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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-09-01 · 1 (9.1933) · p. Seite 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
1 (9.1933)
Date
1933-09-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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„Jugend und Gemeinde1' am Schluss der Nummer' FRANKFURTER ISRAELITISCHES GEMEINDEBLATT Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblatt erscheint monatlich und wird den Gemein deniitgliedern unentgeltlich durch Boten zugestellt. - Preis der Einzelnummer 50 Pfg. — Schriftleitung: Gemeindehaus, Fahrgasse 146 Fernspr.: Sammel-Nr. H. 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 33521. — Anzeigenverwaltung: M. Isaac & Co., Ravensteinstraße 11, I., Fernsprecher Nr. 44888. — Anzeigen nach Tarif. — Anzeigenschluß für die nächste Nummer: lO.Sept.— Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des (ifiueindeblatte8 nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis der Schriftleitung gestattet. 12. Jahrgang Frankfurt a. M., September 1933 Nr. 1 An die Bezieher des Gemeindeblattes Die Zustellung des Gemeindeblattes wird mit der vorliegenden Ausgabe nicht mehr durch die, Post, sondern durch den Arbeitsnachweis für Juden e. V., Hans Handwerkstr. 30, besorgt Auf diese Weise soll versucht werden, einer grösseren Anzahl erwerbsloser Gemeindemitglieder einen kleinen Verdienst zu verschaffen. Es ist Vorsorge getroffen, dass jeder Bezieher wie bisher pünktlich in den Besitz des Blattes gelangt. Wir bitten die Bezieher, die regelmässige Belieferung fortlaufend selbst zu überwachen und für den Fall, dass in der Bestellung eine Störung oder Verzögerung eintreten sollte, die Botenmeister ei des Arbeitsnachweises {Fernspr. 26162) oder die Verwaltung des Gemeindeblattes, Fahrgasse 146 {Fernspr. 27544) fernmündlich oder schriftlich zu benachrichtigen. Nächste Erscheinungstermine: Septembernummer: 1. September; Oktober (Feiertags-)Nummer: 19. September; Novembernummer : 27. Oktober. Wege zu einer jüdischen Theologie Von Rabbiner Dr. Max Grünewald Die Auseinandersetzung mit Franz Rosenzweig hat noch nicht einmal begonnen. Das ist erstaunlich. Denn die Einsamkeit, die um ihn war, als er mit dem „neuen Denken" auszog, hat einem vielstimmigen ■ Chor Platz gemacht. Der Kampf gegen die idealistische Philosophie hat in den Lagern der Philosophie und der Theologie rasch Schule gemacht. Was in der Vorkriegszeit der Lebeosphilosophie nicht recht gelingen wollte, weil sie immer wieder in die Eindimensionalität des idealistischen Denkens zurückfiel, das gelang der Nachkriegsphilosophie vom Sprungbrett der Todeserfahrung aus überraschend schnell; der Nachweis, daß der Ritter in der Rüstung des Idealismus den Tod nicht zu überwinden vermag, ja noch nicht einmal wagen darf, ihm zu begegnen. Alle Argumente, die heute gegen das idealistische Denken zusammengetragen werden — seine angeblich kraftlose, Wirklichkeit und Tod nicht bewältigende Synthesis, sein Vorhaben den Gegenstand Im Denken zu erzeugen, seine Voraussetzungslosigkeit und schließlich seine den Philosophen über der Philosophie vergessende Systeininacherei — all diese Kritik tritt uns schon in Rosenzweigs „Stern der Erlösung"1) entgegen, in diesem Buch, das, um im Dreiklang Rosenzweigs zu bleiben, Hymnus, Philosophie und Theologie zugleich ist. Auch der dialektischen Theologie hat er wenigstens einen Teil ihres Geschäftes mitbesorgt. Wie sie entkleidet er noch die letzte selbstherrliche irdische Größe ihrer Eigen-Mächtigkeit — der Kunst gegenüber nicht weniger eindrucksvoll als gegenüber der Ethik — gleich ihr wölbt er über den irdischen Ordnungen die Schöpfungsordnung. Was er über Fortschritt und Ewigkeit denkt, was er über die Wahrheit, die geschaffene Wahrheit ist, sagt, das ist der dialektischen Theologie verwandt. Die Männer, die er als seine Vorläufer erkennt, sind zum Teil auch ihre Männer. Sehen wir ab von den persönlichen und sprachlichen Schwierigkeiten des Werkes, den persönlichen — der Mann, der es geschrieben hat, liest jede Zeile mit uns, den sprachlichen — er verwendet viele Begriffe in ganz eigensinniger Weise — so ist noch etwas anderes, das den Zugang erschwert. Rosenzweig l) Franz Rosenzweig, Der Stern der Erlösung, 2. Auflage. J. Kauffmann-Verlag 1930.- wollte weder mit einer neuen Philosophie noch mit einer neuen Theologie beglücken. Er fängt von vorne zu denken an, um zu einer Weltanschauung zu kommen. Denn das ist der eigentliche, oft vergessene Beruf der Philosophie, und — zum Theologen gewandt — „Gott hat nicht die Religion, sondern die Welt erschaffen". Der Stern der Erlösung ist ein theologisch-philosophisches Werk mit dem Ausblick auf einen neuen Typ von Philosophen und Theologen, auf ein gläubig-ungläubiges Weltkind, das mit beiden Händen die göttliche Wahrheit anfleht. Philosoph und Theologe, sie bedürfen einander. Der Philosophierende, der Standpunktphilosoph, ist der ganze Mensch, der in seiner Ganzheit und in seiner Besonderheit auf die Welt reagiert. Wo bleibt bei solcher Subjektivität, bei solcher Vielzahl an möglichen Standpunkten die Wissenschaft? Die Antwort lautet: „Jene Brücke vom Subjektivsten zum Objektivsten schlägt der Offenbarungsbegriff der Theologie. Der Mensch als Empfänger der Offenbarung . . . ist' der einzig mögliche Philosophierende der neuen Philosophie." Was bleibt dann aber der Philosophie als Inhalt? „Die Philosophie enthält . . . den ganzen Inhalt der Offenbarung, aber diesen Inhalt nicht als Offenbarung", sondern als ihre Grundlegung, Vorbedingung, „als geschaffenen Inhalt". „In der Schöpfung ist die Offenbarung in ihrem ganzen Inhalt . . . vorgesehen." Der Philosophie unterliegt also die Erklärung der Schöpfung als der Voranzeige der Offenbarung. Schöpfung, Offenbarung und Erlösung sind die Ordnungsbegriffe, mit denen sich ein jedes Element — Gott, Mensch und Welt — in ihrem eigenen Weg erklärt, sie bilden zugleich die Bahn, in der die ursprünglich einander fremden Elemente sich zueinander aufschließen und erkennbar werden. Jedem dieser drei Weltabschnitte ist ein Organon zugeordnet, der Schöpfung als dem immerwährenden Grund aller Dinge die Mathematik, der Offenbarung als der allzeit erneuerten Geburt der Seele die Grammatik, die Sprache, der Erlösung als der ewigen, das heißt ewig vorweggenommenen Zukunft des Reichs die Liturgik. Ein viel verzweigtes System — also doch ein System — tut sich vor uns auf, in dem jedes Ding seinen neuen Namen und jeder Wert seine neue Bestimmung erhält. Und auch dies bestätigt den Eindruck des Systems: es gibt in diesem Buche Deutungen genug, die an

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