Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-12-01 · 4 (12.1933) · p. Seite 143

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
4 (12.1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 143 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3094266-3094399-3094403--3870-3098652
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 143 Die Menorah des Chanukkahfestes Von Erich Toeplitz Zun?Andenken an den Verfasser Chanukkah wird sowohl vom Talmud als auch von Josephus als das Pest der Illumination, beziehungsweise als das Fest der Lichter bezeichnet, und noch heute ist das Anzünden des achtflammigen Leuchters sein Merkmal. Im Zeitalter der Technik fällt dieser Brauch nicht mehr so auf wie früher: ein Lichtermeer umflutet uns alltäglich, und das geheimnisvolle Wunder, daß die natürliche Helle des Tages durch die künstliche des Lichtes ersetzt werden kann, will uns wenig bedeuten. Dennoch spielt das Licht immer noch eine große Rolle in unseren Bräuchen, zumal wir Juden für alle Unterschiedlichkeit ein besonders feines Verständnis haben und deshalb auch die Reize, die aus der Verschiedenheit von Helligkeit und Dunkel entstehen, zu schätzen wissen. Die Strahlen der Sabbatlampe verkünden den Beginn des Ruhetages am Ende der Woche und den Beginn der Festtage. Die Hausfrau verdeckt die soeben entzündeten Flammen mit den Händen, und während sie diese langsam fortzieht, erfreut sie sich beim Segensspruch über das Licht des hellen Scheines. Am Ausgang des Sabbats spricht der •Hausvater die Unterscheidung — Hawdalah — zwischen Heiligem und Profanem, zwischen Licht und Finsternis usw. Das Licht zum Gedächtnis der Verstorbenen hat sich auch in den assimilierten Kreisen erhalten, und in keiner Synagoge fehlt die ewige Lampe, die nach der Ueberlieferung mit dem Leuchter des Stiftszeltes und der Tempel in Zusammenhang gebracht wird. Die Wiederentzündung dieses Leuchters gab den Anlaß zu unserem Lichterfest; darüber berichten die Bücher der Makkabäer folgendes: Als Antiochus Epiphanes den Tempel im Jahre 169 v. d. Ztr. entweiht hatte, wurde er drei Jahre später nach den siegreichen Kämpfen der Makkabäer, am gleichen Tage (das ist der 25. Kislev) von neuem geweiht, und an Stelle des von Antiochus zerstörten Leuchters wurde ein neuer gesetzt. Wir alle kennen die Erzählung, daß das damals vorgefundene geweihte Oel acht Tage lang brannte, obgleich es nur für einen Tag reichte. Den wenigsten dürfte eine ähnliche, ältere Ueberlieferung geläufig sein, die von der Auffindung des heiligen Altarfeuers am 25. Kislev zu Nehemias Zeiten berichtet. Auf dieses Ereignis geht ein „Fest des Feuers" benannter Feiertag zurück, an dessen Stelle später das Makkabäerfest getreten ist. Es wird übrigens geradezu als das „Laubhüttenfest des Monats Kislev" bezeichnet, also als Winterfest mit dem Herbstfest in Zusammenhang gebracht. Auch die Heiden feierten den 25. Kislev: besonders nordische Völker begehen in der Winterszeit ein Aus „Beiträge zur jüdischen Kulturgeschichte", Heft 1. Mit frdl. Genelnnigung der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler. Fest des Feuers, mit dem die Lichter des deutschen Weihnachten in Zusammenhang gebracht werden. Alle diese Feiern verdanken den Naturvorgängen ihre Entstehung. Wollen wir die Entwicklung der Menorah im Verlaufe der Jahrhunderte verfolgen, so müssen wir uns zuerst darüber klar werden, daß die Fülle der erhaltenen Typen sich nicht nach stilgeschichtlichen Gesichtspunkten allein gliedern läßt. Nicht nur bei jüdischer Sakralkunst, sondern auch bei christlicher hat man noch jahrhundertelang alte Stilformen beibehalten, trotzdem diese bereits längst für die weltliche Kunstübung außer Gebrauch gekommen waren. Mögea die Juden auch alle Zeit weit konservativer als die Umwelt gewesen sein, — eine Tatsache, die sich nicht nur aus ihrem künstlerischen, sondern auch aus ihren religiösen und philosophischen Schöpfungen beweisen läßt, — sie zeigen in dem konservativen Zug ihrer Sakralkunat keine so erhebliche Besonderheit. Außerdem wissen wir, daß alle in der Diaspora lebenden Kulturgemeinschaften sich jeder Neuerung gegenüber sehr zurückhaltend verhalten, zum Beispiel die versprengten deutschen Kulturgruppen in Siebenbürgen oder in den baltischen Provinzen. Dies Verhalten wird mit Recht als eine Art Selbstschutz gegen Assimilierung angesehen. Erst die vom Wahn der Aufklärung, der unbedingten Angleichung an die Umwelt und späterhin des alleinseligmachenden Fortschrittes erfaßte Zeit der Emanzipation verließ das erprobte konservative System, zum Teil folgte sie einem inneren Zwang, zum Teil nur äußeren Notwendigkeiten. Dieser Umstand hat für die jüdische Kunstübung eine, man könnte fast sagen, abschließende Wirkung, denn die an Stelle der Sakralkunst zu erwartende weltliche Kunst war für die Diaspora keineswegs möglich. Für alle jüdische Sakralkunst ist das erste Viertel des 19. Jahrhunderts ein Endpunkt, über den hinaus nur ganz selten einmal *ine bemerkenswerte Arbeit reicht. Da wir noch in den Anfängen einer jüdischen Kunstforschung stehen, bleiben viele Zusammenhänge ungeklärt Das bisher bekannt gewordene Material zeigt, wie viel Neues und Interessantes bei einer gründlichen Beschäftigung mit den jüdischen Kunstdenkmälern zutage gefördert wird. Wie denn überhaupt die Beschäftigung mit dem gegenständlichen Teil der jüdischen Kultur ein lebendigeres Bild der jüdischen Vergangenheit vermittelt, als es das geschriebene Wort allein zu geben vermag. Das Schriftwort Die Fremde Von Dr. Nahum Glatzer Aus den Erzählungen über die Erzväter, zu denen das Erste Buch, nach den elf ersten Kapiteln über die tragische Frühgeschichte der Menschheit übergegangen ist, hebt sich der Bericht über Jakobs Traum eigentümlich hervor. Jakob verläßt das Land der Verheißung, um in die Fremde zu ziehen. Wohl kehrt er in das Land zurück. Aber ein Wanderer bleibt er sein Leben lang und stirbt im Lande der Knechtschaft, in der seine Kinder verbleiben, um hier zum Volke zu werden, um also jenes Ziel zu erreichen, das den Ahnen im heiligen Lande immer neu von der Verheißung zugesprochen wurde. Die späteren Zeiten lasen die Erzählungen über die Erzväter, weil man in ihnen die großen Vorbilder des Lebens in Menschenliebe und Gottesehrung sah, und die vielen mittelalterlichen Kommentare zu diesem Buche stellen wahre Kompendien jüdischer Ethik dar. Aber, weil die Personengeschichte in jedem Augenblick den Bezug auf den Stamm, der sich bildet, wahrt, ja, weil die Bibel den Ahnen immer wieder vor das Kommende stellt, — darum konnte und mußte die Erzvätergeschichte als Stammgeschichte gelesen werden, als Buch, von dem ausgehend, Sinn und Schicksal des Stammes verständlich werden konnte. Der midraschische Text, den wir bringen, zeigt uns, wie entscheidend eine personhafte Begebenheit, von der Bibel berichtet, zum Ausgangspunkt geschichtsphilosophischer Betrachtung werden konnte. Rabbi Meir, auf den der Text zurückgeht, war ein Schüler Rabbi Akibas, jenes Meisters, der in der Zeit der Verfolgungen nach dem Bar - Kochba - Aufstand (132—135 n.) für Lehre und Gesetz sein Leben opferte. Rabbi

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.