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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-11-01 · 3 (11.1933) · p. Seite 128

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
3 (11.1933)
Date
1933-11-01
Page
Seite 128 (sequence 38)
Language
German
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Seite 128 Es ist überhaupt, um erneute Enttäuschungen zu vermeiden, bei der jetzt einsetzenden Berufsumscbichtung der Juden von ausschlaggebender Wichtigkeit, daß die neu gewählten Berufe genau so gründlich erlernt werden wie die bisherigen. Notzeiten, wie die augenblicklichen, verlanger, höher qualifizierte Menschen als solche Epochen, in denen bei wirtschaftlicher Hochkonjunktur und günstiger Gesamtlage auch noch zweit- und drittklassige Kräfte vom Arbeitsmarkt aufgesogen werden. Leider ist heute die allgemeine Anschauung und Hebung die, daß die praktischen Berufe — immer noch ein wenig verachtet — in ein paar Monaten gekonnt sein müssen, daß man liier eine längere Ausbildung für unnötig hält und eine größere zeitliche und geldliche Aufwendung für sie als überflüssig ansieht. Oft genug hört man: ,,Uni Gewerbelehrern! zu werden, braucht man 7 Jahre; in der Zeit könnte man doch Aerztin oder Volkswirtin werden." Diese Unterschätzung der praktischen Berufe führt in Einzelfällen so weit, daß Fachleute auf dem Gebiet der Berufsberatung, der pädagogischen und psychischen Betreuung, schwach begabten Jugendlichen praktische und wirtschaftliche Berufe vorschlagen, die ein viel größeres Maß an Intelligenz, Uebersicht und organisatorischer Begabung erfordern, als diese Jugendlichen in Wirklichkeit ihr eigen nennen. Wohl gibt es ungelernte manuelle Berufe, die auch von Schwachbegabten ausgeführt werden können, auch wenn solche Tätigkeiten und Arbeitsgebiete durch die ihnen anhaftende Eintönigkeit wenig erstrebenswert erscheinen. Umgekehrt ist es natürlich schwierig, Menschen mit vorwiegend theoretischer und mangelhafter manueller Begabung, wie sie bei jüdischen Jugendlichen oft traditionsgemäß vorliegt-, zu einem praktischen Beruf zu raten, und noch schwieriger, sie dazu zu erziehen. Doch steht zu hoffen, daß die praktisch minderbegabten jüdischen Jugendlichen einen solchen Mangel allmählich überwinden werden, und daß darüber hinaus die nachfolgenden Generationen sich von vornherein von diesem Manko befreit wissen. Lucio Laquer Die^jüdische Frau in der jüdischen Arbeit Die Entwicklung der Geschichte hat uns in den letzten Jahren gezeigt, daß es für die jüdischen .Frauen gemeinsame Aufgaben gibt und zwar solche, die ihnen nicht nur von außen her von' den Problemen der Gegenwart gestellt siud, sondern die durch die jüdische Tradition und die psychologische Besonderheit der Jüdin bedingt sind. Die Frauenbewegung ist für unsere Generation schon eine Bewegung des Alltags geworden, und wir empfinden es als selbstverständlich, wenn wir als jüdische Frauen in der jüdischen Gemeinschaft dem Manne ebenbürtig eingereiht werden. Gerade unsere weibliche Eigenart gibt uns das Recht, neben dem Manne, insbesondere bei sozialen Fragen in der jüdischen Gemeinde mitzuberaten. Wir können — ohne überheblich zu sein — hier feststellen, daß die Durchführung der p r a k - tisch-sozialen Arbeit in der Gemeinde ohne Frauen heute kaum denkbar ist. Früher wollte man ein Heraustreten der Frau ins öffentliche Leben nicht, haben, da man glaubte, das altjüdische Ideal der Frau — Mutter und Hausfrau zu sein — ginge dadurch verloren. Wir leben heute in einer Zeit, in der die Häuslichkeit sehr verändert ist durch viele Neuerungen der Technik. Die moderne jüdische Frau hat den Pflichtenkreis außerhalb ährer Familie und ihres Hauses wesentlich erweitert und stellt sich der sozialen Arbeit innerhalb ihrer Gemeinde zur Verfügung. Hier kann ich nur skizzenhaft die Tätigkeit der jüdischen Frau in der jüdischen Arbeit andeuten- Die jüdische Frauenarbeit besteht vornehmlich in der Wohlfahrtspflege, die nach einzelnen Betätigungsgebieten gegliedert ist. Gerade in der Betreuung der Armen, der Verwaisten, der gefährdeten Jugend und der Kranken kann die jüdische Frau mit ihrem weiblichen Empfinden im hohen Grade helfend wirken. In dieser Frauenarbeit wird gleichzeitig eine der höchsten ethischen Forderungen der Heiligen Schrift, „das Zedokotun", erfüllt. Durch die Hausbesuche bei den Hilfesuchenden kann die Not in verschiedener Weise gelindert werden. In diesem Falle hilft die jüdische Frau auch durch ihre Ratschläge zur rationellen Häuslichkeit, indem sie Anweisung erteilt, wie man mit relativ geringen Mitteln eine nahrhafte Speise bereitet, die Wohnung in gutem Zustand erhält, die Kinder sauber und ordentlich kleidet usw. Das Einfühlen der Frau in das Gemüt des Kindes befähigt sie besonders zur Jugendfürsorge. Diese erstreckt sich auf die Fürsorge für Jugendliche in_ den Schulen, in den Familien, woselbst sich die Eltern der Erziehung ihrer Kinder nicht genügend annehmen können und auf die Jugend- und Erziehungsheime. Gerade das Gebiet der Jugendpflege und Erziehung bietet den beruf ssuchenden jüdischen Mädels auch noch heute viele Möglichkeiten. Sehr vielseitig ist auch das Arbeitsbereich der Frau im Krankenwesen. Die Verwaltung der jüdischen Krankenanstalten (Küche, Personal- und Einrichtungsfragen) wird am zweckmäßigsten durch die Frau erledigt. Noch wichtiger als diese Betätigung ist das Aufsuchen der Kranken selbst durch Frauen. Hierbei und ebenso bei einer anderen Aufgabe der Frau, beim Besuchen der Strafgefangenen in Gefängnissen, ist ihr Wirken durch das feine weibliche Gefiüils- und Einstellungsveranögen besonders nachhaltig. In unserer Zeit der Berufsumschichtung und Umstellung ist die Fragte des Arbeitsnachweises und der Berufsberatung von größter Bedeutung. Hier eröffnet sich der Frau ein weites Betätigungsfeld, um nicht nur durch Arbeitszuweisung, sondern auch durch individuelle Behandlung helfend und fördernd eingreifen zu können. Allerdings genügt hier nicht nur gefühlsmäßiges Vorgehen, sondern gründliche Sachkenntnis der verschiedenen Abteilungen des Arbeitsmarktes, die heute für die weibliche Jugend in Betracht kommen. Neben dieser vielfachen Betätigung auf fürsorgerischem und charitativem Gebiet kann auch die Mitwirkung der Frau im kulturellen Leben unserer Gemeinschaft Bereicherung und Aufbau bedeuten. Die Frau ist die Hüterin der ethischen Werte des Judentums, die sie über das Haus hinaus pflegen und erhalten soll. Um diese Gedanken Gemeingut aller jüdischen Frauen werden zu lassen, bedurfte es eines großen Zusammenschlusses, der im „Jüdischen Frauenbund" seine Gestaltung fand. Seit einem Vierteljahrhundert hat der Bund das Ziel der Interessenvertretung der jüdischen Frauenwelt praktisch und ideell verfolgt und steht auch heute mehr denn je auf dem Boden seines Programms. Was seit altersher traditionsgebundene Pflicht und Aufgabe der jüdischen Frau in ihrer Gemeinschaft war, sollte heute tief in das Bewußtsein jeder jüdischen, Frau eindringen, so daß keine mehr bei Seite steht in dieser Zeit größter Not, die jede Kraft zur Hilfe und zum Zusammenschluß verlangt. A. K. LE G 0 - Schuhinstandsetzung Inh. L. LEVY / Nur Bergerstr. 31 Telefon 48533 Ia Kernleder Verarbeitung Als Spezialität die Spar-u. Dauersohlen Rondo - Oka - Herkullt Ganz enorme Haltbarkeit Beachten Sie meine Schaufenster. Schuhe werden frei abgeholt und zurückgebracht. Meine Sprechstunden finden jetzt statt: "Vorm. von 12—1, nachm. \>on 3—5 und 6V2-7V2 abr Dr. med. Bernhard Strauß Frauenarzt Eschersheimer Landstraße 39 Fernruf 58424 Zu allen Krankenkassen zugelassen. Hugo Simon Mitglied der Gemeinde Uh r m a ch er Sämil. Reparaturen äußerst billig I und fachmännisch Hanauer Landstrasse 22 I.

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