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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-07-01 · 11 (7.1932) · p. Seite 244

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
11 (7.1932)
Date
1932-07-01
Page
Seite 244 (sequence 21)
Language
German
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244 werde. Für diesen Zweck haben sich 600 Frauen freiwillig zur Verfügung gestellt, die bis jetzt 860 Mitglieder geworben haben. Man sollte meinen, daß man bei 10 000 Steuerzahlern auf eine Mitgliederzahl von 6000 kommen müsse. Es sei die Pflicht eines jeden einzelnen und besonders der Vertreter der Gemeindeverwaltung, sich dafür einzusetzen, daß auf diesem Weg die Jüdische Wohlfahrtspflege erhalten werde. Eine Grofigenieinde wie Frankfurt könne nicht ohne Wohlfahrtspflege existieren, man dürfe nicht in die frühere Methode zurückfallen. Es werde oft behauptet, daß der Beamtenapparat der Wohlfahrtspflege zu groß sei, jedoch sei seit 1925 die Zahl der Beamten von 25 auf 13 gefallen, obgleich sich die Arbeit infolge der großen Not durch die wachsende Zahl der Petenten erhöht ha-t. Herr Bloch bittet dringend, ehrenamtlich mitzuhelfen, um die Not zu lindern. Herr Justizrat Dr. Blau beantwortet die Anfrage über die Gründung des Reichsverbands dahin, daß seit Jahren bereits Verhandlungen über das Zustandekommen eines Reichsverbands der deutschen Juden geführt werden, bis jetzt aber eine Einigung nicht erzielt werden konnte. Am 22. Mai habe hier eine Sitzung sämtlicher Landesverbände stattgefunden und es sei gelungen, zwischen den süddeutschen und preußischen Verbänden über gewisse Punkte eine Einigung zu erzielen. Der Preußische Landesverband sei beauftragt worden, einen neuen Entwurf auszuarbeiten. Es sei zu hoffen, daß die Arbeiten bald abgeschlossen seien und die Gründung des Reichsverbands zu stände komme. Auf Antrag der Herren Dr. Frenkel und G e r 1 i c h wird die Subvention für den Verein Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden, ohne daß die Gesamtsumme des Postens „Soziale Fürsorge" geändert wird, aus diesem Posten herausgenommen und gesondert aufgeführt. Die Beschlüsse des Vorstands und der Kommission: Verbesserung der Zusammenarbeit in der Hilfstätigkeit, Ausschaltung aller Doppelarbeit in gleichartigen Vereinen, Rationalisierung des IStiftungswesens evtl. unter Mithilfe der Regierung, Subventionierung des Landesverbands, Erhöhung der Subvention für die Jüdische Wohlfahrtspflege auf Rm. 85 000.—, worin die Subventionen für den Verein Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden, für das Tagesheim für jugendliche Erwerbslose und für eine Armensehwester enthalten sind, werden angenommen. Die Kapitel X: Schulden und Zinsendienst, XI: Verschiedenes und XII: Unvorhergesehenes werden debattelos angenommen. Kapitel XIII: Kultussteuer. Die Beschlüsse des Vorstands und der Kommission, wonach ab 1. April d. J. ein Zuschlag von 15% zur Vermögenssteuer für diejenigen Zensiten einzurühren ist, die keine Einkommensteuer zahlen, oder deren Vermögenssteuer größer ist als ihre Einkommensteuer, Averden einstimmig angenommen. Hiernach wird der ordentliche Etat in der Summe der einzelnen Kapitel in Einnahme und Ausgabe mit Reichsmarkt 1258 829.75 bei einem Fehlbetrag von Rm. 134 924.11 angenommen. (Eine Gesamtübersicht des Haushaltsplans für 1932/33 findet sich an anderer Stelle dieser Ausgabe.) Ferner wird der Beschluß des Vorstands, den Haushaltsplan nur für V. Jahr bis zum 30. September 1932 festzusetzen, angenommen. Die Festsetzung des außerordentlichen Haushaltsplans bleibt vorbehalten. Hiermit ist die Beratung des Haushaltsplans abgeschlossen. Sodann werden die Beschlüsse des Vorstands über Aenderung der Steuerordnung und Verwaltung der Kultussteuer sowie eine Vorlage des Vorstands, wonach Plakate nur nach vorheriger Genehmigung im Gemeindebüro ausgehängt werden dürfen, angenommen. In die vom Vorstand gebildete Wirtschaftskommission für rituelle Lebensmittel, die aus drei Mitgliedern des Vorstands, den Mitgliedern der Ritualkommission und Herrn Rabbiner Dr. Jakob Hoffmann besteht, werden die Herren Gerlich, Dr. Frenkel, Heinrich Rothschild und Frau Katz von der Gemeindevertretung delegiert. Herr Dr. Eduard Strauß macht darauf aufmerksam, daß in der Kunsthandlung Helbing am 21. Juni d. J. eine Versteigerung jüdischer Kultgegenstände stattfindet. Er gibt die Anregung^ dem Vorstand zur Erwägung anheimzustellen, an Gemeindemitglieder heranzutreten, um Mittel zum Erwerb dieser Kultgegenstände für die Gemeinde aufzubringen. Hieran schloß sich eine nichtöffentliche Sitzung, in der u. a. Personalfragen behandelt wurden. Deutschland Asehafferburg. Zum Nachfolger des verstorbenen Bezirksrabbiners Dr. Raphael Breuer wurde Rabbiner Dr. Fritz Bloch gewählt. — Berlin. Der Vorstand des Jüdischen Frauenbundes hat in einem an die Reichsarbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände gerichteten Schreiben Ermäßigter Preis - Erhöhte Wirtschaftlichkeit. EWTOpp mImmmkMilm Speise- und Einmach-Essig für Gesunde und Kranke 1 Liter Citrovin ergibt 3—4 Liter Speise-Essig In allen einschlägigen Geschäften erhältlich CltroWn. Fabrik 6. m. b. H., Frankfurt a. M. Postsdiliessfadi *V) im Hinblick auf die Zeitverliältnissc ernste Bedenken gegen die geplante Abhaltung eines jüdischen Weltkonsresses zum Ausdruck gebracht — Der Etat der Jüdischem Gemeinde ist im Entwurf in Einnahme mit RM. 5 389 511.55 und in Ausgabe mit RM. 10 281 512.10 vorgesehen: zum Ausgleich wird ein Steuereingang von RM. 4 891 800.55 erforderlich sein. — Im Landwirtschaftsausschuß des Preußischen Landtags wurde der Schächtverbotsantrag gegen die Stimmen der nationalsozialistischen Antragsteller und der Deutschnationalen abgelehnt. Dagegen fand ein Entsehließungsantrag der Nationalsozialisten Annahme, wonach das Staatsministerium ersucht wird, geeignete Mittel bereitzustellen, um alle Methoden zur Schlachtung von Schlachttieren zu prüfen und zu fordern mit dem Ziele, das betäubungslose Schächten für die Zukunft zu unterbinden. — Am }5. und 16. Juni waren 20 Jahre verflossen, seit die Agudas Jisroel auf der Konferenz in Kattowitz gegründet wurde. — Dr. Hans Kohn, Professor der pathologischen Anatomie an der dritten Univerfitätsklinik und Prosektor am Krankenhaus der jüdischen Gemeinde, wurde zum Ehrenmitglied der Berliner Medizinisdien Gesellschaft ernannt. — Der jüdische Tennismeister Daniel P r e n n ging ans den Kämpfen um den Davis-Pokal zwischen Deutschland und Irland als Sieger hervor. — Breslau. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde die Kultussteuer auf 16% — gegenüber 14% im Vorjahre — festgesetzt. — Dinkelsbiihl. Nachdem bereits seit Jahresfrist die dort wohnennden Juden einen eigenen Beamten angestellt hatten, wurde nun eine eigene Kultusgemeinde gegründet. — Dreißigacker. Auf dem über 150 Jahre alten jüdischen Friedhof wurden 15 Grabsteine umgeworfen. — Frankfurt a. M. Der hervorragende Komponist und Musikpädagoge Bernhard Sekles wurde in diesen Tagen 60 Jahre alt. Sekles hat seine musikalische Ausbildung im Uochschen Konservatorium in seiner Vaterstadt erhalten, war kurze Zeit Kapellmeister am Stadttheater in Mainz und ist heute Direktor des Hochschen Konservatoriums. — Halberstndt. Im Alter von 64 Jahren verstarb im Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main Rabbiner Dr. Isaak Auerbach, Vorsitzender des „Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands". — Hungen. Die Jüdische Gemeinde konnte mit einem eindrucksvollen Festgottesdienst das hundertjährige Jubiläum ihrer Synagoge begehen. — Karlsruhe. Nunmehr hat auch der badische Minister des Innern erklärt, daß die von den Stadtverwaltungen erlassenen Schächtverbote gemäß der Reichsverfassung unzulässig seien. — Kassel. Am 2S. V. wurde Alexander Fiorino, eines der ältesten und verdientesten Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, 90 Jahre alt. — Oberhof. Die jüdischen Jugendvereine Erfurt. Eisenach. Meiningen. Mühlhausen und Suhl hielten in Oberhof eine stark besuchte und gut gelungene Tagung ab. — Offenbtirg. In einem Festgottesdienst wurde der bisher in Mannheim tätig gewesene Rabbiner Dr. Ucko in sein neues Amt als Bezirksrabbiner eingeführt. — — Oldenburg. Nach Anhalt bat nun auch Oldenburg eine rein nationalistische Regierung bekommen. — Osterberg. Auf dem jüdischen Friedhof wurden 6 Grabsteine umgeworfen und 6 zerbrochen. Europa Ausland Oesterreich. Wien. Wegen erneuter \ u s sc- Ii r e i t u n g e n gegen jüdische Studierende seitens nationalsozialistischer Studenten wurde die Wiener Üniversität wiederum für einige Tage geschlossen. — Im 79. Lebensjahr verstarb Dr. Heinrich Kolischer, der unter der Habsburger Monarchie jahrzehntelang Abgeordneter des österreichischen Parlaments war. Schweiz. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund umfaßt gegenwärtig 25 Gemeinden, die in 14 Kantonen gelegen sind. Niederlande. Im Jahre 1951 sind in Holland insgesamt 90 000 Hfl. für den Keren Hajessod gespendet worden. Großbritannien. Anläßlich des Geburtstages des englischen Königs wurde Dr. Robert Mond, der Bruder des verstorbenen Lord Melchett, und Leonard Benjamin Franklin geadelt. Italien. In Italien nehmen die Ehen zwischen Juden und Christen derart überhand, daß die Existenz des Judentums gefährdet erscheint, Rußland. Ungeachtet der Tätigkeit des „Apikojres", der jüdischen Abteilung des „Klubs der Gottlosen", ist das jüdische Leben in Sowjetrußland nicht auszurotten. — Nach einem neuerlichen Beschluß von „KOMZET" wird die Ansiedlung von Juden in Südrußland eingeschränkt; im Verlauf dieses Jahres soll 4000 ausländischen Juden Gelegenheit gegeben werden, sich in dem jüdischen Rayon Biro-Bidschan im Fernen Osten anzusiedeln. Dänemark. Am 15. VI. verstarb im Alter von 80 Jahren der frühere Oberrabbiner von Kopenhagen, Professor David Jacob Simons e n. Der Verstorbene, ein Führer der dänischen Juden, hat sich auch als Orientalist und Philantrop einen bedeutenden Namen erworben; bei der Reorganisierung des Vereins „Mekize Nirdamim" im Jahre 1908 wurde er zu dessen erstem Vorsitzenden gewählt. Die Beisetzung fand unter größter Beteiligung der jüdischen Bevölkerung und weiter öffentlicher Kreise, u. a. des Hofes und der Regierung, statt. Ungarn. Am 7. VI. fand die Einweihung des neuen Gebäudes des Real- und des Mädchengymnasiums der Pester israelitischen Religions-

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