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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-04-01 · 8 (4.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
8 (4.1933)
Date
1933-04-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde_ Nr. 8_________AP31L 1933 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. _ Beiträge für die Beilage und Zuschriften sind an den Schriftleiter der Beilage, Errritt Holzer, Corneliusstrasse 8, zu richten. „KAMPF UM ISRAEL" Zu Martin ßubers gleichnamigem Buch (Schocken-Verlag, Berlin) „Manifestierung Israels als eines Daseienden und Lebendigen. Manifestierung in personhaftem und gemeinschaftlichem Dasein und Leben, — das ist zugleich die einzige uns gewährte und gemässe Kampfhandlung in jenem äusseren Kampf um unser Los in der Völkerwelt. Man befehdet die Larve: lassen wir das Antlitz Israels aus ihr hervorsehen! Sein Erscheinen versteinert den Angreifer nicht, aber es mahnt ihn zur Ehrfurcht." Bub er {.Kampf um Israel*, S. 10) Rückkehr zum Glauben Man liebt es heute sehr, bei geistvollen Untersuchungen über das Wesen unserer Zeit von der Entwertung aller Werte zu sprechen. Da wird festgestellt, der Liberalismus sei nun erledigt, man stehe an einer Zeitwende; und der Herr Autor präsentiert dann schließlich seinen eigenen Vorschlag über die neuen Werte, für die man jetzt kämpfen müsse. Obwohl diese neuen Ideologien fast immer in Unklarheiten und Schönredereien verpackt werden, wollen wir doch einmal versuchen, den gemeinsamen Kern all dieser Auffassungen herauszuschälen. Man propagiert eine Weltanschauung ohne Werte, .eine Weltanschauung, die ausschließlich die Wirklichkeit anerkennt und nichts über ihr. Da, wird dann erklärt: So und so ist die Welt, das und das -sind, ihre Grundkräfte, von den und den Triebkomplexen wird der Mensch gelenkt. Richte dich also entsprechend ein, lauf nicht mit dem Kopf durch die Wand, denn schließlich kannst du doch nichts an dem Lauf der Dinge ändern! So ist die Auffassung der meisten deutschen Sozialisten („wir brauchen eigentlich nichts tun als abzuwarten, die Zukunft wird uns schließlich doch einmal recht geben"). — Aber auch der sog. neue Nationalismus denkt so. Nur daß hier ein bestimmter Teil der Wirklichkeit besonders hervorgehoben, oft sogar geradezu angebetet wird, die Volksgemeinschaft (die ja, objektiv gesehen, nur eine der vielen Gemeinschaften ist, in denen der Mensch lebt). Doch wird es bei einigem Ueberlegen klar, daß, wenn man keine außerwirklichen Werte anerkennt, man nicht einem Teil der Wirklichkeit, der ja so naturgeworden ist wie alle andern, einen besonderen Wert zusprechen darf. Nur ein überwirkliches Prinzip könnte einem bestimmten Teil der Wirklichkeit, zum Beispiel dem Menschen, eine besondere Aufgabe und Weihe erteilen. Von einer solchen Auffassung, wie sie die Vergötterung der Wirklichkeit ist, kann aber keine gestaltende Kraft in ebenderselben Wirklichkeit ausgehen; denn, was man vergöttert, ist gut; was gut ist, braucht man nicht zu ändern. Und die F r o n t g e u e r a t i o n , die der wichtigste Träger dieser Auffassungen ist, hat nun auch wirklich trotz allem guten Willen nicht das geringste an gestaltendem -Werk vollbracht, sondern' im entscheidenden Moment immer die Dinge laufen lassen. Die der Frontgeneration folgende Generation trägt nun schon ganz andere Züge, sie hat ja die Bßlflosigkeit ihrer älteren Brüder gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Problemen erlebt. Sie sucht deswegen nun wirklich nach höheren Werten. Der radikal-nationalistische Flügel der Frontgeneration stand jedoch mit seiner hohen Auffassung der Volksgemeinschaft so lange in Opposition, daß der passivere Teil der folgenden Generation unter den Bannern des „Aufbruchs der Nation" mitmarschierte in dem Glauben, hier das zu finden, was sie suchten. Andere aber gaben sich damit nicht zufrieden, sie suchten weiter und fanden — Gott. Die jüdischen Menschen dieser Generation machten eine ähnliche Entwicklung durch; nur bekannten sich hier die Anbeter der Wirklichkeit aus verschiedenen Gründen mit den ihnen folgenden passiveren Teilen der folgenden Generation häutig zur materialistischen Lehre und schufen so die viel umstrittene „Rote Assimilation". Viele andere bekannten sich zur Renaissance des schon fast überwundenen jüdischen Volkstums. Nur wenige der jüngsten Generation erkannten bisher die Notwendigkeit einer Rückkehr zu den. Urelementen des jüdischen Glaubens, wie sie uns Bub er in seinem Buch „Kampf um Israel" zeigt. Aus zwed Gründen erschien uns (denn ich bekenne mich zu dieser Auffassung) dieser Weg notwendig. Einmal fanden wir in den mächtigen Worten der Thora, wie Buber sie uns in Uebersetzung und Deutung neu aufschloß, einen Glauben, durch den wir Gott wieder fanden, der uns zur Gestaltung und Lösung unserer Zeitprobleme aufrüttelte. Andrerseits sahen wir uns vor die Notwendigkeit gestellt, .unserem jüdischen Bewußtsein einen Inhalt zu geben; schließlich waren doch nur einzelne gewillt, wirklich einen jüdischen Staat in Palästina aufzubauen. Ein leeres, jüdisches Nationalgefuhl ohne den Willen, das uns ja doch so ans Herz gewachsene Deutsehland zu verlassen, mußte aber zum Untergang des deutschen Judentums führen. Es scheint fast, als sollte jetzt wieder einmal eine Herausschälung des Kerns stattfinden, wie sie Kastein in der jüdischen Geschichte immer wieder festzustellen können glaubt. Denn nur Menschen mit einem positiven jüdischen Bewußtsein werden auf die Dauer der Gemeinschaft treu bleiben. In dem großartigen Aufsatz über den jüdischen Glauben zeigt Buber, wie sich das jüdische Gottvertrauen mit einer positiven Einstellung zur Wirklichkeit verbindet; die Anerkennung eines höchsten und letzten Prinzips in der Welt und der Glaube an die Offenbarung, die dem Menschen lind besonders dem Juden .eine Mission aufgibt, wird den aktiven jungen Juden befähigen, die Wirklichkeit zu gestalten. Im einzelnen wird ihn die Ethik des Leviticus bei der Gestaltung des sozialen Schicksals der Menschen vor Augen stehen, die Visionen der Propheten werden ihn zum Glauben und Kämpfen für den Weltfrieden begeistern. Buber hat; bereits in den letzten Jahrzehnten einen Kampf um Israel geführt Nun steht die jüdische Jugend vor der Aufgabe, einmal im Glauben einen festen Stand zum Wirken in der Zeit zu gewinnen, dann aber auch in ihrem Kampf um Israel das deutsche Judentum als positive Gemeinschaft im deutschen Volk zu erhalten und neu zu formen. Wolf gang Edinger Glauben 1933 Zu Zeugen habe ich heuttags gegen euch den Himmel und die Erde genommen, das Leben und den Tod habe ich vor dich hin gegeben, die Segnung und die Verwünschung, wähle das Leben. (Die fünf Bücher der Weisung, Reden 30, 13/19, nach Buber-Rosenzweig.) „. . . . nicht der „Glaube", an den sich das Wort „daß" knüpft, nicht jene wunderliche Mischform von Wähnen und Erkennen, sondern der Glaube, der mit dem Dativ konstruiert wird, der also, der Vertrauen und Treue bedeutet . . . ." Dieser Satz, fragmentarisch herausgerissen aus den Sätzen Martin Bubers um den „Glauben des Judentums" (Kampf um Israel Seite 29—49), enthält programmatisch das gesamte Problem des Glaubens 1933. Verwirrung herrscht um das Wort „Glauben" und um den Begriff als solchen: einerseits glauben an das Mysterium, andererseits glauben an das Dogma! Der Glauben! Das Glauben! Und welcher Artikel wäre dem Glauben 1933

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