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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-11-01 · 3 (11.1933) · p. Seite 122

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
3 (11.1933)
Date
1933-11-01
Page
Seite 122 (sequence 32)
Language
German
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Seite 122 An die Frauen! Der Ruf „Zurück ins Haus" hat für das Ohr der jüdischen Frau einen tiefen und vertrauten Klang. In Bibel und Talmud wird der Frau als Gefährtin des Mannes eine bevorzugte Stellung eingeräumt, nicht minderibewertet, denn wenn dem Manne im Talmud ein wichtiger Vorschlag gemacht Avird, so sagt er: „Ich will gehen und es mit meinem Weibe beraten." Innerhalb des Hauses obliegen der Frau die höchsten Aufgaben, sie ist der Mittelpunkt der Familie, sie wird eine ^fruchtbare Weinrebe an den Wänden des Hauses" genannt, wunderbares Symbol für den Gedanken, daß sie am Hause ihren Halt findet und es schmückt. Und bedeutsam für ihre hohe Einschätzung ist der Spruch aus dem Talmud: „Stets sei der Mann bedacht auf die ehrenvolle Behandlung seiner Frau, denn ihr verdankt das Haus seinen Segen." So war es bei unseren Vätern und Müttern. Und wenn heute der Wirkungskreis der Frau wieder mehr in die Grenzen der Familie zurückverlegt wird, so kehrt die jüdische Frau an die Quellen ihres Seins zurück. Es gilt die Synthese zu finden zwischen den urewigen Frauenpflichten, die uns der Talmud überliefert und den Forderungen dieser schicksalsschweren Zeit, die von der jüdischen Frau eine neue Bewährung verlangt. Rückwärts und vorwärts geht unser Blick: rückwärts um Kraft, Wissen und Zuversicht zu schöpfen aus der tausendjährigen Geschichte unseres Volkes, und vorwärts, um standzuhalten in dieser erneuten furchtbaren Prüfung. Dann wird die jüdische Frau erkennen, daß trotz allem. Verzicht, trotz aller Opfer, die ihr auferlegt sind, ihre Stellung nicht eingeengt ist. Mittelpunkt und Trägerin der Familie heißt auch Hüterin und Erzieherin der Jugend sein; Stütze der Gemeinschaft bedeutet Helferin der Bedrängten und Notleidenden. So wird der häusliche Beruf der Frau verantwortungsbewußte Leistung über die Familie zur jüdischen Allgemeinheit hin mit ihren sozialen, und kulturellen Forderungen. Ueber Weg und Ziel soll von Frauen für Frauen in diesen Blättern gesprochen werden. Stephanie Förch heimer Gegen warf sauf gaben der jüdischen Frau Die meisten unserer Leserinnen sind Hausfrauen und zu ihnen dringt erfahrungsgemäß das Echo äußerer Ereignisse auch heute noch vielfach gedämpft durch manche Wand hindurch — der Sturm trifft sie nicht so unmittelbar mit voller Wucht und schneidender Kälte. Das erklärt gewiß viel, was man der jüdischen Frau heute mit Recht vorwirft: Mangel an Verständnis für den unerhörten Ernst der Zeit und Ahnungslosigkeit über die schwere Verantwortung, die sie mitträgt. Keine einzige Pflicht äst heute für sie so dringend, wie die zu absoluter Ehrlichkeit gegen sich selbst. Die menschlich so sebr begreifliche Neigung, zu glauben „es sei alles nur halb so schlimm" und eigentlich das vernünftigste (und angenehmste!) ruhig im gewohnten Stil weiter zu leben — sie kann heute die liebsten und nächsten Menschen in nicht gut zu 'machender Weise schädigen. Den Mann, wenn die gebotene wirtschaftliche Umstellung nicht mit aller Schnelligkeit durchgeführt wird, die Kinder, wenn ihre so gänzlich veränderte seelische Lage mißverstanden wird. Die jüdische Allgemeinheit muß aber außerdem noch für jede unbedachte Aeußerung, für jede Taktlosigkeit mitleiden — in einem Ausmaß, von dem die Hausfrau im Frieden ihrer vier Wände sich gar keine Vorstellung machen kann. Es ist darum ganz falsch, wenn sie nicht aufmerksam die Zeitungen liest, die Darbietungen des Rundfunks verfolgt — sie ist kein Kind, 'sie soll und muß wissen, wie die Umwelt über sie denkt. Ich weiß, wie entsetzt viele Frauen das ablehnen, und wie fassungslos sie dieser fremden, feindlichen Umwelt dann gegenüberstehen. Weil sie allzu sehr in der Gegenwart zu leben gewohnt waren, weil die Wissensgebiete, die in ihrer Jugend von einem „gebildeten" jungen Mädchen beherrscht werden mußten, e i n Fach nicht umfaßten: jüdische Geschichte. Innige Gläubigkeit ist eine Gabe, die man sich nicht mit dem Willen erwerben kann: wem sie gegeben wurde, der kommt gewiß im innersten unverwundet durch das Dunkel unserer Tage. Sonst aber hilft vor auswegsloser Verzweiflung nur das Wissen um die Verbundenheit unseres Lebensschicksals mit dem unserer Vorfahren. Wem jüdische 'Geschichte so innerliches „Erlebnis" wird, wem die Steine unserer Stadt nicht mehr stumm sind, der ist schon nahe daran, im persönlichen Leid den tiefen Zusammenhang zu ahnen, den „Sinn" zu fühlen, ist der innerlichen Unverletzbarkeit des gläubig Frommen so nah, wie er nur kann . . . Und damit strömt auch auf die geliebten nächsten, Menschen etwas von dieser Kraft und Sicherheit aus. Mehr als ängstliche Fürsorge für die Bedürfnisse des Tages, wird ja heute von der jüdischen Frau gefordert, daß sie im allgemeinen Auflösen aller Sicherheiten einen Halt darstelle, Kraft, Gläubigkeit, Hoffnung ohne Worte durch ihr bloßes Sein ihren Nächsten mitgebe. Eine unendlich schwere Forderung, für die sie so gar nicht vorbereitet ist. Wir glauben aber fest, daß irgendwo in jeder jüdischen Frau ein dämmerndes Wissen um das Verbundensein mit den- Wurzeln, die in tiefstes Dunkel hinunterreichen, lebendig ist. Daß sie schon längst vom Sturm verweht wäre, wenn diese Wurzeln ihr nicht Halt gäben. Und daß sie, was unbewußt, ja oft-vernachlässigt um all der Forderungen des Tages willen, zu diesen verborgenen Quellen hinführte, nun bewußt pflegen muß, um mit ihrem schweren Schicksal fertig zu werden. Wie das im einzelnen zu tun ist? Ja, dafür gibt es gewiß kein allgemein gültiges Rezept. Beim einen wird es mehr Gefühlssphäre sein, die pietätvolle Erinnerung, bei anderen mehr der Weg des Intellekts, der ertragbar macht, was nicht mehr als sinnloses Geschehen, sondern als geistig zu Deutendes sich darstellt. Wie es auch sei, wir wollen unserem Geschick nicht ausweichen, sondern ihm standhalten; und wir können es, sobald wir es sinnvoll begreifen. Dr. Dora Edinger Ernährungsrichflinien für die Hausfrau Die vielfachen Auseinandersetzungen, die uns die letzten Jahre in Ernährungstheorie und Ernährungspraxis brachten, führten trotz aller Verschiedenheit der Grundlagen doch zu der gemeinsamen Auffassung, daß jede einseitige Ernährung eine Gefahr bedeutet. Die Hausfrau, die bei der täglichen Ernähr rung ihrer Familie nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen vorgehen kann, aber nichtsdestoweniger die größte Verantwortung für die Gesunderhaltung ihrer Angehörigen hat, muß daher die Vorschriften einer gesunden und schmackhaften Kost auf Grund entsprechender Nährwerte nach der einfachsten Formel kennen. In einer Zeit, da die Erhährungsformen durch Geldknappheit beeinflußt sind, ist es doppelt notwendig, den Unterschied zwischen „sich satt essen" und „sich richtig ernähren" genau wahrzunehmen. Der menschliche Körper braucht, um gesund zu bleiben, bestimmte Mindostmengen der einzelnen Nährstoffe. Daher muß die Hausfrau bei der Zusammenstellung des Speisezettels nicht nur an die Sättigung ihrer Familie und den Wohlgeschmack der- Speisen denken,

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