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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-05-01 · 9 (5.1933) · p. Seite 218

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
9 (5.1933)
Date
1933-05-01
Page
Seite 218 (sequence 12)
Language
German
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Seite 218 Ein Besuch im Beth*Jakob-Seminar Wir erkennen beute alle, daß die Erhaltung des Judentums in dauernden inneren und äußeren Gefahren nur durch Wmntier möglich war. Durch Wunder im Sinne Leasings: „Der Wunder höchstes ist, daß uns die wahren, echten Wunder so alltäglich weiden können". Ein solches „AUtagswmnder" ist das Beth-Jakobschuhverk in Krakau, das ich — nach einem früheren flüchtigen Besuch — noch vor wenigen Wochen beglückt erleben durfte. Diese Tage sind mir heute eine solche Quelle der Kraft im Dunkel unsrer Not, daß ich gern zu den Lesern unseres Blattes von ihnen sprechen möchte. Während im Osten unter der männlichen Jugend das „Lernen" Mittelpunkt des geistigen Lebens war, wurde die Mädehenblldung in gefahrvoller Weise völlig vernachlässigt: das junge Mädchen, die zukünftige Frau und Mutter, wuchs dadurch oft als Verächterin all der Werte auf, die den Eltern und dem zukünftigen Gatten heilig waren: Viele der beängstigenden Verfallserscheinungen der jüdischen Familie im Osten hatten hierin ihre Gründe. Dies erkannte als erste eine junge jüdische Frau Sara ß c h e n i e r e r, die als Kriegsflüchtling aus Galizien in Wien mit jüdischem Bildungsgut vertraut wurde und sich nach ihrer Rückkehr in Krakau bemühte, ■einigen Mädchen jüdisches Wissen zu vermitteln. Aus den ganz bescheidenen Anfängen dieses in ihrer eigenen Stube erteilten Religionsunterrichtes entstand in wenigen Jahren das große Schulwerk von Beth-Jakob, das heute 30 000 junge jüdische Mädchen und Frauen in Polen und den Randstaaten erfaßt. Ist das nicht ein Wunder? Wie es möglich war, diese ungeheure organisatorische Leistung und trotz der Weltwirtschaftskrise die Mitte] dafür aufzubringen — das wird jedem unbegreiflich sein, der nicht persönlich in Berührung mit Lehrerinnen und Schülerinnen von Beth-Jakob gekommen ist, wer nicht die unerhörte Opferbereitschaft, die Hingabe an eine Aufgabe, die nicht einen einmal aufflaonimenden Opferwillen, sondern unendliche Geduld und Ausdauer täglich, stündlich verlangt, in der Arbeit selber miterleben konnte. Mitten im Judenviertel von Krakau steht ein hohes, sechsstöckiges, noch unfertiges, noch vom Bauzaun umgebenes Gebäude: das ist das Zentrum des ganzen Schulwerkes: hierher strömen aus den entlegensten Städtchen die jungen Mädchen, um unter der Leitung der Gründerin in angestrengter Arbeit zu Lehrerinnen einer ganzen Mädchengeneration herangebildet zu werden: das „Lernen" steht hier im Mittelpunkt des Lebens, und vor diesem brennenden Wissensdurst gibt es keine Hindernisse: sind z. B. die Eltern zu arm, um den Unterhalt während der Ausbildungszeit zu .bestreiten, so verpfänden die Mädchen ihr späteres Gehalt, denn eine Anstellung bekommt jede; ja, den Anforderungen der Gemeinden nach Beth-Jakob- Lehrerinnen kann die Leitung oft gar nicht rasch genug entsprechen! Das Seminar wurde, .da die Baugelder allzu langsam eingingen, bezogen, ehe es recht (bewohnbar war. Aber, daß man in Zimmern lernte, bevor noch die Fußböden lagen, daß sie bis in die letzten Winkel belegt sind, und man doch intimer wieder um Aufnahme Bittende abweisen muß, daß es an vielem fehlt, das uns — selbst heute noch! — in einer Lehranstalt auch bei größter Einschränkung, unentbehrlich schiene — das gehört durchaus zum Stil der Beth-Jakob- Arbeit! Es gibt einfach kein „unmöglich", der leidenschaftliche Wille dieser Mädchen nach jüdischem Wissen und Lehren kennt keine Hindernisse, die nicht Fleiß, Hingabe, entschlossener Wille überwinden könnten. So wie Beth-Jakob wurde das Judentum jahrhundertelang aus Quellen erhalten, die in einer diesseitig-materialistisch orientierten Welt versiegen, die aber neu au fließen beginnen, wenn wir wieder lernen, an Wunder des Alltags zu glauben. In unserer qualvollen Enge scheint kein. Weg mehr gangbar: Beth-Jakob, ein jüdisches Wunder in unseren Tagen, soll uns lehren, daß es immer Wege geben wird, wenn wir nur fest, unerschütterlich fest entschlossen sind, zu leben und zu wirken. Dr. Dora Edinger GEBRUDER SULZBACH Bankhaus Mainzerlandsfrasse 4 Gegr. 1856 Telefon: 72151 Ausführung aller bankmässigen Geschäfte. Anu.Verkauf von Wertpapieren. - Übernahme von Vermögens- und Nachlassverwaltungen. Decken Sie ihren Bedarf in Handschuhen, Strümpfen , Unterkleidern, Ribana - Wäsche, Herren- Hemden, Sccken, Kravatten, Frottier- Wäsche nur bei Bertha Schmidt, Sli ilsir. 4 Vom direkten Hersteller Polster-Möbel stets das Neueste * und zu auffallend billigen Preisen. Hermann Schloss * nur Breite Gosse 29 ES jll!!l!!!!ll!!lll!!!llll!llll!!llll!lllllllll!ll!lllllllllllD DAMENHUTE Pariser und Wiener Modelle Umarbeitung zu zeitgemäßen Preisen JENNY HESS Biebergasse 1 Erster Stock Seit Grdg. i. jüd. Bes L Qualitäts-Aepfelwein Täglich frisch vom Lagerfass liefert in Flaschen jedes.Quantum frei Haus Dampfkelterei „Viktoria" — D. Rothschild Sohn Grünesttasse 2—12 Telefon 41970 Gegründet 1871

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