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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-04-01 · 8 (4.1933) · p. Seite 207

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
8 (4.1933)
Date
1933-04-01
Page
Seite 207 (sequence 29)
Language
German
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Seite 207 keitsstreben in wirtschaftlichen Dingen, aber auch seine zuweilen mangelnde Fähigkeit zu disziplinierter Unterordnung. Andererseits ist der Jude stets bereit, für seine Taten einzustehen. Es ist nicht jüdische Art, einen Sündenbock zu suchen und die Schuld auf andere abzuwälzen. Man schlägt sich an die eigene Brust und sagt: „umipne chatoenu golinu mearzenu", um unserer Sünden willen sind wir aus unserem Land vertrieben worden. Der Jude braucht keinem Priester Rechenschaft über sein Seelenleben zu erstatten. Unmittelbar und frei steht er seinem Gotte gegenüber. „Ein Volk von Priestern..." Alle mit gleichen Rechten, alle mit gleichen Pflichten. Es zeigt sich bei allen Unterschieden viel Verwandtschaft zwischen dieser Haltung und der des Humanismus, der zusammen mit dem Protestantismus die Neuzeit heraufgeführt hat. Erst der Humanismus bedeutet ja recht eigentlich die Ueberwindung des ursprünglicheren kollektivistischen Daseins und die Entdeckung der einmaligen, freien, mit selbständigem Fühlen, Denken, Handeln und Verantwortungsbewußtsein ausgestatteten Persönlichkeit. Auch Luthers unmittelbare Gegenübersetzung von Gott und Mensch ist oft schon mit Recht als eine gewisse Rückkehr zu jüdischen Gedanken bezeichnet worden. Diese Tendenzen brachen sich weiter in der Aufklärung Bahn, um schließlich im Liberalismus zu ihrer höchsten Blüte zu gelangen. Heute ist wieder der Umschlag eingetreten. Man erkennt die kollektiven Bindungen sehr viel deutlicher als früher. Auch von hier aus muß der Ruf nach gemeinschaftsbildenden und autoritären Staatsformen verstanden werden. Die Gegenwart bringt Anschauungen, die wie der Humanismus die höchste Vollendung menschlicher Existenz im Individuum erblicken, wenig Verständnis entgegen. Gewiß läßt sich nicht darüber streiten, ob die letzte „Bestimmung" des Menschen in der Veredelung des Einzelwesens oder der .Gemeinschaft liegt. Wer aber der humanistischen Auffassung zuneigt, muß allen Widerwärtigkeiten zum Trotz diese Tradition — und sei es in einem auch noch so kleinen Kreise — lebendig erhalten. Auch das Judentum wird seine Ueberlieferung, die sich mit der humanistischen hier so merkwürdig berührt, nicht untergehen lassen. Nicht mit ungeteilten Gefühlen wird man jene Züge des jüdischen Wesens feststellen müssen. Der übergroße Hang zum Individualismus und die geringe Bereitschaft zu bedingungsloser Einordnung haben sich ja nicht immer sehr günstig für das Schicksal unseres Volkes ausgewirkt. Es steht zu hoffen, daß bei einem normalisierten Leben in einem jüdischen Palästina sich manche besonders „unpraktische" Auswüchse jener Eigenschaften abschleifen dürften. Dennoch werden wir ohne Rücksicht auf Zweckmäßigkeiten unser Erbe zu tragen haben, im Guten wie im Schlechten. Es liegt etwas Schicksalhaftes in dieser Tatsache; denn Religion und Ethik, unser unvergängliches Geschenk an die abendländische Kultur, ist undenkbar ohne das Vorhandensein der frei und verantwortungsbewußt handelnden sittlichen Persönlichkeit. Sigmund Stern Schluss der Beilage. Verantwortlich für die Schriftleitung der Beilage: Ernst Holzer in Frankfurt a. M. Israel. Knoben-m, Schfllemeim - Frankfuri Individuelle Förderung der Zöglinge. Beste ^Überwachung und Nachhilfe Vorbereitung für Aufnahme-Prüfungen zum Eintritt in höhere Schulen Uberwindung von Sohulsohwierigkeiten Tel. Z. 55595 Im Trutz 47 P. Klibansky Gay & Kienitz Damen Herren Friseur Parfümer ie Spezialität: Dauerwellen von 5 Mark an Alleiniger Inhaber G. Gay Neue Mainzerstr. 24 Tel. 21219 Jüdische Bäckerei im Westend Bedienung ab morgens Vs 7 Uhr Die altbekannte Feinbäckerei l§ Bergmann! Adalbertstrasse 6 b | Telefon 78646 1 empfiehlt sich den Mitgliedern der §f Israelitischen Gemeinde Frankfurt 1 GANS'sche Kautel. Priv.-Scnule Telefon 23904 BLEICHSTRASSE 62 Anmeldungen f. d. neuen Halbjahres-KIassen: 12—1 u. 4—5 Uhr Mäßiges Schulgeld I I Israelitisches Frauenheim Bad Nauheim Wiedereröffnung der diesjähr. Kurperiode 27. April Anfragen sind zu richten an: Herrn J. F. ETTLINGER, Frankfurt a. M. Bockenheimerlandstrasse 25 Unsere nächsten Programme: Bis 13. April Per sOndige Hoff Ein Hochgebirgsfilm Ab 15. April Per Läufer von Marathon mit Brigitte Helm und Paul Hartmann LUNA Schäfergasse 9 Tel. 29509 OLYMPIA Weißfrauenstr. 14 Tel. 29272 Wasch- und Bflgelansialt „Franltinrr Inh. JAMES LEWY, Bleichstr. 4, Tel. 21427 Pfundwäsche, Stärke-Wäsche jeder Art in erstklassiger Ausführung zu billigsten Preisen. Prompteste Lieferung :: Heißmangel-Betrieb Gemeindemitglieder berücksichtigt unsere Inserenten!

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