Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 9 (5.1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 223 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 223 Europa Ausland Deutschland Durch das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 wurde eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, die zu einer Einschränkung der Gleichberechtigung der deutschen Juden führen. Das Gesetz enthält in einem gewissen Umfang Einschränkungen für solche Beamte, die nicht arischer Abstammung sind; die erste Durchführungsverordnung vom 11. April bestimmt, wer als nicht arisch gilt. Aehnliche Beschränkungen enthalten die Gesetze Uber die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft vom 7. April, über die Bildung von Studentenschaften vom 22. April, über die Zulassung zur Patentanwaltschaft vom 22. April, die Verordnung vom 22. April über die Zulassung von Aerzten zur Tätigkeit bei den Krankenkassen und das Gesetz vom 25. April gegen die Ueberfüllung deutscher Schulen und Hochschulen. Ferner wurde durch Reichsgesetz vom 2t. April der Betäubungszwang für das Schlachten warmblütiger Tiere angeordnet. Im Verlauf der „Gleichschaltung"' wurde eine große Anzahl jüdischer Persönlichkeiten in Handel und Industrie, an den Effekten- und Produktenbörsen, in wirtschaftlichen, geselligen und sportlichen Verbänden, an Hochschulen und Kunstschulen, in den Verbünden der Rechtsanwälte und Aerzte, an Krankenhäusern, in der Staats- und Kommunalverwaltung usw. aus ihrer Tätigkeit entlassen oder einstweilen beurlaubt. Am Feiertag der nationalen Arbeit wuide an eizelmn Orten den Jud^n das Flaggen ihier Häuser un'ersagt. Berlin. Unter dem Einfluß der gegenwärtigen Verhältnisse erklärten zahlreiche Personen, die in früheren Jahren aus der Gemeinde oder dem Judentum ausgetreten waren, ihren Wiedereintritt. — Die Volksbank ..Iwria" eröffnete kürzlich eine Abteilung für Verwertung und Verwaltung jüdischer Vermögen. — Professor Einstein, der an die Universität Madrid berufen wurde, ist aus der Preußischen Akademie der Wissenschaften ausgetreten. — Seit einiger Zeit gibt es eine direkte telephonische Verbindung zwischen Deutschland und Palästina. — Breslau. Eine Abteilung SA. hat in mehreren Buchhandlungen die Werke von Lion Feuchtwanger, Erich Kästner, Kurt Tucholski, Jakob Wassermann und Arnold und Stefan Zweig beschlagnahmt. — Karlsruhe. Die Einfuhr von koscherem Fleisch nach Baden wurde verboten. — Kiel. In der Universitätsbibliothek wurden die Veröffentlichungen einer großen Reihe hauptsächlich jüdisdier Autoren beschlagnahmt. — Marburg. Der bekannte Indogermanist an der Universität Prof. Jacobsohn hat sich nach seiner Beurlaubung das Leben genommen. — München. Die Chicagoer Abteilung der „American Chemical Society" verlieh dem 1915 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Chemiker Professor Richard Willstätter die William-Gibbs- Medaille, eine der höchsten amerikanischen Auszeichnungen für wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Chemie. — Rostock. Das Amtsgricht wies eine Klage zweier jüdisdier Kaufleute gegen einen nationalsozialistischen Stadtrat, der durch Flugblätter zum Boykott jüdischer Geschäfte aufgefordert hatte, ab. — Speyer. Der kommissarische zweite Bürgermeister hat angeordnet, daß in den städtischen Badeanstalten im Sommer besondere Badezeiten für die Juden eingerichtet werden. — Wiesbaden. In der letzten Zeit wurden zwei jüdische Einwohner überfallen und tödlich verletzt. Niederlande. Dr. S. H. von Lier. Dire öffentliche Arbeiten beim Amsterdamer Magistr: sekretär ernannt. — Im Alter von 53 Jahren vei stammende Violinist und Dirigent Professor Alexü Beratung und Unterstützung jüdischer Gelehrte Deutschland bildete sich ein Komitee jüdischer i fessoren aller holländischen Universitäten. Belgien. Dem jüdischen Fliegerunteroffiz .'Usch wurde ' <tor der Abteilung für it, wurde zum Stadtstarb der aus Runland nder Sthmuller. — Zur r und Studenten aus ind niditjüdischer Proiet Sergeant Borische- Mutes das Ritterkreuz des Leopoldordei jüdisdie Studentenverein „Heathid" betraute t der Aufgabe, jüdischen Studenten aas Deutschland, die in Studien fortsetzen wollen, bei den Einschreibungen au be schulen behilflich zu sein. Schweiz. Bisher sind 3000 Juden aus Deutschland i England. Vor einiger Zeit fand im Unterhai fliehen. — Der Antwerpen!! Schwei ,. ,, mehrstündige Aussprache über die Lage der Juden in Dcutsdiland und die Notwendigkeit von Hilfsaktionen zugunsten derjenigen, die Deutschland verlassen, statt. - Die vor kurzem durch den englischen Kolonienminister Cunliffe- Lister eröffnete direkte telephonisdie Verbindung zwischen England und Palästina ermöglicht es. von London Gespräche sowohl mit Jerusalem, als auch mit Haifa, Tel Aviv. Jaffa und Gazza zu führen. - Eine kürzlich London stattgehabte Versammlung von 300 jüdischen Aerzten und Zahnärzten betraute eine Veri und Wege zu suchen, um zu erleichtern. nkreich. Im; jüdischer Aerzte mit der Aufgabe, Mittel das Los ihrer jüdischen Kollegen in Deutschland Hinblick auf die große Zahl der notleidenden Deutschland erklärte Innenminister Chatemps ranzösischen Kammer, daß die Tore Frankreichs weit offen ständen. Die Leitung der vereinigtste Answan.lernngshilfe „Hicem" ist beim haben, in anderen iüelischen Flüchtlinge in einer Sitzung der Leidenden und Verfolgt« ten Organisationen für müht, Juden, die in letzter Zeit Deutsdiland Ländern unterzubringen. Italien. Die Urpon der jüdischen Ge Resolution über die Lage der Juden in Deutscht! rabbiner von Rom dem italienischen Ministerpi Mussolini nahm diese Entschließung zur Kenntnis nung aus. daß in Deutschland die normalen Zu.' gestellt würden. Dänemark. In Anwesenheit des dänischen K des 100jährigen Bestehens der Kopcnhagc len Italiens faßte eine and. welche der Ober- ■äsidenten überbrachte. und sprach die Hofftände 'bald wiederhergogc statt. Tsche In de. letzten Sitzung der rdc das Budget für da: das sind 110 000 Kc. v Repräsen- Jahr 1935 eniger als tanz der Prager jüdis angenommen; es beträgt 2 197 000 Kc.: das Budget des Jahres 1932. Bulgarien. Kürzlich wurde die buiga Bnei Brith gegründet, der die zehn Logen zum Distrikt Konstantinopel gehörten. Polen. In letzter Zeit haben in Polen Unruhen zwischen Juden und Deutsdien stattgefunden, durch die besonders die Stadt Lodz beeinträchtigt wurde. Das Komitee der Zionistischen Organisation veröffentlichte darauf eine Erklärung, daß die Juden alle Terrorakte gegen Deutsche aufs sduirfste mißbilligen. 1 DIE DIREKTE REISEROUTE NACH PALÄSTINA nur mit den 6 500 To. grossen Schnelldampfern „1TALIA" und „CARHARO" via Triest-Brindisi durch den Kanal von Korinth ohne Schiffswechsel Fahrpreise ab Triest nach Jaffa od. Haifa I. Klasse RM. 408.— II. Klasse RM. 306.— III. Klasse RM. 122.40 Inkl. Bett und Verpflegung, auf Wunsch rituelle Beköstigung Abfahrten von Triest wöchentlich Mittwoch, 13 Uhr Ankunft in Jaffa: Am folgenden Montag, 6 Uhr vorm. Heiserer Frankfurt-M. - Jerusalem; 6 Tage Nähere Einzelheiten, Platzbelegungen usw. durch die Agentur des LLOYD TRIESTINO ■Frankfurt a. 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