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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-04-01 · 8 (4.1933) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
8 (4.1933)
Date
1933-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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„Jugend und Gemeinde1" am Sdiluss der Nummer FRANKFURTER ISRAELITISCHES GEMEINDEBLATT Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblatt erscheint monatl. und wird den Gemeindemitgliedern unentgeltl. durch die Post zugestellt. — Preis der Einzelnummer SOPfg.— Schriftleitung: Gemeindehaus, Fahrg. 146. Fernspr.: Sammel-Nr. H. 27544. — Postscheckk.: Frankfurt a. M. 33521. — Anzeigenverwaltung: M. Isaac&Co., Hölderlinstr. 3, Fernspr.44868 u. 44888. — Anzeigen n. Tarif. — Anzeigenschluß f.d. nächste Nr.: 30. April. Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblattes nur die preßgesetzl. Verantwortung. Nachdr. nur mit Erlaubnis gest. 11. Jahrgang___Frankfurt a. M., April 1933_ Nr~8 An die Gemeindemitglieder In dieser schweren Zeit ist es uns ein tiefes Bedürfnis, ein Wort an unsere Gemeinde zu richten. Jeder darf überzeugt sein, dass wir mit unserer ganzen Kraft bemüht sind, in Verbindung mit den anderen Gemeinden Deutschlands für die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der deutschen Juden einzutreten, den in Not Geratenen beizustehen und den Fortbestand unserer Gemeinde zu sichern. Nichts kann uns die tausendjährige Verbundenheit mit unserer deutschen Heimat rauben, keine Not und Gefahr kann uns dem von unseren Vätern ererbten Glauben abspenstig machen. In Besonnenheit und Würde wollen wir für unsere Sache einstehen. Wenn keine Stimme sich für uns erhebt, so mögen die Steine dieser Stadt für uns zeugen, die ihren Aufschwung zu einem guten Teil jüdischer Leistung verdankt, in der so viele Einrichtungen vom Gemeinsinn der Juden künden, in der aber auch das Verhältnis zwischen jüdischen und nichtjüdischen Bürgern stets besonders eng gewesen ist. Verzagt nicht! Schliesst die Reihen! Kein ehrenhafter Jude darf in dieser Zeit fahnenflüchtig werden. Helft uns, das Vätererbe zu bewahren, und wenn die Not der Zeit den Einzelnen hart anfasst, so gedenkt der Worte, die wir am bevorstehenden Pessachfest, dem Fest der Befreiung, von altersher sprechen: „Von Geschlecht zu Geschlecht sind sie gegen uns aufgestanden, uns zu vernichten. Aber der Heilige, gelobt sei Er, hat uns aus ihrer Hand errettet." Frankfurt a. m., 30. März (933 Vorstand der Israelitischen Gemeinde Erklärung der Reidisvertretung der deutschen Juden Die Reichsvertretung der deutschen Juden und der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin haben am 29. März an den Herrn Reichspräsidenten, den Herrn Reichskanzler, die Herren Reichsminister und den Herrn Polizeipräsidenten von Berlin folgendes Schreiben gerichtet: ,JJie deutschen Juden sind tief erschüttert von dem Boykottaufruf der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Wegen der Verfehlung einiger Weniger, für die wir nie und nimmer Verantwortung tragen, soll uns deutschen Juden, die sich mit allen Fasern der deutschen Heimat verbunden fühlen, wirtschaftlicher Untergang bereitet werden. In allen vaterländischen Kriegen haben deutsche Juden in dieser Verbundenheit Blutopfer gebracht. Im Großen Kriege haben von 500 000 deutschen Juden 12 000 ihr Leben hingegeben. Auf dem Gebiet friedlicher Arbeit haben wir mit allen unseren Kräften unsere Pflicht getan. Den Greuel- und Boykott-Feldzug im Auslande haben die jüdischen Organisationen Deutschlands mit äußerster Anstrengung und erfolgreich bekämpft. Sie haben hierfür alles getan, was in ihrer Kraft steht, und werden es weiter tun. Trotzdem sollen jetzt die deutschen Juden, als die angeblich Schuldigen, zugrunde gerichtet werden. Wir rufen dem deutschen Volk, dem Gerechtigkeit stets höchste Tugend war, zu: Der Vorwurf, unser Volk geschädigt zu haben, berührt aufs tiefste unsere Ehre. Um der Wahrheit willen und um unserer Ehre willen erheben wir feierlichst Verwahrung gegen diese Anklagen. Wir vertrauen auf den Herrn Reichspräsidenten und auf die Reichsregierung, daß sie uns Recht und Lebensmöglichkeit in unserem deutschen Vaterlande nicht nehmen lassen werden. Wir wiederholen in dieser Stunde das Bekenntnis unserer Zugehörigkeit zum deutschen Volk, an dessen Erneuerung und Aufstieg mitzuarbeiten unsere heiligste Pflicht, unser Recht und unser sehnlichster Wunsch ist. Berlin, den 29. März 1933. Die Reichsvertretung der deutschen Juden. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin."

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