Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 10 (6.1933)
- Date
- 1933-06-01
- Page
- Seite 255 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 255 Griechenland. Das städtische Budget enthält einen Posten von 640 000 Drachmen für jüdische Wohlfahrtszwecke. Polen. 1200 jüdische Studenten der Warschauer Universität, die die Studiengebühren für das zweite Semester nicht bezahlen konnten, wurden von der Matrikelliste gestrichen. AMERIKA. Im Alter von 82 Jahren verstarb in New York Professor Felix Adler, der Gründer der Gesellschaft für ethische Kultur in den Vereinigten Staaten. — Das Joint Distribution Committee plant eine Aktion, durch die 2 Millionen Dollar zugunsten deutscher Juden aufgebracht werden sollen. PALAESTINA. Am Ufer des Toten Meeres wurde kürzlich mit der Anlage eines Ktlrortes begonnen. — Aus einem auf der Jahreskonferenz der jüdischen Aerzte Palästinas erstatteten Bericht geht hervor, daß von 626 A e r z t e n, die sich in den-ersten Monaten des Jahres 1935 in Palästina niedergelassen hatten, 452 Juden waren, von denen 36 keine Praxis ausüben. 62 Aerzte waren bei der „Kupath Cholim" (Jüdische Arbeiterkrankenkasse), 56 bei der „Hadassah" und 76 bei anderen Institutionen angestellt. Dem Gesundheitsdepartement der Regierung gehören nur 1 jüdische Aerzte an. .192 jüdische Aerzte praktizieren in Tel Aviv. — Am 22. V. wurde Eohraira Cohn-Reiss, Schöpfer der Schulwesens des „Hilfsvereins der deutschen Juden" in Palästina, "0 Jahre alt. — Der Plan einer Wasserleitung für Jerusalem wurde genehmigt. — Tel Aviv. Im April wurden 192 Baubewilligungen, darunter 66 für Neubauten, erteilt. — Die polnische Nationalbank hat eine Niederlassung eröffnet. — Der bekannte Gelehrte David Yellin, Direktor des Hebräischen Lehrerseminars und Dozent für hebräische Literatur an der Universität Jerusalem, lange Zeit hindurch Vize-Bürgermeister der Stadt und Vorsitzender des Waad Leumi, feierte das 50jährige Jubiläum seiner pädagogischen Tätigkeit. Persönliche Nachrichten Jugenderinnerung Von Alfred Auer/b ach Anläßlich seines 6 0. Geburtstages (9. Juni) stellt uns Alfred Auerbach die nachstehende Skizze zur Verfügung. Der in Stuttgart gebürtige, mütterlicherseits aus der Familie Berthold Auerbachs stammende Künstler kam in jungen Jahren nach Frankfurt, wo er sich zuerst als Kaufmann versuchte, aber bald seinen künstlerischen Neigungen folgte. 1898 wurde er von Claar ans Schauspielhaus berufen und war von 1906 bis vor kurzem als Nachfolger Prof. Hermanns am Hoch'schen Konservatorium als Leiter der Sprech- und Mimikklassen tätig. Eine Reihe von dramatischen und erzählenden Werken und seine weitbekannten schwäbischen Schnurren haben viele Freunde gefunden. Auch ich war einmal Kaufmann gewesen. Aber was für einer! Unter meinen Fakturen lag der Thukydides oder der Plato, ferner ein Manuskript über den Vergleich der Plastik in der 'bildenden und der Wortkunst und ähnliche Themata. Der Oberlehrling, dem ich untersteilt war, hatte eine fürchterliche Schnauze und eine fanatische Verachtung verstiegener Bestrebungen, unter die er alle geistigen Anregungen rechnete. Er haßte mich gründlieh und witterte alle meine Untaten. So erwischte er mich eines Tages im Speicher unter einer verrosteten Turmuhr mit einem Reclambändchen „Spinoza" und einer Geschichte der Philosophie von Schwegler; aufgeschlagen war der Abschnitt über Aristoteles. Ich studierte immer ein paar Themata durcheinander, damit ich „rechtzeitig" mit der Geistesgeschichte fertig würde. Der Oberlehrling nahm mich an den Obren und zog mich mit den Beweisen meiner Verruchtheit vor den Chef. Dort legte er los: „Ich hab' den mesehuggenen Menschen im Turm erwischt, mit Schpinoosa und Arritotteles, hab' ich, jawohl, so was! Hat man je so eine Frechheit gesehen; wenn man den Menschen ruft, hockt er an den unmöglichsten Plätzen und gibt keine Antwort." Der Chef war nicht ebenso amusisch, er sah mich nur mitleidig an und sprach: „Lassen Sie das bleiben, sonst werden <Sie es nie zu etwas 'bringen." Der Oberlehrling wütete ob der Milde des Ohefs. Er brüllte mich draußen an: „Strafe muß sein, jetzt schreiben Sie gleich die Faktura für die Firma Jeidels 10 mal .ab, das Papier auf Ihre Kosten. Der Chef hat gesagt, Sie werden es nie zu etwas bringen, ich sage, Sie werden noch die Blamage der Zunft werden, sage i c h." Er hat sich Mühe 'mit mir gegeben, der achtzehnjährige Oberlehrling, ich bin aber doch kein Kaufmann geworden, in keiner Weise. _ Zu Ehren Alfred Auerbachs veranstaltet das Philanthrop i n — Auerbach ist ehemaliger Schüler der Anstalt — einen Auerbach-Festabend (Donnerstag, den 22. Juni), auf den schon jetzt aufmerksam gemacht werden soll. Die Darbietungen des Abends werden sich in drei Teile gliedern: Neues Schaffen, Theater-Pädagogisches, Jüdische Charakter-Bilder. — Eintrittskarten (Einheitspreis Rm. 1.—) im Sekretariat des Phiianthropins, Hebelstr. 15. E. 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