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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-08-01 · 12 (8.1933) · p. Seite 321

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
12 (8.1933)
Date
1933-08-01
Page
Seite 321 (sequence 15)
Language
German
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Seite 321 Tagung der Konferenzgemeinschaft Am 16. Juli fand in Frankfurt a. M. nach längerer Zeit wiederum eine Beratung der zur Konferenzgemeinschaft zusammengeschlossenen Vertreter der größeren jüdischen Gemeinden und Landesverbände statt. An der Beratung nahmen auch Mitglieder der Reichsvertretung, die am gleichen Tag in Frankfurt eine Präsidialsitzung abhielt, teil. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Herr Direktor Heinrich Stahl, eröffnete die Tagung, worauf die Herren Kammergerichtsrat Wolff und Landgeriehtsrat Dr. Lilienthal über die Tätigkeit der Reichsvertretung, sowie Herr Dr. Ludwig Tietz über die Arbeiten des Zentralausschusses für Hilfe und Aufbau eingehende Berichte erstatteten. Die nur durch eine kurze Mittagspause unterbrochene Aussprache, die sich bis zum Abend hinzog, führte in allen wesentlichen Fragen zu vollkommener Uebereinstimmung. Die versammelten Vertreter der deutschen Juden waren sich einig darüber, daß angesichts der schwierigen Lage, in der sich die Judenheit Deutschlands befindet, das oberste Gebot vollkommene Einheit des Handelns ist. Zu Deklarationen, die ungehört verhallen, ist keine Zeit. Aufbau und Hilfe sind die Gebote der Stunde. Wenn in vergangenen Zeiten anderwärts Juden in Not waren, standen die deutschen Juden stets an der Spitze der Hilfeleistung. Heute sind sie selbst in der Lage der Hilfesuchenden und erkennen dankbar alle Bemühungen des Auslandes an, ihnen in ihrer großen seelischen und materiellen Not beizustehen. Aber die entscheidende Hilfe und Aufrichtung kann dem deutschen Judentum nur aus den eigenen Reihen kommen und für den weit überwiegenden Teil innerhalb des Landes, das ihr Vaterland ist und bleibt. Hier gilt es Hand anzulegen: Die Erhaltung der Gemeinden, vor allem auch der Kleingemeinden, das Erziehungswesen und die körperliche Ertüchtigung der Jugend, Berufsumschichtung und Schaffung von Ausbildungsstätten, die sozialen Versicherungen, die Schaffung gemeinnütziger Kreditinstitute, Betätigung in Wissenschaft und Kunst, dazu die gewaltigen Aufgaben des Hilfswerks für die in Not Geratenen — das sind die Fragen, vor denen die Vertreter des deutschen Judentums stehen. Alle diese Fragen werden seit dem Ausbruch der Krise von den dafür geschaffenen Organen des deutschen Judentums in anstrengendster und unausgesetzter Arbeit geprüft und, soweit möglich, praktischer Lösung zugeführt. Die Arbeit ist unsagbar schwer und kann nur Schritt für Schritt geleistet werden. Sie wird umso fruchtbarer sein, je stärker das Vertrauen ist, das sie trägt. Nach dem Ergebnis der Frankfurter Tagung kann man zu den Führern des deutschen Judentums das Vertrauen haben, daß sie all die weit verzweigten Einzelheiten der praktischen Arbeit ins Auge fassen und im Rahmen des Möglichen durchführen. So darf die jüdische Allgemeinheit in all der tiefen Sorge und Unruhe, die sie heute erfüllt, die Ueberzeugung haben, daß alles, was geschehen kann, planmäßig geschieht, um zu helfen und aufzubauen. Es ist kein Anlaß zu optimistischer Betrachtung der Sachlage, aber es war niemals jüdische Art, verzweifelt den Kopf hängen zu lassen. Daher ergeht der dringende Appell an alle deutschen Juden, die mehr als je notwendige Geschlossenheit nach innen und außen herzustellen, sie durch keinerlei Einzelaktionen zu gefährden und ihrer gewählten Führung volles, rückhaltloses Vertrauen zu bewahren. Tragt zur Erhaltung ^der Gemeinde bei, indem Ihr die Kultussteuer pünktlich entrichtet. Für 1933/34 erfolgt zum ersten Male die Erhebung eines besonderen Gemeindegeldes mit Rücksicht auf die außerordentlich ernste Finanzlage der Gemeinde (vgl. Amtliche Bekanntmachung in dieser Ausgabe). Der Gemeindevorstand gibt sich der sicheren Erwartung hin, daß die Veranlagten, den ganz besonders schwierigen Zeitverhältnissen Rechnung tragend, auch der Erhebung des Gemeindegeldes das erforderliche Verständnis durch möglichst pünktliche Begleichung entgegenbringen werden. Die Steuerverwaltung ist zur Auskunftserteilung gern bereit. Sprechtage: Montag, Mittwoch und Freitag von 8K- bis 12Vi Uhr im Gemeindehaus, Fahrgasse 146, 2. St., Zimmer 36. Vorarbeiten für eine Gemeinschaft jüdischer Musikfreunde Seit etwa Mitte Mai fanden in einem kleineren Kreise jüdischer Musikinteressenten Beratungen statt, um den gegenwärtig vom allgemeinen Kunstleben ausgeschlossenen Solisten in Deutschland Wirkungsmöglichkeiten zu verschaffen und zugleich das musikinterssierte Publikum an künstlerische Darbietungen heranzuführen. Es wurde der Entwurf zu zwei Konzert-Zyklen besprochen. Für den Solisten-Zyklus sollen u. a. Erika Morini, Lotte Leonhard, Alice Ehlers, Annie Steiger-Betzak, Ruth Kisch- Arndt, das Guaneri-Quartett und Hermann Schey herangezogen werden. Mit diesen Künstlern sind aussichtsvolle Verhandlungen eingeleitet worden. Für den zweiten, volkstümlicher gehaltenen Zyklus sind Kammermusik-Abende in Aussicht genommen, an denen angesehene Frankfurter Tonkünstler in erster Linie beteiligt sein sollen. In diese Serie wäre außerdem ein a capella-Ensemble (Leitung Dr. Ehrenreich) und eine aus Streichern bestehende Kammermusikgemeinschaft (Leitung Artur Holde) einzubeziehen. Als Konzertraum ist für alle Veranstaltungen der große Saal der „Frankfurt-Loge" gedacht. Zu den wichtigen Aufgaben dieser im Werden begriffenen musikalischen Gemeinschaft dürfte auch die Einrichtung einer Unterrichtsvermittlung und die Schaffung von Kursen zur Einführung in Opern und Konzertwerke und von Sing- und Spielnachmittagen für die Jugend gehören. In der Absicht, die für Frankfurt in Aussicht genommenen Solisten-Konzerte auch den jüdischen Gemeinden anderer südwestdeutscher Städte zugängig zu machen, wurde Kontakt mit den an den kulturellen Fragen der deutschen Juden besonders interessierten Organisationen gesucht. Dabei ist es gelungen, mehrere Städte für unser Projekt zu gewinnen. Wir stehen in enger Verbindung mit Mannheim, Wiesbaden, Mainz und Fulda, und es besteht die Aussicht, daß sich weitere Plätze in eine Arbeitsgemeinschaft mit uns begeben werden. Aus den Mitteilungen über den „Kulturbund deutscher Juden" in Berlin ist zu ersehen, daß die Genehmigung der Pläne von Seiten der Regierungsstellen zu erwarten ist. Dabei wird wahrscheinlich die Form der geschlossenen Vereinsveranstaltungen gewählt werden müssen. Der Zusammentritt aller an künstlerischen Fragen interessierten Organisationen der Frankfurter Juden wäre jetzt in die Wege zu leiten. Dieses erweiterte Gremium hätte sich mit der Besucher-Organisation und mit vielen anderen Einzelheiten des weiteren Ausbaues zu befassen. Artur Holde Der modernste, sparsamste HCrd ist der neue kombinierte Senking-Herd Ideales Braten und Backen! Ermäßigte Preise I Teilzahlung I E.HAGE&Co. Am Eschenheimer Tor 3 Amtliche Anzeigen des Gemeindevorstands Erhebung eines Gemeindegeldes Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung im Gemeindeblatt Nr. 9, Seite 219, wird hierdurch folgendes zur Kenntnis der Gemeindemitglieder gebracht. Im Rechnungsjahr 1933 (1. April 1933 bis 31. März 1934) wird gemäß Gemeindebeschluß vom 6./13. April 1933 und nach Genehmigung der Aufsichtsbehörde neben der Kultussteuer, noch ein Gemeindegeld (Kirchgeld), gestaffelt von RM. 3.— bis RM. 40.—, erhoben. Pflichtig ist jedes volljährige Gemeindemitglied ohne Rücksicht darauf, ob es Einkommen-, Lohn- oder Vermögenssteuer entrichtet. Alles Nähere über die Fälligkeit, Einziehung usw. ist aus der den Pflichtigen demnächst zugehenden besonderen Veranlagung ersichtlich.

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