Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 10 (6.1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 221 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3094266-3094373-3094383--3228-3097995- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
221 Am 27. Mai feierte Herr Gustav I. R a p p , Seilerstr. 19, seinen 70. Geburtstag. Dem rüstigen und allgemein beliebten Jubilar gelten die herzlichsten Glückwünsche eines weiten Familienkreises und seiner zahlreichen Freunde. Berufsjubiläum Fräulein Rosa Simon war am 8. Mai 25 Jahre als Kassiererin bei der Firma Hut-Lange (H. Eckhard), Fahrgasse 119, tätig. Die sympathische xmd bei ihrem weiten Kundenkreis sehr beliebte Jubilarin war Gegenstand zahlreicher Ehrungen. Gedenkfeier Am 20. Mai veranstaltete das israelitische Lehrerinnenheim in der Rückertstraße eine Feier zum ehrenden Gedenken seiner ersten und ältesten Vorstandsdame, Frau Ida Damm, die am 14. April im gesegneten Alter von fast 79 Jahren aus dem Leben schied. Frau Damm hat vor 24 Jahren das Heim mitbegründet und ist ihm seitdem eine unermüdliche Helferin und warmherzige Führerin gewesen. In der Feier, die in Anwesenheit der Verwandten der Heimgegangenen stattfand, kam in warmen Worten der Dank des Vorstandes und der Insassinnen des Heims zum Ausdruck, denn diese wissen es ja, daß sie es nicht zum wenigsten Frau Damm verdanken, wenn sie in dem Heim einen frohen, sorgenfreien Lebensabend haben dürfen. Die kleine Feier war von musikalischen Darbietungen umrahmt und nahm einen würdigen Verlauf. Todesfall Mit Emil Sulz b ach, der in seinem 72. Lebensjahr am 25. Mai verschieden ist, hat die Stadt Frankfurt eine von bestem Bürgersinn durchdrungene Persönlichkeit verloren. Er ■ gehörte zu der nicht geringen Zahl derjenigen jüdischen Bürger, die aus alter Tradition und innerstem Bedürfnis das soziale und'kulturelle Leben ihrer Vaterstadt aufs stärkste befruchtet und gefördert haben. Die Liebe Emil Sulzbachs, der nur kurze Zeit in der bekannten Bankfirma gleichen Namens tätig war, galt der Musik. Zwanzig Jahre hindurch führte er den Vorsitz im Kuratorium des Hoch'schen Konservatoriums und hat sich um dieses Institut, wie auch um zahlreiche junge Musiker große und allgemein anerkannte Verdienste erworben. Rabbinisdie Lehransialt „Jesdtlwa" Am 1. Jjar fand die Eröffnung des Sommersemesters der Rabbinisdien Lehranstalt „Jeschiwa" statt, zu der sich im großen Lernsaal der Jesdiiwa der Lehrkörper, Vertreter des Kuratoriums und sämtliche Hörer versammelt hatten. In einer zu Herzen gehenden Ansprache vergegenwärtigte der Leiter der Anstalt, Herr Gemeinderabbiner Dr. J. Hoffmann, den neueintretenden Hörern die Ziele der Jeschiwa und die Zwecke, die sie verfolgen muß. Im Sommersemester studieren an der Rabbinischen Lehranstalt 50 ordentliche Hörer, die sich ausschließlich dem Thorastudium widmen, und eine größere Anzahl außerordentlicher Hörer, die nur an einigen auf die Abendstunden gelegten Vorlesungen teilnehmen. Einige Hörer besuchen neben der Lehranstalt auch noch die Universität. Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler In der Generalversammlung am 2. Mai wurde die in gesonderter Sitzung vorgenommene Wahl des Vorstandes bekanntgegeben; an Stelle des verstorbenen Herrn Julius Goldsclunidt wurde Herr Dr. Felix Kauf f mann erster Vorsitzender, zum Schriftführer wurde Herr Regierungsbaumeister Fritz Kathan ernannt. Dem von Frl. Ida Posen vorgelegten Tätigkeitsbericht ist zu entnehmen, daß die Gesellschaft 1931 240 zahlende Mitglieder hatte. Die Leistungen der Gesellschaft bestanden bisher in in der Ausleihe von Bildmaterial und der Herausgabe von Druckschriften (Notizblätter 27 und 28, Nr. 29 erscheint demnächst). Auf die Beteiligung der Gesellschaft an der Pädagogischen Ausstellung des Lehrervereins wird hingewiesen. Bei dieser Gelegenheit wurde in statistischen Darstellungen gezeigt, daß die Gesellschaft* eine weit über ihren lokalen Sitz hinausgreifende Arbeit leistet und daß sie bereits zur Gründung einer Reihe jüdischer Museen und Ausstellungen die Anregung gegeben hat. In den Publikationen ist bereits begonnen worden, diese Sammlungen zu erfassen und sie auf diese Weise den weit verstreut in Europa und Außereuropa wohnenden Mitgliedern nutzbar zu machen. Im Anschluß an die Pädagogisohe Ausstellung zeigte sich auch durch den regen Besuch des Frankfurter Museums jüdischer Altertümer das große Interesse, das alle Kreise der Bevölkerung der von der Gesellschaft geleisteten Arbeit -entgegenbringen. Der Privatsammler ebenso wie der Forscher brauchen dringend eine solche zentrale Stätte, was sich auch aus den vielfachen Anfragen an die Geschäftsstelle ergibt. Es ist nur bedauerlich, daß durch den Mangel an Mitteln die Tätigkeit des Institutes nicht gebührend ausgebaut werden kann. Durch Ueberlassung von photographisehem und sonstigem Bildmaterial ist den weitesten Kreisen Gelegenheit gegeben, an den Aufgaben der Gesellschaft tätig mitzuwirken. Den Anwesenden wurde dann noch mitgeteilt, daß als erste Sonderausstellung nach Wiedereröffnung des Museums jüdischer Altertümer eine Heidenheim-Ausstellung geplant ist, für die die Einsendung, bezw. Bekanntmachung einschlägigen Materials, auch von Bildern aus dem Freundeskreis Heidenheims, an die Geschäftsstelle der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, Fahrgasse 146, erwünscht ist. Soncino-Gesellschaft Die vor kurzem gegründete Frankfurter Ortsgruppe unternahm am 8. Mai unter Führung des ersten Vorsitzenden, Herrn Prof. Dr. Freimann, ihren ersten Ausflug nach Mainz. Am Vormittag wurde zuerst unter Leitung von Herrn Direktor Dr. Ruppel das Gutenbergmuseum besichtigt, hieran schloß sich eine Führung durch die Ausstellung „Goethe und seine Verleger" unter Leitung von Herrn Dr. Knies. Am Nachmittag führte Herr Dr. Ladenburg durch das jüdische Museum und Herr Rabbiner Dr. Levi durch den alten jüdischen Friedhof. Für den Sabbat! Der Konservativ-Jüdische Gemeindeverein hatte für den 29. Mai zu einer öffentlichen Versammlung eingeladen, über die uns nach Redaktionsschluß berichtet wird, daß sie überaus stark besucht war und sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die Idee des Sabbats gestaltete. Es sprachen die Herren Gemeinderabbiner Dr. Jakob Hoffmann Uber den Sabbat als Ba.iner des ^Jndentums, Dr. Stern- Berlin über den Sabbat in der staatlichen Gesetzgebung und Rechtsanwalt Hororitz über den Sabbat in der heutigen Wirtschaft. Osteuropa und Palästina Der bekannte jüdische Wirtschaftspolitiker Dr. Michael Trauh sprach am 22. Mai in einer sehr gut besuchten Versammlung osteuropäischer Juden, an der auch der polnische Vizekonsul teilnahm, über das Wirtschaftsleben der Juden im Osten. Die Ausführungen des Redners, der gerade auf diesem Gebiet über besondere Sachkunde verfügt, brachten interessante Aufschlüsse über den wirtschaftlichen Niedergang der polnischen Juden und die Auswirkungen der bolschewistischen Wirtschaftspolitik in Sowjetrußland. Er hob hervor, daß Palästina für die polnischen Juden eine besondere Bedeutung als Einwanderungsland erlangt habe und daß schon jetzt 44% der palästinensischen Einwanderer aus Polen stammen. Den gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen dienen Handelskammern in Warschau und Palästina. Sedertisdi in der Westendsynagoge (vgl. Bericht in der letzten Nummer) Bei Ihren Einkäufen wollen Sie gefl. Bezug auf das Gemeindeblatt nehmen.