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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-12-01 · 4 (12.1931) · page 36

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
4 (12.1931)
Date
1931-12-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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16 Synagogen: Die Mädchen erhalten — in höherem Alter als die Jungen — ein Jahr lang vom Rabbiner Unterricht. Auf diese Weise bedeuten die sechs Monate Unterricht in wertvollem,. ideellem Lebensgut eine wichtige Zeit für die religiöse Entwicklung "des jungen Menschen, und der Begriff des Bar Mizwo, Sohn ,;der Pflicht", findet einen neuen Inhalt. Wenn für viele junge Menschen der Barmizwo-Tag nicht >zu einer ' leeren Sitte werden soll, dann muß auch hier:dem alten und zeitlosen Sinn eine neue, unserer Zeit gemäße Aufgabe zur Seite treten. ' : * Rene Metz. Beispiele jüdischer Jugendpolitik p. Mannheim) *) Die folgenden Ausführungen decken sich im großen und ganzen mit einem Teil des Referats, das bei der ersten Zusammenkunft der jüdisdien Sozialarbeiter in Seesen a. Harz gehalten wurde. (Das gesamte Referat findet sidi in der Zeitschrift „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik", Berlin 1951, Februar.) Der Versuch einer „Planwirtschaft" liegt in der Mannheimer Gemeinde vor. Planvoll — das bedeutet die Konzentration a'ler fürsorgerischen Maßnahmen in der Gemeinde, die Zu sammenarbeit von Arbeitgebern und . Wohlfahrtsannt, von Vereinen und Gemeinde in der . Weise, daß die Gemeinde die Führung hat, ohne daß die anderen Instanzen -die Lust zur Initiative verlieren. Ein solches Beginnen setzt natürlich die unablässige Erziehung der Gesamtgemeinde zum Gemeindegedanken voraus. ' Danach sieht die Jugendfürsorge innerhalb der Gemeinde folgendermaßen aus: Das Kleinkind erfährt, sofern die häuslichen Verhältnisse es .nötig machen, tagsüber Verwahrung, Betreuung und Ernährung in der sogenannten Kinderstube (Verein), die also eine Art Gemeindekindergarten darstellt. Das Waisenhaus (Verein) übernimmt die, Erziehung derer, die keine Eltern haben bzw. solcher Kinder, deren Erziehung von Vater oder Mutter nicht wahrgenommen' werden kann. Die wirtschaftliche Ausrüstung und Förderung derer, die ein Handwerk erlernen', läßt sich ein Verein zur Förderung des Handwerks angelegen sein. Lehrlinge, die -kein Heim haben oder unter besonders erschwerten Bedingungen leben, werden von der Gemeinde im Lehrlingsheim (Familienerziehung) untergebracht. An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, daß die Gemeinde mit durchaus positivem Erfolge sich bemüht, an die Jugendlichen, die aus anderen Städten, vor allem vom Lande in die Stadt strömen,-«, heranzukommen, sie Bünden zuzuführen, sie einzugemeinden. Zu diesem Zweck ist das Jugendamt vor allem an die Lehrer der Landgemeinden herangetreten mit der Bitte, Zuzug Jugendlicher nach Mannheim zu melden. Aber auch die Arbeitgeber stellen sich zum Teil diesem Ermittlungsdienst zur Verfügung. Die Bünde und Vereine (Haschomer, Jung-jüdischer Wanderbund, Kameraden, Kadimah, Jugendgemeinde, Arbeitsgemeinschaft — neutraler Jugendbund —, Bar Kochba, zusammen etwa 550 Organisierte) sind im Ring der jüdischen Jugend zusammengeschlossen. Nicht nur ihr Heim, — es sind, da das Heim nicht ausreichte, weitere Räume durch die Gemeinde zur Verfügung gestellt und für die Jugend hergerichtet wor-_ den —: sondern auch ihr gesamter Etat wird von der Gemeinde getragen, aus dem Gesichtspunkt heraus, daß alles, wie immer differenzierte Jugendleben in der Gemeinde einen Teil des Gemeindelebens bildet, daß ein sachlich-erfolgreiches Jugendleben für die Gesaimtgemeinde von Bedeutung ist, daß schließlich die Gemeinde ein Stück ihres Selbst aufgibt, wenn sie auf die -Initiative der Jugendarbeit gegenüber verzichtet. Die Richtigkeit dieser Einstellung ist oft bestätigt worden, bei' , künstlerischen Veranstaltungen Avie bei der Gründung des Lehrhauses, dessen Stamm, dessen treueste Gefolgschaft die organisierte Jugend bildet. Daß eine beträchtliche Geldsumme für Fahrtenzuschüsse der Bünde verwandt wird, entspricht der Einsicht, daß für viele Jugendliche die Wochenend- und Ferienfahrten den Charakter der Erholungsfürsorge haben. Die Verbindung der Bünde mit der Gemeinde wird durch die Jugendgemeinde bewerkstelligt, deren Führer zugleich der Leiter des Rings ist. Ihr Bildungsprogramm kann hier beiseite bleiben. Ihr praktisches Programm wechselt je nach den Aufgaben der Gesamtgemeinde. Sie hat vor allem die Aufgabe, die Kontinuität der Jugendarbeit, in Mannheim sicherzustellen, alle produktiven Kräfte, Menschen dieser Arbeit zuzuführen, immer aufs neue zu versuchen, der. nichtorganisierten Jugend den Anteil am Gemeindeleben zu ermöglichen. Sie versucht weiterhin, dem Jugendring einen Inhalt zu geben. So werden im kommenden Winter für die gesamte Jugend praktische und . theoretische Vorträge über synagogale Musik stattfinden. —■ Als Führer der Jugendgemeinde betätigen sich unter anderen zwei Rabbiner, zwei ReMgionslehrer und zwei Mitarbeiterinnen des Wohlfahrtsamtes. Durch die Einordnung schwer erziehbarer, vernachlässigter Kinder sucht sie auf ihre Weise, d. h. auf eine recht unbetonte Art und Weise, der Fürsorgearbeit <der Gemeinde zu Hilfe zu kommen. Die jugendfürsorgerische Arbeit der Gemeinde selbst erfolgt auf drei Gebieten: 1. auf dem Gebiet der Arbeitsbeschaffung, Stellenvermittlung, Berufsförderung (Stipendienverein), 2. in einer ausgedehnten Erholungsfürisorge, 3. in der Jugendberatung, die in Anlehnung an die Gemeinde erfolgend, von der Leiterin des Wohlfahrtsamts, «inem Arzt, einem Rechtsanwalt und einem Rabbiner ausgeübt wird. Rabbiner Dr. Max Grünewald. Die Jugendkommission veranstaltete am 10. November im Jugendheim die 1. öffentliche - Jugendversammlung. Ueber das Thema „Jugend und Gemeinde" referierten Dr. Josef Frank, Dr. Hugo Hoff mann, Kurt Löwenstein; eine ausgedehnte Diskussion schloß sich an. Wenn auch vielfach die Auseinandersetzung sich in seit' alters vorgefahi enen Bahnen bewegte und eine gemeinsame Haltung der jungen Generation sich nicht schlüssig heraushob, so muß doch dieser erste Versuch als aussichtsreich bezeichnet werden. Es wird dieser Weg der Aussprache, Klärung und damit der engeren Fühlungnahme, und zwar mit konkreterer Themenstellung, weiter verfolgt werden. Die Jugendkommission lädt Alle ein zur 2. öffentlichen Jugendversammlung. Thema: »Die jüdische Schule" Referenten: Dr. Ernst Freimarin, Dr. Karl Guggenheim. Zeit, Ort: Jugendheim, Esdiersheimer Ldstr. 65 Montag, 14. Dezember, 20.45 Uhr. Sohluss der Beilage. Verantwortlich für die Schriftleitung der Beilage: Ernst Holzer in Frankfurt a. M.

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