Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 7 (3.1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 153 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Baronin Hannah Mathilde V. Rothschild Zum 10 0. Geburtstag am 5. März 1932 Zum hundertstenmale jährt sich am 5. März der Tag, an dem eine der größten Wohltäterinnen Frankfurts, deren Name weit über die Mauern unsrer Stadt hinaus genannt wird, das Licht der Welt ■ erblickte. Hannah Mathilde v. Rothschild wurde als Zweitälteste Tochter Baron Anselms v. Rothschild, des späteren Leiters des Wiener Bankhauses, der damals in Frankfurt a. M., Roßmarkt 9, ansässig war, geboren. Sie vereinigte in ihrem Wesen einen sehr großen Teil jener zähen Energie, die von maßgebender Bedeutung für die an Erfolgen reichen Unternehmungen des Hauses Rothschild war, da sie ja auch von mütterlicher Seite als Enkelin des in London lebenden Nathan Mayer v. Rothschild der gleichen Familie angehörte. In sehr jungen Jahren, bereits 1849, ging sie die Ehe mit dem "Vetter ihres Vaters, mit Baron Wilhelm v. Rothschild, ein, der damals schon von Neapel nach Frankfurt übergesiedelt war. Die Jungvermählten nahmen ihren Wohnsitz zunächst in dem Zeilpalast, dem jetzigen von Geschäftshäusern umgebenen Altersheim, das von seiner ehemaligen Bewohnerin für diesen Zweck bestimmt wurde. In diesem Hause wurde auch noch die heute in Paris lebende Tochter Baronin Edmond de Rothschild geboren. In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts, als in. Frankfurt eine großzügige Bautätigkeit einsetzte, gehörten auch Freiherr Wilhelm und Freifrau Mathilde v. Rothschild zu den weitblickenden Auftraggebern, die sich draußen vor der Stadt einen von einem großen Park umgebenen Palast, die Grünebürg, mit einem besonders schönen Ausblick auf den Taunus anlegen ließen. Dort verbrachte Freifrau Mathilde v. Rothschild den größten Teil ihres Lebens, allerdings mit vielen Unterbrechungen. So wurde z. B. noch längere Jahre der Zeil- Palast als Winterwohnung .benutzt. Sehr "häufig Avurde auch der _ Frankfurter Wohnsitz mit einem Sommeraufenthalt in Königstein ausgetauscht. Bei solchen Gelegenheiten war die Baronin ein gern gesehener Gast auf Schloß Friedrichshof in Cronberg bei der ehemaligen Kaiserin Friedrich, mit der sie eine innige Freundschaft verband. In Schloß Friedrichshof verkehrten auch die Künstler der Cronberger Kolonie, mit denen auf diese Weise Baronin Mathilde v. Rothschild bekannt wurde. So finden sich in der von Else Schrödl, der Gattin von Norbert Schrödl, aus Briefen und Notizen des Künstlers zusammengestellten Biographie auch einige Angaben über Baron Ferdinand v. Rothschild und dessen Schwester, Baronin Mathilde v. Rothschild, die am Tage nach einem solchen geselligen Beisammensein auf Schloß Friedrichshof im Jahre 1894 den Künsler besuchten. In einer anderen im gleichen Buch enthaltenen Notiz wird ausführlicher über eine Einladung auf Schloß Grüneburg berichtet, bei der die Baronin vieles über die ihr persönlich bekannten bedeutenden Zeitgenossen erzählte. Selbstredend kam dabei auch die Rede auf ihren Lehrer Chopin, und der Bitte ihres Gastes, ein von ihm besonders geschätztes Lied zu spielen, kam die Baronin sofort nach; während des Spieles vergaß sie ihre Umgebung vollständig und vertiefte sich so sehr in die Musik, daß sie lange nicht merkte, wie sehr die Zeit fortschritt, sodaß der Gast sich erst in sehr weit vorgerückter Stunde verabschieden konnte. Diese Beschreibung charakterisiert die besondere Vorliebe für die Musik seitens der Baronin, von der auch eigene kleine Schöpfungen auf diesem Gebiete vorliegen, so z. B. die in verschiedenen Auflagen herausgegebene Komposition des Victor Hugo'schen Gedichtes: „Si vous n'avez rien ä me dire-' und noch manche andere kleine Lieder. Von der großen Wohltätigkeit der Baronin zeugen eine Reihe von Anstalten nicht nur innerhalb Frankfurts, wo sie zur Erinnerung an ihre früh verstorbene älteste Tochtor im Jahre 1870 das Spital für arme erkrankte Israeliten gründete, das im Jahre 1878 von seiner ursprünglichen Stätte am Unterweg in dem eigenen Gebäude am Röderbergweg untergebracht wurde. Den Namen ihrer Mutter hat sie in einer Stiftung für alleinstehende Frauen aller Konfessionen festgehalten; der Name ihres Vaters, der selbst ein begeisterter Kunstfreund war und eine eigene große Sammlung besaß, wurde von ihr durch eine Stipendienstiftung für das Kunstgewerbe verewigt, die so manchem Künstler seine Laufbahn ermöglicht hat. Es können hier nicht alle Stiftungen für Kinder. Bedürftige, Kranke usw. aufgezählt werden, die nicht nur in Frankfurt und in Deutschland, sondern auch außerhalb Europas von Baronin Wilhelm v. Rothschild ihrer Bestimmung übergeben wurden. Die Photographien einer größeren Anzahl dieser Stiftungen wurden in einem von Leo Horovitz künstlerisch ausgestatteten Band zum 80. Geburtstage der Baronin Mathilde v. Rothschild im Jahre 1912 zusammengestellt und haben jetzt in dem von ihr und ihrer Tochter, Baronin Edmond de Rothschild, 1922 in Frankfurt a. M. begründeten Museum die dem Sinn der edlen Stifterin entsprechende Unterkunft gefunden. Das an der Stätte des Privatbüros von Baron Wilhelm und Mayer Carl v. Rothschild befindliche v. Rothschild- Museum, dessen Gründung ganz unter dem Einfluß der pietätvollen Einstellung von Baronin Mathilde v. Rothschild und unter Führung des" unvergeßlichen Herrn Julius Gold- Schmidt zustande gekommen ist, enthält auch bereits einige plastische Wiedergaben der Institute In- und Außereuropas, deren Gründung oder Förderung auf die Initiative der Baronin Mathilde zurückzuführen ist. Es sei hier nur an den kleinen Kalkstein-Kasten erinnert, auf dem das Armenhaus am Berge Zion dargestellt ist, oder an die erst kürzlich von Baronin Edmond de Rothschild geschenkte goldene Medaille mit der Darstellung der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft in der Schützenstraße in Frankfurt a. M. Der besonderen Zuneigung, die Baronin Mathilde v. Rothschild stets für jede Art von Lebensbeschreibung hatte, ist sicher zu einem sehr großen Teil die noch kurz vor ihrem Tode, am 8. März 1924, zustande gekommene Gründung des Museums jüdischer Altertümer und "des damit verbundenen v. Rothschild-Museums zu danken, in dem alles auf die Familie v. Rothschild Bezügliche, Bilder, Briefe usw., eine bleibende Stätte finden soll, damit es hier der Forschung zugänglich gemacht werden kann. Wer von den vielen, die sich anläßlich des 100. Geburtstages dankbar der Gefeierten erinnern, ihr Andenken in ihrem Sinn ganz besonders ehren will, der möge mit zur Vergrößerung der Bestände des von ihr so sehr geschätzten Museums beitragen. Ida Posen Heidenheim und Baschwitz Anläßlich des 100. Todestages von Wolf Heidenheim, dessen in unserer letzten Ausgabe gedacht wurde, verdient auch der Name seines Mitarbeiters Baruch Baschwitz besonderer Erwähnung. In einem Nachruf, der am 18. Oktober 1836 in der Frankfurter „Didaskalia" erschienen ist, heißt es: „Baschwitz unternahm es, seine Geschicklichkeit im typographischen Fache zur Herausgabe orientalischer Werke anzuwenden und zugleich die Arbeiten Heidenheims unter einem gefälligen und geschmackvollen Aeußern zu veröffentlichen. ....... Da die Talente Heidenheims die Anerkennung noch nicht so allgemein gefunden hatten, wie sie ihnen in der Folge zu theil ward, so hatte die neue orientalische Buchhandlung bei allem Beifall der Sachverständigen mit so vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, daß die Compagnie sich 1806 trennte.'- DER VORTEIL im großen Fachgeschäft IST KLAR! Sie kaufen besser und billiger. UHREN u.SCHMUCK ssx SILBER u. BESTECKE lg? TRAURINGE K§l@fefch Reparafurwerkstäffe ^pünDSOHn ZEIL 95 u. TUNGESGASSE 15-17. ^^«^ Warme Küche Senking-Herd Ideales Braten und Backen 1 Ermäßigte Preise! Teilzahlung E. HAGE & co. Am Eschenheimer Tor 3 S3S BKKrSAJUffiTOfF-BÄDER liililis