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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-11-01 · 3 (11.1933) · p. Seite 104

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
3 (11.1933)
Date
1933-11-01
Page
Seite 104 (sequence 14)
Language
German
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Seite 104 gonnene und Versuchte soll hier zusammengeführt werden, um zu helfen und zu stützen. Allem Zersetzenden soll entgegengearbeitet, dem Aufbau auf dem religiösen Fundament des Judentums alle Kraft geweiht werden. Viel von einstiger wirtschaftlicher Sicherheit ist uns deutschen Juden genommen oder beeinträchtigt worden. Innerhalb dessen, was uns bleibt, soll der Einzelne aus der Vereinzelung herausgeführt werden. Ständische Verbindungen und Zusammenschlüsse, soweit zulässig, können vorhandene Kräfte erhöhen und dem Schwachen einen Rückhalt geben, können Erfahrungen und Beziehungen für alle nutzbar machend So manchem wird die Stätte der Arbeit und des Berufes auf deutschem Boden versagt sein. Vor uns steht als Tatsache, der gegenüber alles Fragen und Meinen aufhört, die deutliche, geschichtliche Notwendigkeit, unserer Jugend Neuland zu bereiten. Es ist zur großen Aufgabe geworden, Plätze zu erkunden und Wege zu bahnen, wie auf dem heiligen Boden Palästinas, dem die Vorsehung eine neue Zeit gefügt hat, so überall wo Charakter, Fleiß und Tüchtigkeit des deutschen Juden sich bewähren können, niemandem Brot nehmend, sondern anderen Brot schaffend. Hierfür wie für alles das andere erhoffen wir den verständnisvollen Beistand der Behörden und die Achtung unserer nichtjüdischen Mitbürger, mit denen wir uns in der Liebe und Treue zu Deutschland begegnen. Wir bauen auf den lebendigen Gemeinschaftssinn und das Verantwortungsbewußtsein der deutschen Juden wie auch auf die opferwillige Hilfe unserer Brüder überall. Wir wollen zusammenstehen und im Vertrauen auf unseren Gott für die Ehre des jüdischen Namens arbeiten. Möp-e aus dem Leiden dieser Tage das Wesen "des deutschen Juden neu erstehen! Die Reichsvertretung der deutsehen Juden Leo Bae-ck — Otto Hirsch, Stuttgart — Rudolf Callmann, Köln — Leopold Landenberger, Nürnberg — Julius L. Seligsohn, Berlin — Siegfried Moses, Berlin — Jakob Hoffmann, Frankfurt a. M. — Franz Meyer, Breslau — Heinrich Stahl, Berlin. Wo? Wo in der Welt Berg ich mein Haupt zum Schlaf? Wo blieb der Tag, Der midi in Freude traf? Wo ruht der Traum, Der mir Versinken bringt? Wo tönt Musik, Die noch im Blute sdiwingt? Wo in der Welt Find ich der Heimat Luft? Wo senkt man einst Midi in die stille Gruft? Lisa Roth Ludwig Strauss Vor Bildern gefangener Juden in Luxor und Rom Ihr seid dem Block, den ihr umkränzt, entflogen, Des riesigen Pharaos granitnem Thron. Frei stiegt ihr aus des Römers Siegesbogen, Wo ihr die heiligen Brote tragt in Fron. Euch fing kein Zauber in Gestalten ein, Aus allen Fesseln nahm der Geist euch fort. Die Mächte, die euch zwangen, bannt der Stein. Ihr regt euch durch die Zeit in Blut und Wort. (Aus der Gedichtsammlung „Nachtwache*. Verl.DerDeutscheBuch-Club,Hamburg 1933) Der fromme Israelit Aus Tausend und eine Nacht Einst lebte ein frommer Mann unter den Söhnen Israels, der stets Gott anbetete, und dessen Familie sich von ihrer Hände Arbeit ernährte. TCr verkaufte nämlich jeden Tag die gesponnene Baumwolle und kaufte dafür rohe und lebte von dem Gewinn mit seiner Familie. Eines Tages, als er die Baumwolle verkaufte, traf er einen Freund, der in solcher Not war, daß er ihm das eben gelöste Geld schenkte und zu seiner Familie ohne rohe Baumwolle und ohne Lebensmittel zurückkehren mußte. Als er seiner Familie erzählte, daß er all sein Geld einem unglücklichen Freund geschenkt hatte, fragten sie: „Was fangen wir nun an?" Da nahm der Mann einen alten Wasserkrug und eine alte Mütze, die er noch im Hause hatte, und ging damit auf den Markt, aber niemand wollte sie kaufen. Endlich ging ein Mann mit einem übelriechenden Fisch vorüber und sagte ihm: „Willst du mir deine ungangbare Ware für die meinige geben?" Der Israelit willigte ein, gab ihm den Wasserkrug und die Mütze, 'ging mit dem Fisch zu seiner Frau und sagte: „Brate diesen Fisch, daß wir doch einstweilen nicht hungern, bis uns Gott das weitere beschert." Da spaltete die Frau den Fisch und siehe da, es war eine Perle darin, die nicht durchlöchert war. Am folgenden Morgen ging der Israelit damit zu einem sachverständigen Freunde, um sie ihm zu zeigen. Dieser fragte den Israeliten, woher er die Perle habe. Er antwortete: „Gott hat sie mir beschert." „Nun," sagte der Freund," sie ist tausend Drachmen wert, die ich dir gern dafür geben will; doch geh lieber damit zu N. N., der reicher ist als ich." Der Israelit ging zu dem bezeichneten Mann, und dieser sagte: „Sie ist 70 000 Drachmen wert, mehr nicht." Der Israelit ließ sich das Geld geben und rief zwei Lastträger, die es ihm bis zur Türe seiner Wohnung trugen. Als er hier anlangte, kam ein Bettler und sagte: „Gib mir auch etwas von dem Geld, das dir Gott beschert!" Der Israelit antwortete: „Gestern war ich ebenso arm, als du, nimm daher die Hälfte dieses Geldes." Nachdem nun der Israelit das Geld in zwei Teile geteilt hatte und dem Bettler die eine Hälfte übergeben wollte, sagte dieser: „Behalte dein Geld, Gott segne dich! Ich bin ein Abgesandter deines Herrn, hierher beschieden, um dich zu versuchen." Der Israelit sagte: „Gott sei gelobt und gepriesen!" und lebte dann mit seiner Familie im größten Wohlstand bis zu seinem Tode (Mitgeteilt von Kurt Nassauer) Ein Geburtstagsbrief Mein lieber Kurt, es ist, glaube ich, seitdem ich vor 17 Jahren Deine Bekanntschaft machte, das erste Mal, daß ich Dir zu Deinem Geburtstag schriftlich gratuliere. Ich weiß, daß Du die langen Reden nicht liebst, und deshalb will ich mich so kurz wie möglich fassen: Du trittst jetzt allmählich in das Alter männlicher Reife und wirst vielleicht schon bald — früher als Du dachtest — die Schule verlassen und ins Leben treten. Deshalb lautet mein Geburtstagswunsch für Dich: Sei ein Mann, d. h. trage den Kopf hoch und halte den Nacken steif! Ich will Dir ein kleines Erlebnis erzählen, das ich selbst vor einigen Monaten (noch dn Frankfurt) hatte: Es war in den letzten Tagen des Monats März; ich befand mich im Anwaltszimmer des Frankfurter Gerichtsgebäudes. In einer - Ecke standen einige jüdische Anwälte beisammen und

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