Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 12 (8.1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 256 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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256 Max Liebermann im Gespräch Von Dr. Hermann Weyl Noch unmittelbarer als in seinen Schriften wirkt Max Liebermann im Gespräch. Auch seine bildnerischen Leistungen — und das macht ja ihre Größe aus — sind alle sehr unmittelbar, aber sie sind in die ewigen und überzufälligen Gestaltungsformen, jenseits der individuellen Person, eingegangen, was man etwa seit Goethe typisch nennt. Ueber dieses Typische, Ewige, Gestaltete, überzufällig Kunstgeformte, materiell und geistig Gebaute seiner ganzen malerischen und graphischen Produktion zu sprechen, ist hier nicht meine Aufgabe; über die große subjektive und objektive Bedeutung seiner Schriften habe ich an einer anderen Stelle berichtet. („Max Liebermann als Schriftsteller" im Literaturblatt „Didaskalia" der „Frankfurter Nachrichten" vom 17. Juni 1932.) Im Gespräch kommt das Zufällige, vom Augenblick Eingegebene, aber immer ins- Wesentliche Gerichtete seiner Natur deutlich zum Ausdruck. Aus eigener Anschauung kann ich nur andeuten, wie er als Söjähriger spricht und welche seelischen und geistigen Kräfte sich für meine unvoreingenommene, aber aufnahmebereite Auffassung dabei zu offenbaren scheinen. Wie überall, geht er auch im Gespräch von der Anschauung aus. Er liebt dis klaren und kurzen Sätze, sucht den packendsten Ausdruck, verfängt sich in keine künstliche Redensart, und überhaupt jedes Posierte und jede Phrasenhaftigkeit ist seiner Sprache fremd. Er spricht wie einer, der auf persönliche und natürliche Weise das, was ihn bewegt, interessiert und was er erzählen möchte, klar, packend, überzeugend und fast greifbar sagt. Der Inhalt :'seiner Gespräche wird wohl von der jeweiligen Konstellation (eingegeben sein. Sich selbst überlassen, würde er schon am '.liebsten von seinen Erinnerungen, seinen künstlerischen Ideen, U^L^i O K Jadengasse in Amsterdam ^C^**+**^ ■ seinen blitzhaft auftauchenden Einfällen und Reminiszenzen berichten. Etwa er sitzt auf dem Sofa tief zurückgelehnt, der rechte Arm ist über die Lehne gelegt. Irgend ein Thema ist angeschlagen, da belebt sich sein sonst so ernstes Gesicht, er lächelt mit den Augen, die Gesichtszüge bewegen sich geistreich, etwas wunderbar Lebensvolles und Ueberlegenes spiegelt sich in dieser Mimik. Dann kommen seine Worte, schöne, oft volltönende Sätze, gar nicht pedantisch, zuweilen aphoristisch-abgehackt, nur die große Leitlinie des Themas einhaltend, und alles von seiner Persönlichkeit so sehr durchtränkt. Ein Grandseigneur des Geistes und des Lebensstils, das ist dieser Mann. Jozef Jsraels Wenn man seine letzten Aufsätze („Kunst und Künstler", Bruno Cassirer Verlag, 1932) liest, staunt man über diese Geistesfrische und Schärfe des Urteils, verbunden mit dem prachtvoll sich auswirkenden Reichtum seines Temperaments. Das Gleiche im Gespräch. Hier gibt es wieder diese frische, momentane Einfallsfülle, diesen Reichtum an Ideen und Assoziationen. Auch hier zeigt sich ein Wesenszug seiner Natur: die Produktivität seiner Persönlichkeit. Er ist geneigt, mehr aus der Fülle seiner eigenen großen Natur :'.n geben, als objektive Tatbestände des ihm Dargebotenen nun Wichtig für Stoff Händler! Ihre Stoffe zum Wiederverkauf beziehen Sie am besten Tuchfase™ iL Frankel, Fraokfiirt a. M., SHItstr.7?^pe. Stets Eingang von Partieposten, die wir unter Preis abgeben