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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-08-01 · 12 (8.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
12 (8.1931)
Date
1931-08-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischem Gemeinde Hfm 2 AUGUST 1931 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriflleilung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. — Beiträge für die Beilage und Zuschriften sind an den Schriftleiter der Beilage, Ernst Hölzer, Corneliusstrasse 8, zu richten. Von der Arbeit der Bunde Zukunftsarbeit [L u m Gedanken der „Schule der jüdischen Jugend"). Die deutschen Juden sind in der letzten Zeit — nicht erst seit den letzten zwei Jahren — so durch ihre wirtschaftlichen, sozialen, politischen Probleme in Anspruch genommen, dass für die jüdische B i 1 d u n g s a r b e i t nicht mehr viel geblieben ist. Bildung ist aber seit Jahrtausenden der Kern alles jüdischen Tuns, ist" unsere einzige eigene Lebensform, seit wir kernen Boden mehr besitzen. Es wird sich rächen, sie vernachlässigt zu haben, und es - rächt sich schon jetzt. Wer nichts vom Judentum ,weiss, der steht der Gemeinde und allem jüdischen Leben fern: Im Judentum sieht er 'die Ursache, dass er unter Anfeindungen und Boykotten zu leiden hat. Der konkreteste Vertreter des Judentums ist ihm der Steuereinnehmer. Wahrhaftig keine au&sichts vollen Bindungen. Die Schicht, die aus solchen Menschen besteht, ist besdiämend gross, und dodi ist wenig Hoffnung vorhanden, in ihr Wandel zu schaffen. Zentrifugale Kräfte wirken dort. Aber wenn wir uns unsere nähere Umgebung ansehen, finden wir grosse Kreise, die zum Judentum (oder dem, was sie dafür halten) streben und doch in Wahrheit nicht mehr als dieses Wort selbst besitzen, oft genug noch eingeengt durch Bedingungen wie „Ritus", „Liberalismus", „Palästina". Diese sdieinbar zentripetale Schicht birgt nidit für heute, aber für die Zukunft ebenso grosse Gefahren wie jene. Wir kennen den Entwicklungsgang, der leider für unzählige unserer jungen Mensdien typisch ist: eines Tages verblasst die grosse Begeisterung; Alltag und Beruf rücken in den Vordergrund, und nadi der oft erstaunlich schnellen und sdiroffen Abkehr von den alten „Ideen" bleiben schöne Erinnerungen an Lagerfeuer, Gemeinschaft usw. Werden diese einst Erwadisenen die Gemeinde erbauen, wie es not tut? - . Wir haben genug Erfahrungen gesammelt, oft waren es' gerade die „Besten", die Führer der jüdisdien Bünde, die nachher, als erfolgreidie Wissenschaftler, Kaufleute, Industrielle nicht mehr für uns zu sprechen waren, Wichtigeres zu tun hatten. Und, nm ein Beispiel zu wagen, auch die Erziehung zum Leeren der Keren-Kajemet-Büchsen, diese „Erziehung zum Tun", hat keine nachhaltigen, gewiss keine jüdischen Wirkungen gehabt. Das Judentum ist in Gefahr, sich von innen her aufzulösen, gerade in den Menschen, die ein paar Jahre lang täglich von ihm reden. Diese Menschen, Euch!, wollen wir erfassen. Ihr alle wollt bewusste Juden sein. Bewusst kommt von wissen. Unsere Sprache, unsere Geschichte, unsere Volkskunde müssen gelernt werden, an unserem reichen Sdirifttum mnss gelernt werden, ehe von Bewusstsein gesprochen werden darf. Dieses Lernen wird Euch feste Bindungen geben, nicht nur zu den paar Menschen, mit denen Ihr irgendwo ziisammensitzt oder wandert, sondern zu "allen Juden der Welt, deren Probleme Ihr kennt, zu allen Vergangenen, die Euer Heute erst herbeiführten, zu allen Kommenden, deren Schicksal von Euch abhängt und als Verantwortung auf Eudi liegt. Glaubt nicht, dass Ihr mit einem Sdilagwort, entspredie es auch noch so sehr eurem Wesen, sei es auch von Führern des Judentums geprägt, es erfassen könnt. Judentum ist nicht „Sozialismus", ist nicht „Tat", es ist eine Welt, in die nur das Lernen, die Lehre führt, und aus der erst dann alle „Taten" entspringen. Ihr steht vielfach in Opposition zu euren Eltern, die euch nicht bieten können, was ihr braucht, weil sie es selbst nicht haben. Werdet ihr dafür sorgen, dass ihr euren Kindern anders gegenüberstehen könnt? Werdet ihr, denen die Schule schon im Allgemeinen, viel empfindlicher aber noch im Jüdisch sn, zu wimig gab, es euch selbst erkämpfen, wie es die nichtjüdische Jugend in ihren Volkshochschulen längst getan hat? Dann kommt und schafft euch die Schule der jüdischen Jugend. Hans Hammer stein. Was bedeuten die Bünde für die Erhaltung des Jüdischen! Der Bestand des Jüdischen ist heute in allen Bezirken gefährdet. Die Zahl der jüdischen Menschen in Deutschland geht unaufhaltsam zurück; weithin ist bereits ein Ueberscjiuss der Todesfälle über die Geburtenziffern festzustellen. Die Zahl der Mischehen wädist von Jahr zu Jahr; die daraus hervorgehenden Kinder sind für die jüdische Gemeinsdiaft bis auf "ganz verschwindende Ausnahmen verloren. Viele Menschen vollziehen ihren Austritt aus der Gemeinde und dem Judentum und kaum zu übersehen und in seiner Wirkung nicht zu unterschätzen ist der Kreis der Indifferenten. Sie sind zwar als Juden geboren, sind aus Pietätsgründen oder andern schwer zu umschreibenden Motiven bisher nicht ausgetreten. Ein Teil von ihnen wendet sich aber bewusst vom Judentum weg und bemüht sich krampfhaft darum, sich der nichtjüdischen Umwelt zu assimilieren (was allerdings nicht vollständig gelingt). Eine weitere Gruppe, die durch die fortschreitende Verarmung des jüdischen Mittelstandes einerseits und die Entwurzelung andererseits dauernd neuen Zustrom erhält, kommt zum politischen. Radikalismus. — Der Zustrom aus dem Osten hat aufgehört. Der „Untergang der deutschen Juden" wird vorausgesehen und mit erschreckendem Material belegt. Weite Kreise sind zur Erhaltung des Jüdischen — zur Tradierung jüdischen

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