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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-12-01 · 4 (12.1933) · p. Seite 141

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
4 (12.1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 141 (sequence 7)
Language
German
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Seite 141 Galuth eine ewige geworden ist, nur daß ihr Vorzeichen wechselt. Die Juden waren zwischen zwei Bewußtseinsinhalte gestellt, und es war gefordert, sich für einen zu entscheiden, und doch war die wirkliche Aufgabe, beide in sich hineinzunehmen und sie in der eigenen Seele zu vermählen. Es schien so, als sollte man sich zwischen dem Judesein und Griechesein entscheiden müssen, und der Zwang war aufgetan, sich für das Griechesein entscheiden zu müssen, und sie erstritten ihr Recht auf das Judesein. Ader indem sie dies ihr Recht erstritten, war doch nur in gewissen Bezirken ihres seelischen Lebens ein Entweder — Oder durchgefochten, und ein Teil des Problems dauerte fort. Denn auch die, die ihr Recht auf ein ganzes und ungeschmälertes Judesein erfochten hatten, konnten von dem Griechesein nicht mehr los, Sprache und Denken blieben angefüllt von dem Edelsten des griechischen Geistes, und je fester und sicherer sie sich in ihrem Judesein fühlten, um so offener waren sie dem wahren Geiste Griechenlands und öffneten ihm ihre Seele. In Wahrheit war die Entscheidung nicht für ein Entweder — Oder gefallen, sondern für ein Ineinander-Verarbeiten, für eine Geistesform der Ellipse, die eine Figur mit zwei Brennpunkten ist und von dieser Form ihre Gesetze erhält. Diese elliptische Geistesform ist seitdem das große Schicksal Israels. Es macht dabei wenig aus, wenn in dem Wandel und Wechsel der Zeiten die ewige Situation ihr Vorzeichen wechselt und sie einmal sich so darstellt, daß der Zwang für das Entweder — Oder ihm den einen Brennpunkt verwehren und. es auf den andern, den jüdischen, als den einzigen beschränkt. Immer bleibt das Elliptische seine Aufgabe, immer ist es sein Schicksal, dem es nicht entrinnen kann und picht entrinnen darf, dem man sich nicht entziehen kann: zwei Bewußtseinsinhalte so in der eigenen Seele zu verschmelzen, daß eine Einheit daraus wird, daß man selbst nicht mehr entscheiden kann, wo der eine beginnt und der andere aufhört. Ob mit dem einen oder mit dem anderen Vorzeichen, die Antwort auf den Aufruf zum Entweder — Oder ist immer ein Kampf und das Bekenntnis zu beiden. Und ist das nur in der Galuth? Schicksal und Aufgabe ist hier, und sie traten zum ersten Male Alle Israeliten werden\einer für den anderen zur Verantwortung gezogen, wenn sie durch Zurechtweisung das Schlechte verhindern können und die Zurechtweisung unterlassen. Sanhedrin 27 b. Wenn sich die Gesamtheit in Not befindet, darf der einzelne nicht sagen: Ich will nach Hause gehn, dass ich da esse und trinke, und Friede mit Dir meine Seele . . . Vielmehr muss er an der Not der Gesamtheit Anteil nehmen. Taanit IIa. Wenn dein Bruder zu sinken beginnt und seine Hand schwach wird, so halte ihn aufrecht, auch wenn er ein Fremdling oder Beisass ist, dass er mit dir lebe. 3. B. Mos. 25,35. an uns heran, als Chanukkah ward, und Chanukkah gibt uns immer wieder Kunde davon. Aus den Wirren jener Tage erhob sich Chanukkah, d. h. die Wiedereinweihung des Tempels, die Rückkehr ins Gotteshaus. Unsere Tempel sind in allem Umsturz unberührt. Aber in einem höheren Sinne sind sie, wie einstens, letztes Glied in der Kette der Wirren unseres Erlebens. Auf das, was an una herangetreten ist, kann und dürfte es neben aller Aktivität in der Erschließung und Sicherung neuen Lebensraumes nur eine Antwort geben, die Rückkehr ins Gotteshaus, die Heimkehr in die Gedanken- und Gefühlswelt, die in unseren Gebeten aufgebaut ist. Dort ist die wahre Heimat unserer Seele, dort die ewige Quelle der Kraft, der Erneuerung und des Sichfindens. MO AUS ZUR deutsch von Franz Rosenzweig Meiner Heilung Felsennest, Um dich kling" Benedeien! Steh' einst neu mein Bethaus fest, Dass dort wir Dankchor reihen! Dann nach Metzeleien Unter Feindswutschreien, Dann vollbring loh und sing Des Altars neue Weihen. Er trug midi in sein Heiligtum, Doch blieb dort nicht ohn' Wank ich. Der Dränger kam und trieb mich um, Götzendienst zuschwank' ich. Den Taumelkelch ihn trank ich, Um ein Haar versank ich — Babel fiel! Verheissnes Ziel! Dem Heiter zollte Dank ich. Leides ward das Herz mir satt, Den Mut die Not mir sdtwädite. Harte Frohn drückt müd und matt Des Stierdienst-Reiches Knechte. Seine starke Rechte Hob ans Licht das Echte. Pharaos Staat Und seine Saat Sank meertief in Nächte. Abhaun den Stamm des edlen^Baums Wollt er aus Erbgrolls Samen. Er fiel ins Netz des eignen Traums, Sein Hochschritt mussf erlahmen. Zum Rechten Ehren kamen! Gelöscht des Feindes Namen! Seine Brut, Sein höchstes Gut, Hing an luftgem Hamen. Der Grieche scharte sidi zuhauf In Hasmonäertagen, Riss meiner Mauern Türme auf, In Schmutz die Oele lagen. Ein Krüglein noch im Sdiragen, Wunder strömts den Zagen. Geistes Macht Die Tage acht Liess Lobpsalmen sagen. Aas: .Vom Sinn des Judentums" (Sammelbuch zu Ehren Nathan Birnbaums.) Hermon-Verlag Frankfurt a. M. 1925

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