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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-06-01 · 10 (6.1933) · p. Seite 251

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
10 (6.1933)
Date
1933-06-01
Page
Seite 251 (sequence 17)
Language
German
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Seite 251 Fleischfreie billige Ernährung Von Dr. med. Th. Plaut Die Zeitverhältnisse bringen für viele eine fleischfreie Ernährung mit sich und nötigen zur Sparsamkeit. Von jeher hat sich das Fleisch bei den verschiedensten Völkern großer "Wertschätzung erfreut, vor allem weil es mit seiner Hilfe leicht möglich ist, eine schmackhafte und abwechslungsreiche Kost herzustellen. Die in den letzten Jahrzehnten in steigendem Maße von 'den Vegetariern unternommenen Angriffe haben diese Vorzugsstellung des Fleisches wohl etwas erschüttert, aber die große Mehrzahl der Bevölkerung hat am Fleischgenuß festgehalten. Einschränkungen sind vielfach mehr aus wirtschaftlichen als aus gesundheitlichen Rücksichten erfolgt. Denn das Fleisch gehört zu den teuren Nahrungsmitteln. Ein Beweis, daß mäßiger Fleischgenuß schädlich sei, ist niemals erbracht worden. Daran ändert die Tatsache nichts, daß in manchen Krankheitsfällen mit Vorteil von fleischfreier Ernährung Gebrauch gemacht wird. Heilnahrung und Nahrung des Gesunden sind zwei verschiedene Dinge. Auf der anderen Seite kann kein Zweifel darüber bestehen, daß der Mensch ohne Fleisch leben kann. Wer also auf Fleisch verzichten muß, braucht keine Gesundheitsschädigung zu befürchten. Er muß sich nur -nach Ersatz, d. h. nach anderen Eiweißquellen, umsehen. Eiweiß ist ein unentbehrlicher Nahrungsstoff. Die notwendige Menge, über die man viel gestritten hat, kann auf 1 g pro Kilo Körpergewicht angesetzt werden, so daß ein Mensch von 70 kg 70 g täglich benötigt; davon würden durch ein halbes Pfund Fleisch schon mehr als drei Viertel gedeckt werden. Als Ersatz kommen in erster Linie Fische in Betracht, deren Eiweißgehalt dem des Fleisches mir wenig nachsteht, und die auch als Träger von Vitaminen und Nährsalzen in Betracht kommen (Hering auch Fetträger). Bei den heutigen Tr&nsportverhältnissen kann man auch in der wärmeren Jahreszeit Seefische genießen. Bei heißem Wetter ist Vorsicht geboten. Jedenfalls sehe man auf frische Ware und sorge dafür, daß diese rasch zubereitet wird und keiner Verderbnis anheimfällt. Im Ausschnitt zahlt man etwas mehr als für den Fisch im Ganzen, aber ob man dabei billiger fährt, ist sehr zu überlegen, denn der Abfall ist im letzteren Fall beträchtlich. Die Frage, wie groß der Abfall eines Nahrungsmittels ist, ist überhaupt sehr bedeutungsvoll. Hier offenbart sich, wie wichtig Warenkunde ist. Die Hausfrau muß nicht nur über den Nährwert der Nahrungsmittel unterrichtet sein, sie muß nicht nur kochen können, sie muß auch die Qualität dessen, was sie einkauft, beurteilen können. Dabei kommt es neben der Beurteilung des Abfalls auf Frische, Haltbarkeit, küchentechnische Verwendbarkeit, Kochdauer (Gasverbrauch) und noch mehr an. Der Küchenzettel muß nach der Jahreszeit, oft von Monat zu Monat wechseln. Was am wohlfeilsten angeboten wird, ist nicht immer das billigste. Hausfrauen-Arbeitsgemeinschaften, in denen über zweckmäßige Wirtschaftsführung beraten wird, wären sehr zu begrüßen. Eine weitere billige Eiweißquelle stellt die Milch dar, im Sommer als Dickmilch (auch aus pasteurisierter Milch herstellbar) ein vorzügliches, im Verein mit Brot oder Kartoffeln genießbares Nahrungsmittel. Besonders billig ist die auch zur Herstellung von Speisen verwendbare Magermilch, ebenso Buttermilch und Käse (Harzer-, Limburger-, Siebkäse). Eier sind in der gegenwärtigen Jahreszeit nicht teuer und mannigfach verwendbar. Pflanzliches Eiweiß bieten die Hülsenfrüchte in reichlicher Menge. Sie erfordern jedoch gründliches Durchkochen, und hier tritt die Kochkiste, die auch sonst gute Dienste leistet (Reis) in ihr Recht. Damit sind wir schon bei dem vegetabilischen Teil unserer Nahrung angekommen, der stets die Grundlage der Kost bildet. Hier stehen Brot und Kartoffeln an erster Stelle. Sie sind die eigentlichen Volksnahrungsmittel. Unser hiesiges Mischbrot ist völlig ausreichend. Besondere Vollkornbrote sind meist etwas teurer, noch teurer alle reinen Weizengebäcke (Brötchen). Kartoffeln kann man jeden Tag essen, mittags und abends, in den mannigfachsten Formen, z. B. mit in Fett gedämpften Zwiebeln. Wenn man sie nicht, was am sparsamsten ist, in der Schale kocht, verwende man das Kochwasser zu Suppen. Neue Kartoffeln sind zunächst teurer, aber es kommt ein Zeitpunkt, in dem sich das dadurch ausgleicht, daß die alten zu viel Abfall haben. Zum Rösten, wie überhaupt als Speisefett, nehme man Pflanzenfett, das nur an Vitamingehalt, nicht an Fettgehalt, der Butter nachsteht. Gegebenenfalls mische man Rinderfett mit Pflanzenfett und Oel. Letzteres steht ziemlich hoch im Preis, ist aber sehr ausgiebig. Zum Salat, den man unbedenklich mit Essig anrichten kann, ist es unentbehrlich und verleiht diesem wertvollen Vitanünträger nicht geringen Nährwert. Die Kräuter dürfen dabei nicht fehlen. So haben wir ein schmackhaftes, wertvolles Nahrungsmittel, das täglich auf den Tisch gehört. Wir räumen den Salaten den Vorzug gegenüber Gemüsen ein. Wenn auch erwiesen ist, daß Kochen Tind Sterilisieren den Vitamingehalt durchaus nicht so erheblich beeinträchtigt, wie man früher glaubte, so haben wir doch in den Salaten reine Rohkost vor uns. So abwegig die Propaganda für Nur-Rohkost ist, so wichtig ist es, daß Tinveränderte Pflanzenstoffe in der Kost ausreichend vertreten sind. Salat enthebt uns der Notwendigkeit, etwa Gemüse roh zu genießen, und spart Heizstoff. Unter den Glemüsen steht Sauerkraut an erster Stelle. Man kann es roh essen, etwa mit Essig und Oel angemacht, oder wenigstens einen Teil roh unter des gekochte mischen. Krautsalat sei uicht vergessen. Für den Winter versorge man sich reichlich mit Salzgurken. Salatkräuter, mit etwas Pflanzenfett verrührt, geben einen trefflichen Brotaufstrich. Tomaten sind zur entsprechenden Jahreszeit billig. Gemüse soll man dämpfen. Wenn man sie kocht, verwende man das Kochwasser zur Suppe. Am meisten Abfall haben Kohlrabi, Blumenkohl und Wirsing. Obst soll, wenn irgendmöglich, in der täglich >n Nahrung vertreten sein. Man achte auf gute Beschaffenheit und kaufe nicht imbesehen, was gerade am billigsten angeboten wird. Wie jede Rohkost birgt Obst die Gefahr der Infektion mit Würmern oder Krankheitserregern. Deshalb waschen und kühl zugedeckt aufheben. Wer irgend dazu in der Lage ist, bewahre im Sommer Lebensmittel im sauber gehaltenen Eissehrank auf. Manches läßt sich so aufheben, was sonst verdirbt. Schon kleine Mengen Obst sind wertvoll als Vitaminträger. Zucker bringt Nährwerte hinzu. Wenn die Obst- und Zuckerpreise es einigermaßen gestatten, treffe durch Einmachen Vorsorge für den Winter. Man hat dann eine willkommene Beigabe zu Mehlspeisen (Reis, Nudeln usw.). Marmelade ist als Brotaufstrich wertvoll. Beerenobst und Zwetschen haben am wenigsten Abfall. Man kann also auch mit bescheidenen Mitteln und ohne Fleisch nach dem Grundsatz leben: sich satt essen und gesund bleiben für wenia: Geld. Photo m EHIRENFELD Entwickeln, Kopieren, Vergrößern prompt — erstklassig — biillg. Filme stets frisch WOLLSTOFFE + SEIDENSTOFFE Die besten Qualitäten Die apartesten Dessins HRISS ROSSMARKT (Im Schuhhaus Joseph) lüSJiliiMüirfj'JijBöiii.iia

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