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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-11-01 · 3 (11.1931) · page 25

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
3 (11.1931)
Date
1931-11-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage, zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischer» Gemeinde hr. 3 NOViMBER 1934 Alle Artikel sind persönliche Memungsäusseruiigen der Verlasser, die SchrifUeituog der Beilage übernimmt nur die pressgesetsdiche Verantwortung. — Beiträge lur die Beilage-und Zuschriften sind an den Schril'Üeiler der Beilage, Ernst Holzer, Corneliusalrasae 8, zu richten. UM DIE JÜDISCHE SCHULE Bildungsaufgabe und Geisteshaltung einer jüdischen höheren Schule. Eine Schule; die wie das Frankfurter P hilanthropin auf: eine weit über hundertjährige Existenz und Bewährung zurückblicken .kann, die alljährlich eine; ansehnliche bchar von bchulern und. Schülerinnen mit dem Zeugnis der Universita ts- oder mittleren Keile zum Studium oder ins praktische Leben entlässt, die durch das tägliche Bei- und Miteinander von bchulern und Lehrern in Erziehung und . Unterweisung, in wissenschaftlidi-kunstlerischer Arbeit wie sportlich-geselligem 1 un eine das äussere wie innere Leben beider : Kreise eniscneidend bestimmende Gemeinschaf t erzeugt — eine solche Schule trägt in sich die innere Anerkennung ihres Daseinsj-bedarf keiner besonderen Rechtfertigung. Doch soll in dem lolgenden üeitrag die Eigenart einer jüdischen höheren bcuuie innerhalb des deutschen und jüdischen Bildungswesens auf einigen charakteristischen Gebieten kurz beleuchtet und damit auch von dieser beite ihr Wert, ihre innere ^Notwendigkeit hervorgehoben werden. ~ Wie zeigt .sich zunächst das Besondere in der Gestaltung des U nter richts < Hier schafft einmal der quantitativ verstärkte hebräische Unterricht sowie der in Geltung, interessevoller Abnahmebereitschaft,, Voraussetzungen " und Verbindungsmöglichkeiten mit anderen Fächern lnnerlidi erhöhte Keligionsunterridit eine besondere Situation. Das Hebräische tritt hier durch seine Pflege von unten her zu den Sprachen, durch die sprachliches renken gebildet; sprachliches Können geschult wird und durch deren Verständnis. wichtige Kultureinllüsse vom Altertum bis zur Gegenwart klar wenden können. Der Religionsunterricht wird inneres Kernfadi, das sich dem besonderen Bildungsziei der Schule immanent einfügt. Es ist auch für das wirkliche Gewicht dieser l1ächer nidit ohne Bedeutung, dass hier ihre Vertreter ganz anders mit dem äusserlichen Betrieb und innerein .Organismus der Sdiule verbunden sind als anderswo die zumeist nebeuamtlidi hesdiäftigten Lehrkräfte. Dass auch im sonstigen Unterricht, vor allem in den sprachlidi-historischetlnschen rädiern gern Verbindungsfäden zum Jüdischen gezogen werden: in der Auswahl und Behandlung der Lektüre, "in,der Verbindung der spezifisch jüdischen Geschidite — der staatlidien sowie der späteren Schicksalsentwicklung der J uden — mit der übrigen Weltgesdiidite, in der Herausarbeitung und Erörterung besonderer Gegenwartsprobleme, in der Betrachtung jüdisdien Denkens bei philosophischen Belehrungen und Ausspradien, — dies muss für die jüdische Bildung des in deutsdier Kultur aufwachsenden jungen Mensdien wertvoll sein. Umgekehrt dürfen Fragen unserer Umwelt, soweit sie irgendwie für die äussere Geschichte der Juden sowie die innere Entwicklung ihrer Denk- und Lebensformen bestimmend gewesen sind, durchaus in den Vordergrund gestellt und auch einmal vom jüdisdien Blickpunkt aus betraditet werden. Ich denke da besonders an die hei-, _ lenistische Kultur, die Entstehung des Christentums, seine Entwicklung im katholischen und protestantischen Denken und Handeln, die mittelalterlidie Weltanschauung, die arabisdi-persische Kultur, die Aufklärung und den Liberalismus; sowie die Gesamtheit der neuzeitlich-gegenwärtsmässigeu- Probleme kultureller, politischer und wjrtsdiaftlicher Art. Es soll hier natürlich keinerlei Einseitigkeit oder tendenziöser Behandlung, keinerlei Umbiegung oder Vernachlässigungwissenschaftlicher Erkenntis das Wort geredet werden; es braudien die Beziehungen gar nicht immer deutlich-hervorgehoben zu werden — oft genügt das Wissen um die Dinge selbst als Grundlage möglicher, und wenn irgendwie nötig, stets durchzuführender Diskussion oder besonderer Ausarbeitung, die durch die spezifische Gemeinschaft vorhandene seelische Grundlage, die Ausschaltung aller Einflüsse, die die Erkenntnis dieser Beziehungen verschütten oder-— verfälschen. Eine soldie Betrachtung ermöglicht eine für die heutige Zeit besonders notwendige innere und äussere Selbstbehauptung (gegen die geistig fundierte völkische Ideologie bedarf es des auf wissenschaftlicher Erforschung beruhenden Abwehrkampfes) sowie ein vorurteilsloses Verständnis Andersgläubiger, — und lehrt jüdisches bchaffen, Denken und Erleben innerhalb der Gesamtkultur von der Warte höchster Mensdienbildung und wertvollsten MensJientums, suib specie humanitatis, zu sehen. Dass im üorigen durchaus nicht stets das irgendwie Differenzierende besonders betont werden sollte, möchte ich allerdings für. wichtig ansehen, wie es andererseits selbstverständlich ist, dass eine Schule, von der Eltern und Schüler in jeder Beziehung dasselbe erwarten wie von irgendeiner anderen sonst gleichartigen und die auch dieselben Berechtigungen verleiht, den höchsten Ehrgeiz darin setzen muss, auf allen Gebieten ihren Zöglingen das ausreichende Rüstzeug für das wissenschaftliche wie praktische Leben mitzugeben. Die in einer solchen Schule herzustellende Synthese zwisdien kraftvoller Selbstbesinnung auf das Eigene und verständnisvollem Erkenntniswillen für das Fremde (wobei es mir selbstverständlich erscheint, dass hier alles das, was uns von europäisch-deutscher Kultur in Vergangenheit und Gegenwart gebildet hat, überhaupt nicht als Fremdes empfunden werden darf), möchte ich noch für ein anderes, vom eigentiidien Unteracht losgelöstes Gebiet in Ansprudi nehmen. Es erscheint mir doch wertvoll, dass wenigstens ein Teil unserer jüdischen Jugend das Glück hat, die Jahre ihrer geistig — mensdilichen Entwicklung und Reife zu verleben in einem Milieu, frei von allgemein äusseren Hemmungen und Widerständen persönlicher Art, vor allem frei von dem Gefühl, einer Minderheit anzugehören, von Misstrauen und häufiger — wenn auch zuweilen durchaus unberechtigter, gar nicht, notwendiger — Abwehrbereitschaft. Der Vertasser dieser Zeilen darf umsomehr den Anspruch erheben, ohne den Vorwurf der Einseitigkeit, übertriebener Empfind Ii dikeit, lebensuntauglicher Schwäche auf sich zu laden, diese seine Anschauung vor allem vom idealen Standpunkt aus gewertet zu sehen, als er auf Grund seiner Erfahrungen, nicht etwa nur als Schüler einer Simultanschule, sondern in langjährigei' Lehrtätigkeit an mehr als zehn derartigen Schulen des ver- 'schiedensten Milieus weit davon entfernt ist, gegen unsere deutschen Schulen irgendwelche Vorwürfe zu erheben. Dodi auch diese seine eigenen günstigen Erfahrungen, denen gegenüber er übrigens für Fälle und Situationen recfet unerfreulicher Art nicht blind und taub ist, und seine ganze grundsätzliche Ablehnung jeder feindlichen Einstellung hindern ihn nicht, mit Genugtuung in den gegenwärtigen Stürmen von Partei- und Interessekämpfen, in dem Meer der den Menschen als solchen nicht achtenden Vorurteile hier wenigstens für die Jugend eine glückliche Insel zu sehen, die jedoch nicht eine Insel der Isoliertheit, sondern der Verständigung sein soll. Es ist auch keineswegs so, dass eine in einer solchen Schule herangebildete Jugend einseitig erzogen und beeinflusst wird, von dem Wesen anderer Menschen und den Kämpfen draussen nichts vernimmt — dies wird schon durch all das, was sie täglich im Elternhaus zu hören bekommt, verhindert —, sondern unsere Schüler haben in einer Zeit, in der das Leben der Jugendlichen weniger als früher auf die Schule allein konzentriert ist, in der sie entscheidende Eindrücke oft ausserhalb dieser gewinnen, durchaus Gelegenheit, nichtjüdische Altersgenossen kennen zu lernen, mit ihnen in Wettbewerb, ihnen auch wirklich näher zu treten. Der Verfasser ist der Meinung, dass diese Annäherung im stärksten Masse wünschenswert ist und auch von der Schule bewusst gefördert werden müsste, wie er auch der Ueberzeugung lebt, dass gerade eine so aufwachsende Jugend ungehemmter, gerechter und unbefangener vielen Fragen <ks Lebens und, was auch noch wichtiger ist, ihren Mitmenschen gegenüber treten kann. Dazu soll noch ein dritter Punkt kurz hervorgehöbea werden. Es müsste vom allgemeinen Standpunkt des Judentums, unabhängig von jeder parteimässigen und weltan-

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