Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 1 (9.1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
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19 Juden besonders bemerkenswerten Beitrag. E. Kahn bringt einen gerade für Frankfurter Leser besonders interessanten Beitrag zum Kapitel von der „Rassenreinheit" mit der Aufzählung von rund 100 Adligen aus der Deszendenz des Frankfurters Salomon (Benedikt Goldschmidt. M. Markreich teilt eine erschütternde, an das Fidelio- Thema erinnernde Episode aus der napoleonischen Zeit mit. Daran schliessen sich u. a. Beiträge von Kronthal über die Einbürgerung der Posen er Juden und Brilling über die Breslau er Messebesucher. Der Prozess gegen Jesus Der hervorragende iKirchenhistoiuker Professor Hans Lietzmann, der Nachfolger Harnacks, hat auf Grund historisch-kritischer Forschungen die These aufgestellt, dass das Todesurteil über Jesus nach der Lage der Dinge keineswegs vom jüdischen Synhedrion, sondern einzig und allein vom römischen Landpfleger Pilatus gesprochen werden konnte. Diese These begründete Prof. Lietzmann vor kurzem in der Gesamt&itzung der preussischen Akademie der Wissenschaften. Er suchte durch die religiöse Dichtung der Leidensgeschichte Jesu, wie sie sich in den vier Evangelien entfaltet, zu dem historischen Kern einer einfachen tBerichterstattung vorzudringen und kam zu dem folgenden Ergebnis: die Rolle, die das jüdische Gericht im Markus-Evangelium spielt, wurde von Lietzmann als unhi'storisch erwiesen und die Verurteilung Jesu durch den römischen Stadthalter zum Rang einer Tatsache erhoben. Für den Bericht im Markus-Evangelium, dass das ganze Synhedrion Jesus wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt hat aind dem Pilatais übergab, wird nach Lietzmann keine Quelle glaubhaft. Petrus ist nicht der Ge"- währsmann, denn er ist, wie zweimal ausdrücklich betont wird, nur bis in den Hof des hohenpriesterlichen Palastes vorgedrungen und unten im Hof geblieben. Er kann also von der Verhandlung nichts gehört haben, einen anderen Zeugen sehen wir nicht. Jenes Wort, das den auferstandenen Jesus als Meister des neuen Lebens dem ausser Kraft gesetzten mosaisdien Gesetz gegenüberstellt, atmet den Geist der bekehrten Hellenisten. Ebenso unjüdisch ist die Frage des Hohepriesters, ob Jesus der Messias, der Sohn Gottes, sei. Was Jesus anwortete, mochte man als volksverderblichen Aberglauben bekämpfen, aber eine Lästerung war es nidit — selbst der Name Gottes war mit jüdischer Korrektheit in der Antwort Jesu ebenso vermieden wie in der Frage des Hohepriesters. Nimmt man selbst an, Jesus sei vom Synhedrion für die Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden, so ergäbe sich notwendig, dass er nach dem levitischen Gesetz dairch Steinigung hätte hingerichtet werden müssen. Nun ist aber Jesus gekreuzigt worden: eine typisch römische Strafe, aus deren Vollzug sich ergibt, dass Pilatus das entscheidende Urteil gesprochen hat. Der Einwurf, Pilatus habe nur ein jüdisches Urteil vollstreckt, da das Synhedrion wohl das formale Recht zur Verurteilung hatte, aber nicht die Kompetenz zur tatsächlichen Ausführung seines Urteils, das erst durch den römischen Prokurator zu bestätigen war — diesen Einwand widerlegt Lietzmann mit dem Hinweis auf den Französischen Juristen Jean Juster in dem Buch über die Juden im Römerreich: aus sechs positiven Zeugnissen geht hervor, dass zur Zeit des Pilatus das Synhedrion das volle Recht besass, jüdische Religionsverbrecher und Gotteslästerer mit dem Tode zu bestrafen und steinigen zu lassen. Ist Jesus uicht nach jüdischem Recht gesteinigt worden, so hat ihn auch nicht das jüdische Gericht wegen Gotteslästerung verurteilt, und der Bericht des Markus (14, 55 bis 65). ist unhistorisch. Die Nachtsitzung des Synhedr.ions erscheint als Fremdkörper in dem grossen Petrus-Bericht: nach diesem als dem zuverlässigen Zeugen ist vor der jüdischen Behörde überhaupt nicht über Jesus Gericht gehalten worden, sondern man hat ihn ohne weiteres dem Prokurator übergeben. Pilatus hat Jesus zum Tode verurteilt und mit der gewöhnlichen Todesart für Landfriedensbrecher (für ihn war Jesus ein nationalistischer Bandenführer) kreuzigen lassen. Aber die Gemeinde wusste, dass es die Juden sind, die immer die von Gott gesandten Propheten töten, und sie bewahrte ein Wort Jesu, dass er wie alle Propheten in Jerusalem sterben müsse. So formte sie die Passionsgeschichte mit unbewusster Selbstverständlichkeit nach ihrer Theologie und entlastete den Pilatus immer mehi\ belastete parallel damit die Juden mit der Blutschuld. Lietzmanns These hat überall in der Welt Aufsehen erregt und wurde in der internationalen Presse eingehend behandelt. In den kirchenhistorischen Kreisen Deutschlands und des Auslandes finden Lietzmanns Ausführungen Anklang. WICHTIGE UND INTERESSANTE BÜCHER J.Kracauer,Geschichte derjuden in Frankfurt a.M. Bd. I Von der ältesten Geschichte bis zum Fettmilch-Aufstand, brosch, RM. 10.— Bd. II (Bis 1824), brosch. RM. 12.50 J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. „Mit diesem Meisterwerk haben wir Jetzt die Geschichte der Juden in Frankfurt. Niemand wird es aus der Hand legen, ohne im Innersten bereichert zu sein." (Prof. Goldstein im „Morgen,,) Der Frankfurter Kantor Sammlung, der traditionellen Frankfurter synagogalen Gesänge von Fabian Ogutsch, weil. Oberkantor der Synagoge am Börneplatz. Geordnet und eingeleitet von J. B. Levy, herausgegeben vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. J. 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Literaturblatt der Frankfurter Zeitung (—ck): „Die Stunden, die einer mit dieser Sdirift verbringt, werden nicht verloren sein. Er lernt neben dem Denker und Schaff er einen wahrhaft grossen Menschen kennen, und die Zeugnisse, die über ihn reden, geben Erschütterung und Erhebung zugleich". Dr. Josef Unna, Statistik der Frankfurter Juden bis zum Jahre 1866 Herausgegeben vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. 1951, 78 S. Preis kart. RM. 3-. Die erste wissenschaftliche Untersuchung der Bevölkerungsverhaltnisse einer Grossgemeinde von ihren Anfängen bis in die neuere Zeit. III_III Herrensocken Original englisch reine Wolle garantiert nicht einlaufend vollkommen nahtlos in schwarz, dunkelgrau, mode, braun Goethestr. 7 Bergersfr. 181 Hasengasse 2 in in