Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 3 (11.1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 69 (sequence 15)
- Language
- German
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69 Jugend. Sehr wesentlich ist die Arbeit der Schul e für die Friedenss;esinnung. Die heutige moderne Schule hat das alte mehr militaristische Verhältnis von Vorgesetzten (Lehrer) und Untergebenen (Schüler) so ziemlich beseitigt. Man steht mehr in einem Freundschaftsverhältnis. Doch das genügt nicht. Wenn der Unterricht erziehlich wirken soll, muss er Gesinnungsunterricht sein. Von grösster Bedeutung ist der Geschichtsunterricht. Er darf die Weltgeschichte nacht mehr in Form von Kriegsgeschichte lehren. Ruiturgeschichte und Zeitgeschichte müssen die treibenden Kräfte des Weltgeschehens der Jugend klar machen. Erdkunde und Himmelskunde sollen für die Schönheit des Alls begeistern. Tn der Literatur und Kunst soll die Verherrlichung der Kriege zurücktreten. Die Jugend muss neben der deutschen auch die Schönheit fremder Literatur und Kunst bewundern lernen. In den Lehrbüchern soll der Revanchegedanke ganz verschwinden. Recht wichtig zur Verständigung der Menschheit wäre auch die Erlernung einer Weltsprache, wie Esperanto. In der Staatsbürgerkunde soll'nicht nur gelehrt werden, was ist, sondern was werden muss. Besonders geeignet ist der Religionsunterricht und vor allem der jüdische Religionsunterricht, den Sinn für den Frieden zu wecken. Wenn auch in der Bibel vom Kriege die Rede ist, so tritt das doch in den Hintergrund vor dem Gedanken der Menschenliebe, wie ihn die Propheten lehren. Unsere Thoragesetze verlangen den Feind zu schonen, selbst sein Tier. Die jüdische Nächstenliebe_schliesst den Feind ein. Ein einziger Friedensgedanke ist der Sabbatgedanke, und das Ziel der . jüdischen Lehre ist die messianische Zeit, der Weltsabbat. Des jüdischen Gebetes letztes und höchstes Wort ist: Scholaum. Die schulentlassene Jugend soll sich selbst zum Frieden erziehen. Sie soll den Anschluss an die Jugendvereine suchen" und Aussprache mit Gleichgesinnten pflegen. Notwendig aber sind die rechten Jugendführer. Jugendpfleger, ans den Reihen der Jugend hervorgegangen, mit ihren Nöten vertraut, werden nutzbringende Arbeit leisten. Das Ziel der Erziehung bleibt die harmonische Persönlichkeit, die das Leben tapfer als Mensch und Jude bestehen kann, ohne der .Versuchung der heutigen Zeit zu erliegen. Die in Wahrheit. Recht und Frieden geeinte Menschheit ist das göttliche Ziel der Menschengeschichte. An den Vortrag schloss sich eine überaus angeregte Aus- SDrache. Weitere Veranstaltungen der jüdischen Ortsgrunpe des Friedensbundes sollen folgen. j. F. Gesellschaft für jüdische Volksbildung. Herr Dr. Karl Guggenheim beabsichtigt, einen Kurs über Jüdische Geschichte zu halten. Diejenigen, die daran teilzunehmen wünschen, Avollen sich gefl. bei Frau Cläre Stern, Bockenheimer Landstr. 115, schriftlich oder telefonisch (78813) anmelden. Silbergeräte und Bestecke noch nie so billig Außerdem bieten wir größte Auswahl^ 'n Uhren, Schmuck, Brillanten Zeil 95 u. Töngesgasse 25-27 Jte Jlebfth ^unosoHn GOETHE-CAFE Wir haben uns entschlossen, der Zeit entsprechend unsere ambulante Tätigkeit weiter auszubauen. p8f Verein für indische Kranfcenpileoerlnnen zu Franklurl M. stellt Schwestern zur Verfügung für Einspritzungen, Spülungen, Einläute, Badeprozeduren, Umbettungen, Säuglings- und Wochenpflege etc. Fernruf Carolus 44020. unter neuer Leitung Zeil 97 (neben Wronker) Kuchen u. Torten la Qualität Vorzügliche kalte u. warme Küche Gepflegte Biere u. Weine Jeden Samstag u. Sonntag Konzert Verband jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit. Die handgeferti^ten Erzeugnisse der „S h a n i" - "W e r k - statten in Jerusalem: Kinderkleider, Decken, Kissenplatten, Schmuck und vieles andere befinden sich bei Frau Frieda Meyer, Kreutzerstr. 1, Ecke Nibelungenallee. Auf telephonischen Anruf (51267) ist unsere Vertreterin gerne bereit, die Sachen bei den Interessenten vorzulegen. Israelitische Religionssdiule. Das Wintersemester der Israelitischen Religionsschule hat am 14. Okt. begonnen. Anmeldungen für che beiden Anstalten werden noch bis zum 8. November von Herrn Gemeinderabbiner Dr. Horovitz in dessen Wohnung: Staufenstrasse 30. L. entsresensenommen. Herr Dr. Horovitz ist in allen Schulangeleirenheiten regelmässig Dienstag Nachmittag von 3—4 Uhr und nach vorheriger Verabredung auch in der Schule Hermesweg zu sprechen. Die Juden in Sowjetrussland. Tn einer sehr gut besuchten Versammlung sprach am 1. November der Sch riftsteller Otto Heller aus Berlin über ..Die na tionale Befreiung der Juden in S o wj e t - R u s s 1 a n d". Der Redner vertrat die Auffnssuns. dass unter dem Sowjetregime das nationale Judennroblem bereits vollständig gelöst und die Lösunsr der sozialen Tudenfrajre in absehbarer Zeit zu erwarten sei. An Hand eines reichen Ziffernmaterials Ictp er dar wie sich der FünF-Jahresnlan auf die etwa 2.8 Millionen zahlende jüdische Bevölkerung der Union auswirke wie insbesondere der ursprünsljche Pinn einer A<rrarl<">sunsr neuerdintrs zu Gunsten rdanmässiffer TJeberführun«; der jüdischen Bevölkerung in die Industrie in den Hmtersmind getreten sei. Für die landwirtschaftliche Kolonisation der russischenluden einschliesslich der Vorstadtsiedlun<ren seien zurzeit 824 400 ha zur Verfügung <restellt, auf denen 51900 Familien angesiedelt seien. Hierzu komme der 1928 aufgestellte und neiuerdinsrs weiter ausgestaltete Plan, in Biro-Bidschan in Ostasien eine jüdische territoriale Einheit mit geschlossener wirtschaftlicher und nationaler SelbstentFaltunsy aufzubauen, wo bis 1952/53 100 000 Juden angesiedelt werden sollen: diese jüdische Bevölkerung solle ab 1934 volle Autonomie als staatsrechtliche Einheit innerhalb der Union erhalten. Der Redner erwähnte die Mitwirkunar der ausländischen jüdischen Hilfs^esell- «chaften Asfro-Toint und „Ort" und berührte im Lauf seiner Darlegungen eine sranze Reihe grundsätzlicher Fragen. Tn der anschliessenden Diskussion nahm u. a der evane.Pfarrer Bauer das Wort, der sich gesjen die Relisrionsfeindscbaft des Sowietresrimes wandte und über die Stellunff der Judenlieit als Träsrerin welthistorischer Ueberlieferunaren srerade zu dieser Seite des Problems beachtenswerte Ausführungen machte. NAUMANN Die Grosse MARKE in Seifen jeder Art. Für Naumann's Kernseife «extrafeine Qualität» gibt es keinen Ersafc. Naumann's Feinseifen sind unerreicht in Körper sowie Parfüm und für die Gesundheitspflege direkt vorbildlich. Kennen Sie meinen neuen SAFTBRATERT Er benötigt weder Feit noch Begießen Anbrennen ausgeschlossen / Jede Wartung unnötig Der ideale G> nsbrater LOREY Das Fachgeschäft für Haus und Küche Schillerstrasse 16