Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 4 (12.1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 86 (sequence 12)
- Language
- German
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86 Volkshilfe", in deren Vorstand die Jüdische Wohlfahrtspflege vertreten ist, eine allgemeine Sammlung organisiert hat. deren Ertrag auch jüdischen Bedürftigen zugute kommen wird. Der Hilferuf, der im Verlauf der Notstandsmaßnahmen zugunsten der Jüdischen Wohlfahrtspflege durch das Gemeindeblatt versandt worden ist, hatte guten Erfolg. Dank allseitiger Bemühungen in der Presse, von der Kanzel und nicht zuletzt im Kreise der Frauen, denen an dieser Stelle besonderer Dank ausgesprochen wird, ist es gelungen, das augenblickliche Defizit zu decken. Weiterhin besteht die-begründete Aussicht, der Wohlfahrtspflege Teile eines zurzeit festliegenden Vereinsvermögens dadurch zuzuführen, daß mit Zustimmung des Regierungspräsidenten im Wege einer Statutenänderung des betreffenden Vereins, der auch der Gemeindevorstand zugestimmt hat, Mittel für die Jüdische Wohlfahrtspflege freigemacht werden können. Der Vorstandsvertreter gibt im Verlauf seiner Ausführungen einige Ziffern über die Wirksamkeit dieser Organisation, aus denen hervorgeht, daß im vorigen Jahr rund 50 000 Rm. für Mietbeiträge und zur Einlösung von verpfändeten Kleidungsstücken ausgegeben worden sind. In diesem Jahr können angesichts der Mindereinnahmen und der stark reduzierten Beihilfe der Gemeinde derartige Summen nicht annähernd ausgegeben werden. Doch wird bei allen Maßnahmen der Wohlfahrtspflege im Auge behalten, daß für die Hilfsbedürftigen und besonders für die Erwerbslosen aller Kreise jede mögliche Erleichterung zu versuchen ist. Zur Prüfung der Fragen betr. Gründung und Aufrechterhaltung von Mittelstandsexistenzen und der Berufsberatung und Arbeitsvermittlung hat die Gemeindeverwaltung eine besondere Kommission eingesetzt, welche in längeren Beratungen die bestehenden Probleme behandelt und Leitsätze zu ihrer Bekämpfung aufgestellt hat; diese Leitsätze liegen vor. Es wird versucht werden, der Jüdischen Leihkasse, die gut und segensreich arbeitet — sie hat im Vorjahr 209 Darlehen im Betrag von 56 350 Rm. ausgegeben —, falls erforderlich, eine Vergrößerung ihres Ausleihefonds möglich zu machen. Die hierfür erforderlichen Mittel sollen, wenn möglich, in der Weise beschafft werden, daß unproduktiv festliegende Geldbeträge bei nicht mehr arbeitenden Stiftungen erfaßt und flüssig gemacht werden. Eine Enquete hierüber i?t im Gange. Dem Verein Berufsberatung und Arbeitsnachweis wird durch Bereitstellung von Räumen in dem Hause Eschersheimer Landstraße 65 eine Teilung seiner Stellenvermittlung möglich gemacht, durch die. es denjenigen Stellesuchenden, welchen der Besuch des Hauseö Langestraße 30 aus psychologischen Gründen bisher widerstrebte, ermöglicht wird, die Vermittlungstätigkeit des Arbeitsnachweises mehr als bisher in Anspruch zu nehmen. Für die in 33 Organisationen zersplitterte Jugend ist eine Verbindung in der Jugendkommission, in welcher die Jugendvertreter einen starken Einfluß haben, geschaffen worden. Der größte Teil der Räume des Hauses Eschersheimer Landstraße 65 ist den Jugendbünden zur Verfügung gestellt. Es steht zu hoffen, daß Arterien- Verkalkung Herz ^^Jisssixs^iä^ r'ÄTU anerkannt beste Das ärztlich m lässigste Mittel »st Ois arterort Ein reines Pflanzenpräparat aus: Allium sativum — Viscum album Equisetum arv. Crataegus oxyac. in wohlschmeckender Trockenform. — Originaldosen nur in Apotheken erhältlich. Kostenlose ausfuhr) Broschüre durch. Pharm Abtig. Galactina GmbH. 15. ObermaitiB^acje. Frankfurt/!.! eine Annäherung von jung und alt erzielt und die Jugend stärker als bisher an die Aufgaben der Gemeinde herangeführt wird. Die Jüdische Wohlfahrtspflege ist gemeinschaftlich mit der Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes und der Weiblichen Fürsorge im Begriff, in dem früheren Krankenhaus, Königswarterstraße 26, eine Wärmehalle zu eröffnen, um den zahlreichen Bedürftigen tagsüber die Möglichkeit zu geben, sich in einem einfachen aber geheizten Raum, der auch mit guter. Lektüre und mit Spielen versehen werden soll, geistig anregend zu beschäftigen. Kurzum, es wird trotz schwerster Sorge um die finanzielle Aufrechterhaltung der Wohlfahrtspflege und ihrer einzelnen Abteilungen — die Wichtigkeit z.B. der Kinderfürsorge im Interesse des Nachwuchses der Gemeinde wird vom Berichterstatter besonders hervorgehoben — versucht, den augenblicklichen Notständen, so gut es immer geht, zu begegnen. Als Ausbau der erwähnten Wärmehalle ist von der Kommission für soziale Fürsorge die Schaffung einer Toynbeehalle beantragt, welche von dem Gedanken ausgehend, daß den Annen nicht nur Brot, sondern auch geistige Nahrung gereicht werden müsse, von größter Wichtigkeit für die Aufrechterhaltung des Zusammenhangs gerade der Bedürftigen mit der Gemeinde angesehen wird und die auch kurz vor dem Krieg, hier schon einmal existiert hat und in anderen Großstädten (Berlin, Hamburg, Wien usw.) segensreich wirkt. Herr Bloch knüpft an seine Ausführungen die Aufforderung, die jüdische Oeffentlichkeit möge ihre sozialen Verpflichtungen als höchste ethische Forderung bis an die Grenze des Möglichen erfüllen. Aus dieser Forderung heraus ergebe sich auch die Notwendigkeit einer Reorganisation der Kommission für soziale Fürsorge im Sinne einer Antriebskraft auf sozialpolitischem Gebiet. An den Bericht des Vorstandsvertreters knüpft sich eine längere Diskussion, in welcher die Herren Rechsanwalt Simon, Dr. Arnsberg, Justizrat Dr. Blau, Sanitätsrat Dr. Ettlinger, Dr. Geiger, Frau Johanna Baer, Dr. Mankiewicz, Direktor Eduard Oppenheim und Dr. Grünebaum zu Einzelfragen hauptsächlich auf dem Gebiet des Arbeitsnachweiswesens, der Berufsumschichtung und der Darlehensbeschaffung Stellung nehmen. Nachdem der Vorsitzende schließlich den 14. November als Eröffnungstermin der wieder ins Leben gerufenen Jüdischen Toynbeehalle bekanntgegeben hatte, wurde den Vorlagen des Vorstandes mit Dank an den Vorstandsdezernenten für die Angelegenheiten der sozialen Fürsorge zugestimmt. Außerdem beschloß die Gemeindevertretung, den Vorstand um Maßnahmen im Sinne einer Zusammenfassung der verschiedenen Arbeitsnachweise und der Bildung eines Wirtschaftsbeirats zu ersuchen. Im Anschluß hieran wurde ein Schriftwechsel mit dem Israelitischen Metzgergesellenverein E. V. in der Angelegenheit der Beschäftigung jüdischer Gehilfen in den unter Ritualaufsicht stehenden Metzgereien verlesen und zur Kenntnis genommen. Es folgte eine nichtöffentliche Sitzung, in welcher Personalangelegenheiten und die Finanzlage des Vereins Israelitische Religionsschule E. V. erörtert wurden. Literarische Rundschau J. Höxter, Qu-ellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur. V. Teil. J. Kauffmann, Verl Frankfurt a. M. 1930. 169 S. geb. RM 1.80. — Die Frankfurter" Gemeinde darf stolz darauf sein, daß einer ihrer Religionslehrer dieses in der Hand des Lehrers und des Schülerrs gleichermaßen wertvolle Hilfsmittel für den Religionsunterricht geschaffen hat. Für die neueste Zeit ist die Auswahl geeigneter Stücke angesichts des vielfältigen und zeitlich nahen Materials schwieriger als für die vergangenen Jahrhunderte. Je nach Einstellung wird man über die Aufnahme oder Weglassuug im einzelnen verschiedener Meinung sein können. So könnte man sich an Stelle des für den Dreyfus-Prozeß ausgewählten Stückes sehr wohl charakteristischere und auch wichtigere Dokumente zur „Affaire" denken, etwa den Anklagebrief von EmÜe Zola. Neben den kulturellen und politischen Dokumenten kommen die soziologischen zu kurz: der Band enthält keinerlei statistisches Material, weder über die Juden in der Welt, noch über die Verhältnisse in Deutschland, insbesondere auch nicht über