Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 5 (1.1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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FRANKFURTER ISRAELITISCHES GEMEINDEBLATT Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblatt erscheint monatlich und wird den Gemeindemitgliedern unentgeltlich durch die Post zugestellt. — Preis der Einzel nummer 50 Pfg. — Anzeigen nach Tarif. — Schriftleitung und Anzeigenverwaltung: Gemeindehaus, Fahrgasse 146. Fernsprecher: Sammelnummer Hansa 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 33521. Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblatts nur die pretfgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet. 10. Jahrgang Frankfurt a. M., Januar 1932 Nr. 5 Zum zehnten Todestag Rabbiner Nobels 24. Tebet / 3. Januar 1932 Zwei tinveröffentlichte Psalm- Uebertragungen von N. A. Nobel Psalm 23 Der Ewige ist mein Hirle. Ich ermangle nichts. Auf grünender Au lässt er mich lagern. An die Wasser der Ruhe leitet er mich. Meine Seel erquicket er. Er leitet mich auf den Pfaden des Rechten um seines Namen willen. Ob ich auch wandere im todesumschalteten Tal, ich fürchte nicht das Leid, so Du nur bei mir bist: Dein Stab und deine Stütze, sie sind mir Tröster. Du ordnest den Tisch vor mir im Angesichte meiner Widersacher Du salbest mit Oel mein Haupt: Mein Becher slrömet über. Ja, Heil und Gnade geleiten alle Tage meines Lebens, und ich kelire zurück in das Haus Golles für die Ewigkeit. Psalm 42 Wie das Reh sich dürstend sehnet nach quillendem Wasser, so schreiet in Sehnsucht meine Seele nach Gott. Ach, was dürstet meine Seele nach Gotl, der Kraft alles Lebens! Wann schreite ich, wann schaue ich, göttliches Gesicht. Mein Brot belaute bitterer Tränen Flut vom lichtvollen Tage bis zu dunkelnder Nacht, so lange der Zweifel Tag um Tag mich umklang: Wo ist Dein Gott. Erinnerung was weckst Du meiner Seele tiefverborgene Quellen, wie ich einherschritt und Schreiten ausrief als Losung über die festlich gegürtete Schar bis zu festlicher Wallfahrt ragendem Ziele: Dem Goltestempel, jubelumspielt liedergekrönt. Was beugst Du Dich, meine Seele, was wogst Du in mir wie aus Meerestiefen? Harre des Ewigen denn noch soll dein Dankespsalm sein heil volles Antlitz umschauern. Mein Gott, Demut neigt die Seele zu Boden mir darum eilt mein Gedenken zu Dir aus der Niederung jardenumrauschter Ufer von des Hermon sanft klimmenden Höhen. Dort hallen abgrundlief die Klüfte wider vom Donner schäumender Flut: Dort eilt geschwätzig Welle auf Welle mir vorbei. Dort entführte der strahlende Tag den Einsamen auf Schwingen der Huld, das Dunkel der Nacht lies» mich sein Lied vernehmen Und mein Gebet umwebte Tag und Nacht. Herr, mein Fels Du kannst mein nicht vergessen. Soll ferner Drangsal mein Geleiter sein und Feindesdruck? Soll ferner tief in meiner Wunden Schmerz wie kaller Stahl sich bohren des Feindes Ruf: Wo ist Dein Golt? Was beugst Du Dich, meine Seele, was wogst Du in mir wie aus Meerestiefen? Harre des Ewigen! Denn noch soll Dein Dankespsalm sein heilvolles Antlitz umschaue rn. Jüdische Kult- und Kunstdenkmäier im Rheinland Von Erich Toeplitz Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz hat aus Anlaß der Jahrtausendfeier der Rheinlande eine umfangreiche Publikation „Aus der G e s c.h i c h t e der Juden im Rheinland" erscheinen lassen (Verlag L. Schwann, Düsseldorf 1931), die von Dr. Adolf Kober, dem als Historiker rühmlichst bekannten Kölner Rabbiner, und Dr. Elisabeth Moses, städt. Museumsbeamtin in Köln, bearbeitet ist und der einmaligen Schaustellung ein bleibendes literarisches Denkmal setzt. Das schön ausgestattete Werk, für das den Herausgebern der Dank der wissenschaftlichen Welt, aber besonders auch der deutschen Juden gebührt, gibt einen überaus lehrreichen Querschnitt durch die Lebensverhältnisse der rheinischen Juden und zeigt,- ohne jede apologetische Absicht, ihre starke Verwurzelung mit dem Boden und der Kunst ihrer Heimat. Inhaltlich ließe sich zu den Ausführungen der Bearbeiter sehr vieles sagen, doch sollen hier nur einige Stichproben aus dem aufschlußreichen Bildmaterial des Buches herausgehoben und mit kurzen Erläuterungen versehen werden. (Für die freundliche Ueberlassung der Klischees sei dem Verlag besonders gedankt.) Grabstein aus Worms. (S. 9) Die Schriftplatte, durch Vertiefung gegen Witterungseinflüsse geschützt, zeigt eine wohlabgewogene Quadratschrift mit Betonung der Wagerechten und schon leicht zum Schrägen neigenden Senkrechten. In der Bearbeitung des Steins als Schreibfläche weisen die Abweichungen von der Linie öfter Mängel auf. Die Vertiefung der Inschriftfläche im oberen Ende als Bekrönung ausgebildet, deren Formwille dem der Schrift etwa entspricht. Die gelesene Jahreszahl 1298 entspricht diesen Merkmalen, die man als Uebergang zwischen Romanik und Gotik bezeichnet. Man •beachte die Wirkung der bandartigen Einfassung der Vertiefung. Mit schlichtesten Mitteln ist hier größte Wirkung erzielt. (Unteres Ende nicht erhalten.) Synagoge in Worms. (S. 114) Der hier abgebildete derzeitige Erhaltungszustand ist nicht ursprünglich, insbesondere gilt dies für die Dachpartien und den Eingang, dessen vollständiger Erhaltungszustand aus einer der früheren Epochen auf S. 108 wiedergegeben ist. Dort und in Einzelaufnahme S. 111 ist das beachtliche Portal besser zu erkennen. Der hier gezeigte Eindruck etwa heute beim Zugang von der Straße her sichtbar, hoher Querbati des Männerraums mit der niedrigen Raschikapelle als kleiner Anbau; der rechtwinklig angeschlossene höhere Anbau ist die Frauenschule. Durch die beiden ergänzenden Bilder S. 109 wird der unklare Gesamteindruck ergänzt, die zeitliche Verschiedenheit beider Synagogenteile ist