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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-04-01 · 8 (4.1932) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
8 (4.1932)
Date
1932-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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FRANKFURTER ISRAELITISCHES GEMEINDEBLATT Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblätt erscheint monatlich und wird den Gemeindemitgliedern unentgeltlich durch die Post zugestellt. — Preis der Einzel mimmer 50 Pfg. — Anzeigen nach Tarif. — Sehriftleitung und Anzeigenverwattung: Gemeindehaus, Fahrgaas« 146. Fernsprecher: Sammelnummer Hansa 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 33521. Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblatts nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet. 10. Jahrgang Frankfurt a. M., April 1032 IVr. 8 Das älteste biblische Drama Von Dr. Willy Morel Das Drama, dessen aus dem Griechischen übersetze Reste hier vorgelegt werden, scheint im 2. Jahrhundert v. Chr. enstanden zu sein. Als seinen Verfasser nennen die Kirchenväter, denen wir die Erhaltung der Ueberreste verdanken, den Ezechiel, von dem weiter nichts bekannt ist. Sein „Auszug" (Exagoge) erregte das Interesse eines griethischen Literaten Alexandros, den man zum Unterschied von seinen zahlreichen Namensvettern den Polyhistor zu nennen pflegt. Er nahm umfangreiche Stücke, etwa ein Viertel des Ganzen, in sein Werk „Ueber die Juden" auf, das ihrerseits die Kirchenschriftsteller Clemens und Eusebius ausgiebig benutzt haben. Ezechiel dramatisiert den Bericht der Bibel über den Auszug der Kinder Israel aus Aegypten. Seine Quelle ist offenbar die als Septuaginta bekannte griechische Uebersetzung des Alten Testaments. Zuweilen erweitert er das von seiner Vorlage Gebotene, so in der Erzählung von Moses' Traum. In Sprache und Stil hält er sich eng an denjenigen klassischen Tragiker der Griechen, der die stärkste Wirkung auf die Folgezeit ausgeübt hat, an Euripides; doch bleibt er nur allzu weit hinter diesem grossen Vorbild zuiück, und wo ihm eine stärkere Wirkung gelingt, verdankt er dies einzig dem Anschluss an die schlicht-erhabene Erzählung im Exodus. Nicht um seiner selbst willen lesen wir diesen Ezechiel, sondern weil er uns als einziger dramatischer Bearbeiter der Bibel im Altertum notwendig interessieren muss. Steht .er doch an der Spitze einer endlosen Reihe von Nachfolgern, unter denen neben Unbekannten und Vergessenen Heroen der Weltliteratur wie Racine, Byron und Hebbel sich finden. Ins Deutsche ist die Exagoge bisher erst einmal übersetzt worden, von L. M. Philip pson, dessen Büchlein „Ezechiel des jüdischen Trauerspieldichters Auszug aus Egypten und Philo des Aelteren Jerusalem. Nach ihren Fragmenten herausgegeben, übersetzt und commentiert von L. M. Ph." im Jahre 1830 in Berlin erschien. Eine neue Uebertragung leitet ihre Daseinsberechtigung einmal davon ab, dass für die Herstellung des arg verderbten Textes seit 100 Jahren einiges geschehen ist, zum andern hat sich das Prinzip die tragischen Verse der Griechen durch das Mass unserer klassischen Dramen, den Blankvers, wiederzugeben, ziemlich allgemein durchgesetzt, während Philippson die dem Original näherstehenden, aber schwerfälligen Sechsfüssler benutzte. Mit weiteren Literaturangaben soll diese kurze, nur der Orientierung dienende Vorbemerkung nicht belastet werden. Wer tiefer in den Gegenstand einzudringen wünscht, findet Näheres bei Christ- Stählin, Geschichte der Griechischen Literatur II6 p. 607. Die Zwischenbemerkungen in Prosa zwischen den einzelnen Versreihen sind gekürzte, freie Wiedergaben der bei Eusebius überlieferten Texte. Ueber die Aussetzung des Moses durch seine Mutter, . . . seine Auffindung und Erziehung durch die Königstochter berichtet der Tragiker Ezechiel beginnend mit der Ankunft der Söhne des Jakob bei Joseph in Aegypten. Bei ihm spricht Moses wie folgt: Seit jener Zeit, da Jakob Kanaan Verliess und an der Spitze einer Schar Von siebzig Seelen nach Aegypten kam Und viele Erben zeugte, ein Geschlecht, Das grosse Mühsal und Bedrückung trug, Erleiden wir bis auf den heut'gen Tag Das Joch, das böser Menschen schwere Hand Uns auferlegt. Denn König Pharao Erdachte angesichts der Volksvermehrung Bald einen list'gen Anschlag wider uns. . Mit Ziegeiwerk und schwerer Maurerfron Bedrückte er die Leute, hohe Städte Liess er erbau'n, die Aermsten recht zu plagen. Dann gab er dem Hebräervolk Befehl Die Söhne in den tiefen Strom zu werfen. Da hielt mich meine Mutter erst versteckt Drei Monde lang, wie sie mir später sagte; Als das nicht länger durchzuführen war, Band sie ein Schmuckstück um des Kindes Hals Und setzte mich am Nilesufer aus, Wo dichtes Schilf in seichtem Wasser wächst — Nur Mirjam, meine Schwester, sah den Vorgang. Nun kam des Königs Tochter an den Fluss, Um mit den Mägden ihren jungen Leib Im Bad zu rein'gen; sie erblickte mich Und voller Mitleid fischte sie mich auf, In mir erkennend ein Hebräerkind. Da kam denn meine Schwester flugs herzu Und sprach zu der Prinzessin: „Soll ich dir Für dieses Kind rasch eine Amme schaffen Hebräischen Geblüts?" „Ja, eile dich!" Versetzte jene, und das Mädchen rannte Zur Mutter mit der Nachricht. Die war bald Geholt und hielt mich wieder in den Armen. Des Königs Tochter sprach zu ihr: „Du ziehst Mir dieses Kind auf, Lohn soll dir nicht fehlen." Den Namen Moses gab sie deshalb mir, Weil sie am Flussesrand mich aufgenommen. Als nun die Kinderzeit vorüber war, Nahm meine Mutter mich zu dem Palast Und tat mir alles kund von meiner Herkunft Und Gottes Gunstbeweisen. Die Prinzessin Gewährte Nahrung und Erziehung mir Als hätte sie im Schlosse mich geboren. Da nun der Tage Kreis geschlossen war, Verliess ich den Palast des Pharao, Um seiner Bauten künstlich Werk zu schaun. Zwei Männer sah ich, die sich prügelten, Der eine ein Hebräer, ein Aegypter Der andere, sonst niemand weit und breit. Ich rettete den Bruder, schlug den Fremden Und unter Sand verscharrt' ich ihn, damit Kein dritter uns erspähte und den Mord Zur Meldung brächte. Als am nächsten Tage Ich wieder zwei, dazu Verwandte noch, Sich schlagen sah, nahm ich das Wort und sprach: „Was schlägst du den, der schwächer ist als Du?J Drauf er: ,Wer hat als Richter oder Vogt Dich hergesandt? Willst Du vielleicht auch mich Wie gestern den erschlagen?" Voller Angst Sprach ich: „Wie ist das an den Tag gekommen?" Doch er vermeldet' alles das dem König, Der mich zu greifen den Befehl erliess. Als ich das hörte, wandt' ich mich zur Flucht Und irre nun im fremden Land umher. Dann fährt er hinsichtlich der Töchter des Raguel so fort: Was seh' ich da für sieben Mädchen nahn?

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