Bühnenwerke herangehen, nur unter einsichtiger Selbstführung, an Werke, die ihren Kräften innen und außen entsprechen. Schon die taktvolle Wahl ist Vorbereitung der Jugend zu dem ganz unerhörten Ringen, das ihr bevorsteht. Es gibt ja eigentlich keine Freizeit mehr für sie, nur Rüstungszeit. Zeigt ihr, wie sie Lebensmut und Tüchtigkeit in ihr erringt, das ist die einzige Antwort, die wir auf die Fragen der Zeit zu geben haben. A 1 f r e d A u e r b a c h Mitteilungen der Jugendkommission I. An Stelle des von Frankfurt a. M. verzogenen Herrn Ernst Holzer, dem die Jugendkommission der Gemeinde auch an dieser Stelle für die erfolgreiche Tätigkeit innerhalb der Kommission und die umsichtige Leitung der Jugendbeilage ihren Dank ausspricht, ist Herr Georg Guthmann, Frankfurt a. M., Bettinastraße 41, mit der Schriftleitung der Jugendbeilage betraut worden. Die Herausgabe und Gestaltung der Beilage liegt auch fürderhin bei der Jugendkommission. II. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände gibt folgendes beknnnt: Der Ju^endliilirer des Deutschen Reiches hat unter tiein 2. November an den Reichsausschul! der jüdischen Ju^endverbiinde ein Schreiben gerichtet, nach dem er ..von nun ab lediglich den Reidisausschul! der jüdischen Juyendverbünde als alleinige verantwortliche Zeiitralorgauisation der jüdischen Jugend betrachtet. Für alle in Frage kommenden Verhandlungen ist künftighin nur der Keichsausscliuli der jüdischen jugendverbüude zuständig'*. Mit der hierdurch ausgesprochenen Anerkennung des Reichsausschusses der jüdischen Jugeudverliände ..als alleiniger verantwortlicher Zentralorganisalion der jüdischen Jugend"" ist die Arbeit der jüdischen Jugendblinde im Rahmen der geltenden Bestimmungen gewährleistet. Die jüdischen Jugeiidbiiiide können sich daher jetzt mit ganzer Kraft der ihnen gestellten grolieu Aufgabe der Erziehung der jüdischen Jugend zuwenden, und sich ganz der Arbeit widmen, die der jungen jüdischen Generation in Deutschland durch die Forderungen der Gegenwart aufgegeben ist. Getragen von der ihm auferlegten Verantwortung für die gesamte jüdische Jugend, wird für den Reichsausschul" der jüdischen 'jugendverbünde weiterhin der Grundsatz der Arbeit bleiben, die berechtigte Eigenart der Bünde; zu achten, vor allem aber alle lebendigen Kräfte der jungen jüdischen Generation wirksam zusammenzufassen. Für die praktische Arbeit geben wir im Finverslüudnis mit der Jugendtührung des Deutschen Reiches. Abt. Verbände, folgendes bekannt: 1. Es entspricht der Anordnung der Jiigendführung des Deutschen Reiches, daf! alle die jüdische Jugend betreffenden Fragen über den Reichsausschul der jüdischen Jugendverbände geleitet werden, so dal! künftig Bünde. Gruppen oder sonstige jüdische Stellen nicht unmittelbar an die Jugendfiihrung des Deutschen Reiches herantreten. 2. Der Reichsausschul! der jüdischen Jugcmlverbände wird in allernächster Zeit den einzelnen Gruppen mitteilen, welchem Landes- oder Ortsausschuß sie angehören. 3. Der Reichsausschufi der jüdischen Jugendverbünde wird auf ihren Antrag den Führern der einzelnen Bünde und Gruppen Ausweise ausstellen, die sie gegenüber den Behörden legitimieren. Reichsausschuf! der jüdischen Jugendverbände E. V. Ludwig Tietz. Ernst Stillmann III. Am 15. November 1933 fand die Neuwahl der Jugendvertreter in die Jugendkommission der Gemeinde statt. Es wurden gewählt: Heinz Gochsheimer, Georg Guthmann, Leo Heß, Julius Hirsch, Paul Yogi Mayer, Alfred Speyer, Trude Stern. 5* i J, Hackenschmied Bau- und Möbelschreinerei Beizen, Polieren Reparaturen all.erArt Gr. Bockenheimerstr. 64-70 Telefon 29674 Spezialhaus für alle Polstermaterialien Rolladen und Durchzuggurten Eduard Hecht & Co. Töngesgasse 13 Telefon 28597 /m _ MARIANNE HIRSCH ^lODERNE SCHAUFENSTER-DEKORATION FRANKFURT A. M. FELDBERGSTR. 31 TELEFON Nr. 77928, rief marken ^und Sammlungen kaufen geg. bar PHILIPP KOSACK & CO. Berlin, Burgstr.13. Preis), f. 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