Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-11-01 · 3 (11.1931) · page 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
3 (11.1931)
Date
1931-11-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3094266-3094373-3094376--3030-3097790
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

12 «dien - Schule als die einzig mögliche zu betrachten. Aber, muss man sich nicht entscheidend Jeder für sidi gewiss — aber einer für alle? Da die jüdische Schule nicht die einzig mögliche Lösung ist, so wäre es "falsch, den Anspruch zu er-: lieben, dass alle jüdisdien Eitern ihre Kinder in die jüdische Schule schicken müssten. Da sie aber zugleich eine mögliche Lösuug ist, so soll man sie denen,,die sie bevorzugen, schaffen und erhalten, solange und so gut es geht. Kann, man es dann 'verantworten, aus den Steuern aller Gemeindemitglieder eine Institution zu erhalten, die - nur einem Teil dient? Ja, das kann man verantworten, denn es steht mit all .unseren Institutionen so — auch mit dein Gottesdienst \—- und jnit denenaller öffentlichen Körperschaften- (Schulen und Universitäten, Schwimmbäder, und Krankenhäuser, Notsiandsküchen und. Wärmehallen). Eine wohlbegründete Entsdieidungfür oder wider die jüdische Schule gibt es nicht ein für alle Mal; möglich ist sie "nur von Fall zu Fall. Franz Wolf" - - N a ei s c h r if t zur -Information des Lesers: Der Verfasser hat sich als Mitglied der Gemeindevertretung bisher immer nach Xräften für die Erhaltung, des Philanthropie eingesetzt. - Nationalistisch? Ein Nachwort zu dem Artikel „Rote As I. Man-muss kein „roter Assimilant" sein, um die riditige Diagnose „Krise der Religion" anzuerkennen. Eine grosse Zahl bewusster Juden— von den Indifferenten ^tr- . nicht zu reden — wird heute von der religiösen Forderung - nicht mehr innerlich bewegt. Das hat mit den äusseren wirischaf thehen Schwierigkeiten der Religionsausübung ebenso we- ' nig zu tun, wie mit dem Anwachsen judenfeindlicher Strömungen. Hier ist nur die Rede von der inneren, d.~ h. geistigen .Krise. Diese geistige Krise ist mehrfach erklärbar. Einstmals, als mit dem Absterben jüdischer Staatlichkeit das Judentum in Jahne sich einen neuen „portativen" Judenstaat schuf mit dem jüdischen Gesetz und,den.Talmud als Verfassung, da war das Judentum eine geistige Macht, dessen Parolen, als ^revolutionärer Protest gegen die geistige wirtschaftliche, moralisdie und soziale Struktur der Umwelt aufzufassen waren. Man denke an die besondere Wirt- . schalt s m o r al dieser Juden. Hier wurde nurdistanziert das System der Sklaverei akzeptiert. Innerlich wurde es abgelehnt, ja der Sklave, welcher auf "seine Freilassung verzichtete, wurde der öffentlichen Verachtung durch ein Schandmal ausgesetzt. Man denke an die Beschränkung des Erbrechts, die Versittlichung des Eigentums und die bodenreformerisdien Massnahmen durch das Schmitta- und Jowel- Jahr. Man denke an die besondere ethische Haltung des jüdischen Volkes, seine Einstellung zu dem Problem Frau.« Man vergesse auch nicht die besondere jüdische Lösung des Welträtsels — inmitten einer orientalischen Sinnenwelt — die damals schon den reinsten Theismus von der-abstrakten Einzigkeit einer höchsten-Urgewalt proklamierte. , Man kann nicht bestreiten; dass diese jüdische Lebensart in -einem selten starken Masse sich durchgesetzt hat. An dieser Judaisierung der Welt muss man bei objektiver Wertung sogar dem paulinisdien Christentum einen gehörigen Anteil zuerkennen. Die jüdische Revolution hatte sich in grandiosem Masse durchgesetzt, die revolutionäre Spannung war durch Erfüllung der Postulate gewaltig entladen. Die heutige Krise der Religion ist für uns Juden nichts anderes als eine sichtbare „Restaurations"-Episode der jüdischen Revolution. Dass dies heute erst sichtbar wird, hat seinen Grund in der technisdien "Isolierung der Juden in den letzten Jahrhunderten, welche zu einer Prolongation der „Restauration" führen musste. Gegenüber der gewaltigen ^Spannung der jüdischen Frühzeit mutet das, was an Werten als spezifisch jüdisch übrig geblieben ist, wie eine scholastische Kasuistik an. Dazu kommt, dass auch die jüdische Religion sich sehr dem Beispiel anderer Religionen angepasst hat, die Lösung so vieler Fragen in das „Jenseits" zu verlegen. Der aktuelle jüdische Protest gegen den Status quo ist spiritualisiert-und in die ungefährliche Transzendenz abgesdioben worden. Das protestieren« Jr Judentum wurde opportunistisch und seine Xosungen sind vielfach „ideologiehaft" und damit ein Anhängsel des gegenwärtigen Systems geworden. Demgegenüber ist die R e g.e n e r a t i o n dieses Judentums» zu proklamieren. Die Schwädieperiode der jüdischen „Restauration" muss durch eine neue jüdische Integration überwunden werden. Damit beginnt die Welle der zweiten jüdischen Revolution. TL Das erkennen auch die „roten Assianilanten". Mit der falschen Begründung, als ob dies alles mit dem Vordringen der exakten Wissenschaften erklärt werde könnte. Der Exzess eines ausschweifenden Rationalismus ist aber doch längst überwunden. Mit der weiterhin falschen Begründung, als ob erst für si e der Mensch-als Mittelpunkt entdeckt worden wäre. Für das jüdisdie Weltbild sind Erde und Mensch Synonyme: Adama-Adam. Auf der Suche nadi neuen Inhalten kommt man dann zu einem neuen Judentum, welches nichts anderes als die Funktion einer Avantgarde jeweilig als modern empfundener Strömungen Jimilation" in der September-Nummer auszuüben hat. Vor hundert Jahrengingen die wertvollsten Kräfte dem Judentum verloren, um Dünger auf dem Kulturboden Europas zü werden. Wäre das Judentum nodi vorhanden, wenn alle so .gehandelt hätten? Mittelbar sollen diese Deserteure dem. Judentum, „hundertfach'* zu Gute gekommen sein. (Und'-Friedr. Julius Stahl,mit seiner „Gründlage christlicher Weltanschauung"?) Hätten alle 'sidi in „Dünger" umgewandelt, wem hätten sie dann nutzen kön-;. . nen? Wohl nur einer historischen Erinnerung^ an ein einst-:: maLs gewesenes Judenvolk. Alle^diese „roten Assimilanteß?' - haben die Position des Judentums nicht mittelbar gestärkt, sondern unmittelbar geschwächt. Sie haben den Beginn der zweiten - jüdischen Revolution verzögert. "„ - - Trotz aller Komplimente vor dem jüdischen „Bewusst- ' sein", 'dem „Erbe -iin Blut" und der „Seele, des Judentums" wird von diesem Kreise als höhere Aufgabe der Kampf fürden S o z i a 1 i s m u s in den Vordergrund - -gestellt. Das heisst:. trotz Anerkennung der ethnischen und psychologischen ' Gemeinsdiaft aller Juden wird diese Gemeinschaft gesprengt.' Der Sinn einer jüdischen Geschichte wird bana-r lisiert ziu der Lösung einer tagespolitischen Frage; aber weder dieser banale Sinn,;noch ein „neues Judentum"7 (wel-:: . dies?) können verwirklicht werden, da die.Träger einer derartigen Verwirklichung fehlen werden. Und wie ist es erst mit den -zukünftigen jüdischen Zielsetzungen? Damit rückt das Problem der. jüdischen Substanzerhaltung — der Existenz des jüdischen Volkskörpers, in das Zentrum aller weiteren Ueberlegungen. m. . Der Beginn der zweiten jüdischen Revolution ist durdi den dialektischen Umsturz der bisherigen jüdisdien Position : gekennzeidinet. Wir wissen, dass die jüdische Entwicklung gekennzeichnet ist durch die ständige Antinomie von N a tionalismus und U ni ve r s a l ism u s. Dieser Widerstreit der theokratisdien mit der. säkularen Auffassung des Judentums zeigt sich in dem Streit um den nationalen Typus selbst. Bis Jabne gingen wir den Weg der Volkswerdung — es war die säkulare Periode. Der säkulare Volks werdungsprozess endigte mit dem dialektischen Umschlag einer vollständigen Vergeistig u n g des nationalen Seins. Jetzt wurden'die während der Volkswerdung angehäuften Kul- ' turkräfte universell wirksam; die körperliche Existenz blieb' dabei durch die Autorität des Gesetzes gewährleistet. Heute aber erkennen wir die dialektische Phase, in der auch diese „spirituelle" Antithese umschlägt. Die geistige Spannung des Judentums ist durch die Judaisierung der Welt entladen und keine spirituelle Autorität bürgt mehr für die Existenz des jüdischen'Volkskörpers. . - Der jüdisdie Geist erfordert wieder eine neue gesunde Körperlichkeit, "eine Rückkehr zur naturhäften Basis - des körperlichen Lebens — um neu geistig potent zu werden. Wir erkennen den Weg, der vom säkularen Volkstum über die spirituelle Existenz des einzigartigen Volkes zur höheren Synthese eines „totalen" Nationalismus führt, der die europäischen Kulturwerte nicht 'Unberücksichtigt lassenwird.. Wir wissen nun, dass die jüdische Zukunft nur verbürgt est, wenn wir „1 i k e all na t i o ns" den Weg zur Normalisie-; rung unseres nationalen Daseins gehen. Wehn dagegen einr gewendet wird, dies sei „nationalistisdi", dann übernehmenwir diesen Begriff als Prädikat der Ehre.; Dr. Paul Arnsberg. . Die Jugendkommission lädt Alle ein zur 1. öffentlichen Jugend Versammlung. Thema: Jugend und Gemeinde. Redner: Dr. Josef Frank, Dr. Hugo Hoffmann, Kurt Löwenstein. Ort: Jugendheim,Eschersheimer Ldstr. 65 10. November, 8.45 Uhr. '> .Sclduss der Beilage. — Verantwortlich für die Soiirifileilung der Beilage: Ernst Holzer in Frankfurt av M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.