Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-12-01 · 4 (12.1933) · p. Seite 144

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
4 (12.1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 144 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3094266-3094399-3094403--3871-3098653
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 144 Meir mußte aus Palästina fliehen, kehrte aber später zurück. Wie war das Dasein des Juden zu verstehen? Was bedeutete Heimat, Fremde, Roms Herrschaft. Erniedrigung Israels, und was durfte man für die Zukunft erwarten? ,.Und ihm träumte: Da, eine Leiter gestellt auf die Erde, ihr Haupt an den Himmel rührend, und Boten Gottes steigen auf, schreiten nieder an ihr" (1. B. M. 28, 12). Es sagte Rabbi Berechja und Rabbi Chelbo und. Rabbi Schimon ben Jochaj im Namen des Rabbi Meir: Das lehrt, daß gezeigt hat der Heilige, gesegnet sei Er, Jakob, unserem Vater, den Schutzherrn von Babel aufsteigend und absteigend, den Schutzherrn von Medien aufsteigend und absteigend, den von Griechenland aufsteigend und absteigend, den von Rom aufsteigend und absteigend. Der Heilige, gesegnet sei Er, sprach zu ihm: „Jakob, auch du steige auf!" In dieser Stunde geriet Jakob, unser Vater, in Furcht und sprach: „Vielleicht gibt es auch für mich einen Abstieg, wie es für jene einen Abstieg gibt?" Da sprach zu ihm der Heilige, gesegnet sei Er: .,Israel, iaß dich nicht bestürzen: steigst du auf, so gibt es für dich einen Abstieg in Ewigkeit nicht!" Er aber glaubte nicht und stieg nicht auf. Da sprach zu ihm der Heilige, gesegnet sei Er: „Hättest du geglaubt und wärest du aufgestiegen,- nie hättest duabsteigen müssen, jetzt aber, da du nicht geglaubt hast und nicht aufgestiegen bist» sollen deine Kinder geknechtet werden von den vier Königreichen in dieser Welt, durch Tribute, Steuern, Strafen und Kopfabgaben." In dieser Stunde geriet Jakob in Furcht und sprach vor dem Heiligen, gesegnet sei Er: „In Ewigkeit?'1 Da sprach er zu ihm: „Israel, laß dich nicht bestürzen! Denn, wohlan, ich befreie dich fernher, aus ihrer Gefangenschaft Land deinen Samen. Dann kehrt Jakob heim und hat Ruhe und ist sorglos und keiner scheucht auf" (Jeremia 30, 10). „Ich befreie dich fernher" — aus Babel, „aus ihrer Gefangenschaft Land deinen Samen" — aus Gallien, Spanien und ihren Nachbarländern, „dann kehrt Jakob heim" — aus Babel, „und hat Ruhe" — v'oe Medien, „und ist sorglos" — von Griechenland, „und keiner scheucht auf" — aus Rom (Pesikta de Rab Kaliana 151a). * Israels Schicksal ist von ihm selbst gewählt, von ihm selbst verschuldet. Es hätte den Weg der Völker gehen können. Aber es fürchtete, dem Gesetz des Aufstiegs und Niedergangs zu verfallen, das in der Geschichte herrscht. Das Mißtrauen gegen die Geschichte wird als Abfall von Gott verstanden, und die Strafe vollzieht sich nirgendwo anders als in der Geschichte. selbst: Als Knechtschaft unter den Mächten. Das Vertrauen aber, das zu Anbeginn versagt hat, darf die Zukunft gestalten, die sich als Heimkehr aus der Fremde vollzieht. So las man in schlimmen Zeiten die Erzählung von Jakobs Traum. Keine Anklage; die Gründe des Schicksals liegen im eigenen Herzen: die Völker sind Boten, die Gottes Auftrag vollziehen. Deiwandernde, dienende, ringende, hoffende Erzvater begleitete seine Enkel. Tausend Jahre nach der Lehrdeutung Rabbi Meirs schreibt Jehuda Halevi zur Verteidigung des gedemütigten Glaubens sein Chasarengespräch. Die alten jüdischen Fragen, vielfach gelöst, wurden immer neu von den Zeiten gestellt. Was antwortet der größte Dichter der Juden? Lesen wir das Gleich: nis vom Samenkorn (Kusari IV. 23): Gott führt uns nach Sinn und Plan, gleich dem Plane eines Samenkornes: Es fällt in den Erdboden und dem Anschein nach verändert es sich und verwandelt sich in Erde, Wasser, Kot, und es bleibt davon kein merkliches Zeichen. So erscheint es dem Betrachter. Und doch ist es das Samenkorn, das den Erdboden und das Wasser in seine Natur verwandelt und sie von Stufe zu Stufe mitreißt; es löst die Elemente auf und formt sie in seine eigene Gestalt ein: dann treibt es Schalen und Blätter. Nur muß der Kern geläutert sein und also dafür geeignet, die Gestalt des Ersten Samens zu tragen. Ein solcher Baum erzeugt die Frucht, gleicn der Frucht, aus der sein Same stammte. Also ist es mit der Lehre Mosches: Jeder, der nach ihm kommt, wird in Wirklichkeit in die Lehre eingetonnt, wenn er sie auch, wie es den Anschein hat, verwirft. Die Völker bereiten vor und leiten ein den erwarteten König Messias. Er ist die Frucht und doch werden alle seine Frucht sein, so sie sich zu ihm bekennen. Es ist ein einziger Baum. Die Wurzel aber, die sie verachtet hatten, werden sie rühmen und ehren, wie wir es an der Stelle vom Gottesknecht erklärt haben. * Es ist eine alte Antwort, aber neu gegeben, daß die Zeit sie aufnehmen konnte: Die Fremde läutert uns, und darum ist die Erniedrigung Israels eine scheinbare. Und wiederum: Es geht nicht um Israel allein, sondern um den einen Baum der Menschheit. Der aber diese Lehre gegeben hat, wird nicht zum messianischen Schwärmer, aber auch nicht zum Anbeter der Fremde, deren Sinn er verstanden hat: er wandert zu den heiligen Ruinen der Väterheimat zurück. Hier verwandelt sich das Schicksal des Stammes wieder zurück ins Schicksal eines seiner Träger. Und wir? Was hat die Fremde aus uns gemacht? Wir müssen aufs neue unser Rüstzeug prüfen. Erleiden wir das Schicksal nur oder tragen wir es, weil uns sein Sinn gegenwärtig ist? Prüfen wir, ob wir den Worten treu sind, die ein Prophet der Generation zugerufen hat, die nach der babvlonischen Gefangenschaft, ein neues Gemeinwesen im heiligen Lande zu begründen sich anschickte, dem Worte, das wir am Sabbat des Chanukkafestes als Haftara lesen (Secharja 4,6): „Nicht durch Macht, nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige der Heerscharen!" KISTEN k Ü fertig genagelt und in Teilen, roh, gehobelt, gedübelt, auch geleimt, in jeder Menge, Größe und Holzstärke, sowohl für Inlandsversand, als auch für Export liefert prompt und vorteilhaft ©UJSiTÄV Karl Fleschstrasse 1 Telefon C 45724 3htmawd& Schlaganfalh _ cje recht- 1 , Arterienverkalkuna - %tX^^x\ «feÄf «dä *ünsti^ZZrt"°~*2 Zu haben in den Apotheken Wohnungen, Einfamilienhäuser, fflr £= Mieter kostenfreie Vermittlung. An- und := Verkauf von HSusern | Gustav Oppenheimer | §= Liebigstrasse 41 Tel. 75657 ■illllllllll!ll!llillll!lllllll!IHIllliilill!lll!llllll!llllili!illlllllllli!lllll!llllllllll!a I 2 jüd. Herren Ausländer, such. i. gutem Hause d.Westens 1 möbl. Wohnzm.., sow 2 mbl. Schlafz. m. Ztrlhzg. u. fl. Wasser. Oft. u. D 280 a. d. A.-V. Ravensteinstr. 11 Rolläden und Jalousien alle Reparaturen Bruck & Schultheis Merianstraße 39 - Tel. 42089 Langjährige Fachleute

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.