Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 1 (9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3094266-3094399-3094400--3744-3098523- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 32 Aufstiegs zu den geistigen Gütern besonders schmerzlich. Das 19. Jahrhundert hat der jüdischen Jugend den Weg zu den simultanen Volks- und höheren Schulen freigegeben und ihr dieselben Berechtigungen gewährt wie den christlichen Mitschülern. Aus diesen Schulen gingen viele Männer und Frauen hervor, die dem Judentum zur Zierde gereichten, und in diesen Schulen gestaltete sich das Nebeneinander der Konfessionen weist friedlich. Es hätte für die deutsche Juderaheit unabsehbare Folgen, wenn den jüdischen Kindern der Besuch der allgemeinen Schulen verschlossen würde. Denn die allerwenigsten Gemeinden werden imstande sein, eigene Schulen zu gründen. Schon die Sorge für den Religionsunterricht bedeutet für sie meist eine schwere finanzielle Last. Nach dem Verlassen der Schule türmten sich vor den jungen jüdischen Menschen allerdings schon immer hohe Berufsbarrieren auf. Waren ihnen doch die meisten v im ßtaat zu vergebenden Aemter verschlossen, und selbst von nichtjüdischer Seite wurde erkannt, wie hinderlich es z. B. für die strebsamen jungen Juden war, daß ihnen die Militär- und Beaintenlaufbahn nicht offen. stand (Paulsen, Die deutschen Universitäten, 19C2). Jüdische Schulen .gab es und gibt es nur in vereinzelten Landesteilep,., jüdische Gymnasien nur in wenigen Großgemeinden. Zweifellos hat die jüdische Schule, heute der sicherste Port für das jüdische Kind, große Vorteile. Unsere Jugend, unterrichtet und erzogen in eigenen Räumen, geführt von jüdischen Lehrern, die ihr neben Religion und Hebräisch auch den allgemeinen Wissensstoff zuführen, erlebt in anderer Weise die Religion als in der christlichen Schule. Es ist unbedingt notwendig, daß die jüdische Schule ihre Pfleglinge zu den Quellen des Judentums führt, sie mit der Geschichte und den Religionslehren bekannt macht, sowie mit allem, Avas wir heute unter dem Begriff „Judentumskundc* subsumieren, und daß sie sie in Hebräisch unterweist. Auch kann die jüdische Schule in den Merzu geeigneten Fächern den jüdischen Standpunkt zum Ausdruck bringen. Doch ist vor gezwungenen Querverbindungen zu warnen; sie können mehr schaden als nützen. Aber «s darf auch nicht übersehen werden, daß die jüdische Schule, besonders die höhere, mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat Sie darf in ihren allgemeinen unterrichtlichen Leistungen nicht hinter den paritätischen Schulen gleicher Gattung zurückstehen. (Es sei denn, daß sie unter bewußtem Verzicht auf die Erreichung der üblichen Lehrziele einen völlig neuen Schultyp gründet, der zugunsten der spezilisch jüdischen Ausbildung einen entsprechenden Teil des Profanwissens ausschaltet.) Deshalb muß sie bei der Bemessung der Pensen für Religion und Hebräisch ein weises Maß walten lassen. Unterstützt wird ja der religiöse Unterricht durch den regelmäßigen Besuch der Gottesdienste an den schulfreien Sabbaten und Feiertagen. Ja, wenn die jüdische Schule keinen anderen Vorteil zu bieten hätte als diese Tage mit ihren reichen Gemütswerten und ihren Eindrücken auf die seelische Grundhaltung der Heranwachsende^, so würde dieser Umstand allein schon ihren hohen Wert beAveisen. Daß hier auch dem Elternhause eine große Aufgabe zufällt, bedarf Avohl kaum der ErAvähnung. Es ist ein Glück für eine jüdische Schule, Avenn sie von besonnenen jüdischen Menschen nach bewährten pädagogischen Gesichtspunkten geleitet wird, Avenn nicht extreme Parteien, je nach ihrer parteireligiösen Einstellung, ihr immer neue Stoffgebiete aufdrängen Avollen. Eine jüdische Schule, "besonders eine höhere, kann ebensoAvenig eine jeschibaähnliche Anstalt sein. Avie eine ostjüdische Talmudschule so nebenbei auf das Abiturium vorbereiten kann. Für eine Aveitergehende religionsAvissenschaftliche Ausbildung als die höhere Schule sie neben den allgemeinen Pflichtpensen bieten kann, stehen spezielle Talmudschulen zur Verfügung, die nach Beendigung der Schulzeit in 1—2jährigen Kursen zu absolvieren sind. Jede Schule, auch die jüdische, muß allgemeine Bildungsgrundlagen geben, die einen späteren speziellen Aufbau ermöglichen. Aber Kinder dürfen nicht überlastet werden; denn ihre Seele ist kein Gefäß, in das immer noch etAvas hineingeht. Die Schule mache das Kind aufgeschlossen für alles Gute und Edle und schaffe ihm eine geistige Basis für den Ausbau seiner persönlichen Neigungen und Talente. Es ist Lob und Empfehlung für eine Schule, Avenn die aus ihr hervorgegangenen Schüler, nunmehr Führer und (Repräsentanten der Gemeinde, selbst ihre Kinder und Enkel wieder der alten Lehrstätte zuführen als Freunde, Gönner und — wenn es sein muß — Helfer in Avirtschaftlicher Not. E. Gut Schluss der Beilage. Verantwortlich für die Schriftleitung der Beilage: Ernst Holzer in Frankfurt a. M. BLEIDENSTRASSE 3—5 M O D E W A R E N S P 1 T Z E N K N ö P F E S T R ü M P F E BLEIDENSTRASSE 3—5 Neue Herbstware in bewährt gutem Geschmack. Im altbekannten Spezialgeschäft für Herren- und Damenwäsche. El beo - Strumpfwaren A. HENLEIN Gern eindemitglied ZEIL 63 Corsethaus GAZELLE größte Auswahl in Formen und Preislagen 7PII 1 OA. Größte s Spezialhaus Norddeutschlands Z^L»1L< I^t: Hamburg Lübeck Hannover Telefon 27172