Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 5 (1.1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 7)
- Language
- German
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109 also einer ein Jude! Nur die Süditaliener kamen in noch größerer Zahl ins Land; zieht man jedoch die große Zahl dar Rückwanderer bei den Süditalienern in Betracht (56 Rückwanderer auf je 100 Einwanderer im Zeitraum seit 1908, für welchen allein Ziffern hierüber vorliegen) und den geringen Prozentsatz der Rückwanderer bei den Juden (nur 5 % der jüdischen Einwanderer kehrten in der gleichen Periode nach Europa zuiiick), so ist der Schluß wohl berechtigt, daß d i e Juden in der amerikanischen Einwanderung der letzten 30 Jahre weitaus an erster Stelle stehen. Wir versuchen im folgenden, die wichtigsten Merkmale dieser jüdischen Einwanderung festzuhalten, und wollen uns dabei bemühen, wo es tunlich scheint, durch Vergleich mit dem Aufbau der Gesamteinwanderung oder der Einwanderung der „WirtsVölker", jener Völker, in deren Nachbarschaft die Juden in Europa leben, auf wichtige Unterschiede aufmerksam zu machen. Wir haben schon bemerkt, daß die jüdische Einwanderung zum allergrößten Teil eine definitive ist — eben die Folge der so geringen Quote von Rückwanderern. Wir fanden 5 % Rückwanderer bei den Juden, aber die entsprechenden Prozentsätze bei den Ruthenen sind 17, bei den Litauern 25, bei den Polen 40, bei den Russen 50, bei den Rumänen 67 — beim Total aller amerikanischen Einwanderer 34 (alle diese Ziffern für 1908—1924). Es ist klar, daß diesem Ueberwiegen der definitiven Einwanderung bei den Juden auch eine eigenartige Zusammensetzung nach Geschlecht, Alter und Familienstand entsprechen muß. Die jüdische Einwanderung ist in viel größerem Maße als die Einwanderung der anderen Völker Familieneinwanderung; daher zeiert sie einen verhältnismäßig starken Anteil von Frauen und Kindern. Dies hat aber wieder* zur Folge, daß der Prozentsatz der Berufstätigen viel geringer ist als beim Rest der Einwanderer. Auch bei der B e r u f s v e r,t e i 1 u n g innerhalb der aktiven Bevölkerung selbst zei<rt die jüdische Einwanderung einen Aufbau, der vom Durchschnitt wie auch von der Berufsgliederung der Wirtsvölker erheblich abweicht. Wir müssen es uns im Rahmen dieses Aufsatzes versagen, eine eingehende Analyse der sozialen und ökonomischen Struktur der Juden in Osteuropa zu geben. Prof. L. Herseh hat diese Aufgabe in seinem schon erwähnten Buche in mustergültiger Weise gelöst, und er hat gezeigt, daß die ungesunde Struktur der osteuropäischen Juden in der Vorkriegszeit (,.Le Juif errant" erschien 1913) die Hauptursache sowohl für die Stärke wie auch für den eigenartigen Aufbau der jüdischen Wanderbewesuncr der letzten 30 Jahre bildet. Hier sei nur bemerkt, daß die jüdische Immigration nach den Vereinigten Staaten, vergleicht man sie mit der anderer Völker, viel mehr Aehnlichkeit mit der Einwanderung westeuropäischer Völker zeisrt als mit der der osteuropäischen, unter denen die Juden vor ihrer Auswanderuns: lebten. Eine kleine Tabelle soll dies deutlicher machen: 1899—1914, in der Zeit vor dem Kriege also, waren von je 100 Einwanderern: Jaden & *? t fc'S ( t. *ü ^2 Polen Litauer Ruthenen Rumänen Total 56 57 60 67 68 69 87 68 44 43 40 33 32 31 1« 32 Unter 14 Jahren ... 24 17 16 10 8 5 4 12 14 - 44 Jahre .... 70 73 73 88 90 92 88 83 Ueber 44 Jahre . . . 6 10 11 2 2 3 8 5 57 60 61 79 82 86 88 74 43 40 39 21 18 14 12 26 Analphabeten unter 100 Erwachsenen 25 7 1 34 48 48 35 26 Qualifizierte Arbeiter unter 100 Berufstätigen 67 35 49 6 7 2 3 20 Die Uebereinstimmung mit der westlichen Einwanderung einerseits, der Gegensatz zur östlichen Einwanderung (und auch zur Gesamteinwanderung) andererseits ist besonders augenfällig beim Geschlechts- und Altersaufbau, wie auch bei der Verteilung von Berufstätigen und Berufslosen. Analphabeten gab es unter den Juden weniger als unter den Völkern Osteuropas; doch bleibt der Prozentsatz der jüdischen Analphabeten noch immer erheblich höher als der der Franzosen, Engländer und anderer Völker Nord- und Westeuropas. Was schließlich die einzelnen Berufe selbst anbelangt, sehen wir in der obigen Tabelle zunächst das starke Ueberwiegen qualifizierter Arbeiter bei den jüdischen Berufstätigen. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Juden von allen anderen Völkern, die nach den Vereinigten Staaten kamen. Während zwei Drittel aller berufstätigen Juden in jener Periode (seit 1914 hat sich die Zusammensetzung der jüdischen Einwanderung allerdings teilweise geändert) qualifizierte Arbeiter waren, war es nur die Hälfte aller berufstätigen Engländer, nur ein Drittel bei den Franzosen; und wenn wir gar mit den Völkern Osteuropas zu vergleichen beginnen, wird der Unterschied enorm. Polen, Litauer, Ruthenen und Rumänen, die hauptsächlich landwirtschaftliches Proletariat nach Amerika schickten, hatten einen Prozentsatz qualifizierter Arbeiter, der durchschnittlich 4—5 pro 100 Aktive betrug. Bei den Juden hingegen fehlt das landwirtschaftliche Proletariat; das Hauptkontingent unter den Berufstätigen stellen bei ihnen Schneider und andere Angehörige der Bekleidungsindustrie einerseits, kleine Kaufleute, „Luftmenschen" andererseits. (Vergleiche hierzu Hersch, a. a. O., S. 160 ff.) Während des Weltkrieges und in den ersten Nachkriegsjahren war die Einwanderung der Juden nach den Vereinigten Staaten absolut, aber auch relativ, im Verhältnis zur Gesamteinwanderung, sehr gering. Sie erreichte noch einmal beträchtliche Höhe in den Jahren 1921—24, um dann infolge der amerikanischen Einwand erungsbeschränkungen plötzlich abzubrechen. Wohl hat sich die Lage der russischen Juden nach der Revolution srebessert. der „Ansiecllungsrayon" ist aufgehoben (die jüdische Einwohnerschaft stieg zwischen 1897 und 1926 in Moskau von 8743 auf 131 244. in Leningrad von 20 484 auf 84 480 — vgl. Rnppin, a. a. O., S. 162), die Juden in der Landwirtschaft Rußlands stiesren von 53 000 im Jahre 1914 auf 130 000 im Jahre 1925 (Statesman Yearbook 1926, S. 214); dennoch zeigen die amerikanischen Einwanderungsziffern vor der Quoten-Einführung durch Präsident Harding im Jahre 1921, wie ungeheuer stark der jahrelang zurückgehaltene Auswanderungsdrang bei den osteuropäischen Juden nach dem Kriege war. Da aber in weiteren Gesetzen die Einwanderumrsbestimmungen noch mehr verschärft wurden, ist seit einigen Jahren die jüdische Einwanderung in die Vereinigten Staaten tatsächlich zum Stillstand gekommen. HI. Palästina Auch Palästina ist vom Standpunkt der jüdischen Wanderbewegung interessant. Nicht durch die absoluten Zahlen; denn während von 1880 bis heute mindestens 2%, wahrscheinlich 2% Millionen Juden in die Vereinigten Staaten kamen, betrug die Zahl der nach Palästina eingewanderten Juden in der gleichen Periode nur 150 000—160 000 (nach verschiedenen Angaben und Schätzungen berechnet), von denen 50 000, ein Drittel also, das Land im Laufe der Zeit wieder verließen. Aber in Palästina soll nach den Bestimmungen der B a 1 f o u r - Deklaration vom 2. November 1917 eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk entstehen. Obwohl nun Palästina von Haus aus nicht für eine großzücrisre europäische Immigration treeurnet ist. kamen im Laufe der letzten Jahre Tau3ende von Juden ins Land. (Es muß hervorgehoben werden, daß die Palästina-Einwanderung zu 9./io jüdisch ist.) Vielfach sind die Hindernisse, die zu überwinden sind: Das Klima Palästinas ist von dem Klima Osteuropas, woher fast % der Einwanderer stammen, grundverschieden; ehemalige Intellektuelle, Studenten, Angestellte, Kaufleute usw. sollen in einem ihnen sranz neuen Milieu die schwersten manuellen Arbeiten verrichten; Palästina ist. zumindest heute noch, weder in der Landwirtschaft, noch in C1er — übrigens erst im Entstehen begriffenen — Industrie imstande, seine wachsende Bevölkerung selbst zu ernähren: der Boden verlangt sehr harte Arbeit, Urmaterialien fehlen, so daß auch die' Zukunftsaussichten für die landwirtschaft- * TÄdelgefüh». Blutandrang, Atemnot, 5?w,?a"?r.en bedeuten Verdauungsbeschwerden ° Art^-v-^ssrs ^T^^f-Z^ üisartE££S H_ bÄ«ÄÄ ■ 1™V sat., Viscum °l^fÄrbae olpinae r Nur in taeg. oxyaC 11. f ,n,9J£dl erpr0bt). ■Apotheken {-rz{?ich begutachtet, khnnd» erp ■ « ——Ausführt. Broschüre durch diel Ipharm. Abteiig. Galactina,! 3. m. b. H., Obermainanlagel Ar. 13, Frankfurt/M. |