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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-08-01 · 12 (8.1931) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
12 (8.1931)
Date
1931-08-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Stantfuttct 3fradiUftf)es tmtinbtbiatt SlitttJfc&e? i&tgan t>tt &fvatiiüfäen <®tmtinbt Das Gemeindeblatt erscheint monatlich und wird den Gemeindemitglieder unentgeltlich durch die Post zugestellt. Preis der Einzelnummer 50 Pfg. — Anzeigen nach Tarif. Schriftleitung und Anzeigenverwaltung: Gemeindehaus, Fahrgasse 146. Fernsprecher: Sammelnummer Hansa 27544. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 33521 9. Jahrgang Frankfurt a. M., August 1931 Nr. 12 Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblatts nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet Judaica in der Frankfurter Stadtbibliothek Von A. Freimann. Vorbemerkung: In der Schriftenreihe „Jüdische Gemeinden", die von der Jewish Pablication Society in Philadelphia herausgegeben wird, erschien 1929 ein Band über Frankfurt, dem der nachstehende Abschnitt in deutsdier UÜbersetzung entnommen ist. Die Stadtbibliothek besitzt 'eine ungewöhnliche Sammlung jüdischer Bücher und Manuskripte in hebräischer oind anderen Sprachen. Sie ist die wertvollste auf dem Kontinent, sowohl was die Anzahl wie die Seltenheit vieler der Werke betrifft. Die einzigen Bibliotheken, die sich grösserer Schätze rühmen können, sind das Britische Museum in London und die Bodleiana in Oxford. Man braucht kein Bibliophile zu sein, um eine reizvolle Stunde inmitten der seltenen Bücher und Manuskripte zu .gemessen, die hier untergebracht sind. Bevor wir unsere Aufmerksamkeit den bemerkenswertesten Stücken zuwenden, mag es von Interesse sein, auf das allmähliche Wachstum der hebräischen Bücherei hinzuweisen. Der Grundstock wurde durch die Sammlung des 1704 verstorbenen Arabisten Hiob Ludolf gelegt. Seine Erben hatten kein Interesse an den in seinem Nachlass vorhandenen zahlreichen Bibelausgaben und grammatikalischen Abhandlungen und machten sie der Stadt zum Geschenk. Mehr als 100 Jahre später, im jähr 1828, wurde eine 'ganze Reihe hebräischer Bücher hinzugefügt, darunter Ausgaben der Mischna und Gebetsammlungen aus den Beständen früherer Klosterbibliotheken, die sie ihrerseits wohl durch Konfiskation erlangt hatten. Im Jahre 1860 kam .eine neue erhebliche Bereicherung mit einer Sammlung von 870 Bänden aus dem Nachlass von Dr. Jost, einem früheren Lehrer am Philanthropin. 1867 wurden 700 Bände aus der Bibliothek des 1847 verstorbenen Rabbi A r o n Moses hinzugefügt, die dessen Sohn Justizrat F u 1 d zum Andenken an seine Eltern stiftete. Die Bibliothek, die nunmehr bereits ansehnlich geworden war, erhielt ihre grosse Bedeutung durch den Erwerb der Büchersammlung von Dr. Nehemias Brüll. Nach dem Tod dieses Gelehrten, der lange Jahre Rabbiner in Frankfurt gewesen war, erwarb die Stadt seine wertvolle Büchersammkmg von 5250 Bänden, wozu die Mittel von wohlhabenden Stiftern aufgebracht wurden. Brülls Sammlung zeichnet sich hauptsächlich durch ihren Reichtum an jüdisch-deutschen Schriften aus, aber auch alle übrigen Zweige der jüdischen Wissenschaft sind verteten. 1899 erfuhr die Bibliothek wiederum einen erheblichen Zuwachs. Prof. Berliner in Berlin verkaufte der Stadt zu seinen Lebzeiten 3200 „Bände aus seinem Besitz, darunter eine fast vollständige Sammlung jüdischer Gebetbücher nach den verschiedenen Riten vieler Gemeinden. Im gleichen Jahr wurde die durch den Erwerb der' Sammlung Berliners an Bedeutung erheblich gewachsene Bibliothek durch einen weiteren Zuwachs bereichert. Der Frankfurter Rabbiner Dr. Horo vitz, unterstützt von aufopferungsvollen Mitbürgern, schenkte der Bibliothek eine grosse Anzahl wertvoller Bücher und Mannskripte. Darunter befanden sich viele sogenannte Genisa- Fragmente, d. h. Teile von Büchern, die begraben worden waren, darunter alte Werke, die zum Teil bis zum Jahr 1000 zurückgehen. Sie waren auf dem Friedhof zu Kairo entdeckt worden. Derartige Genisa-Fragmente sind in ähnlicher Vollständigkeit nur in den grossen Bibliotheken anzutreffen. Zwei Jahre später, im Jahr 1901, erhielt die Bibliothek einen weiteren wertvollen Zuwachs durch eine Schenkung der Baronin Mathilde von Rothschild. Es waren 3050 Bände, darunter hauptsächlich seltene Ausgaben der Bibel, aber auch eine reiche Auswahl jüdischer Schriftsteller. Der Beginn des 20. Jahrhunderts brachte unserer Sammlung weitere wichtige Vermehrungen. Charles Hallgarten, der hervorragende Frankfurter Philanthrop, schenkte wertvolle Werke über synagogale Musik. Grosszügige Geldspenden ermöglichten es der Stadt, die bemerkenswert vollständige und wertvolle Sammlung von Abraham'Merzbacher in München zu erwerben, die 6000 Bände umfasste. Eine andere Bücherschenkung eines Rothschild bestand hauptsächlich aus Werken des karäischen Schrifttums und vervollständigte so die Bestände der Bibliothek an karäischer Literatur. Der Leser mag hier daran erinnert sein, dass die Karäer eine jüdische Sekte sind, die aus Babylonien stammt und noch jetzt Anhänger in Südrussland, der Krim, der Türkei und Aegypten hat. Sie unterscheiden sich von den übrigen Juden dadurch, dass sie die ganze rabbinische Tradition leugnen. Soweit ihre Literatur nicht hebräisch geschrieben ist, benutzt sie den jüdisch-türkischen Dialekt, dem eine gründliche wissenschaftliche Erforschung noch fehlt. Wenn wir noch erwähnen, dass Prof. Berliner den ganzen Rest seiner Bücher der Frankfurter Bibliothek hinterliess, und dass hin und wieder manches Einzelwerk von grossem Wert gestiftet wurde, so haben wir kurz aber vollständig den Ursprung und das Wachstum der Hebräischen und jüdischen Abteilung der Bibliothek dargestellt. Nun mag eine kleine Uebersicht über die Kostbarkeiten und besonders bemerkenswerten Werke folgen. Betrachten wir zunächst die Inkunabeln, die in der ersten oder Wiegenperiode des Buchdrucks gedruckten Bücher. Zunächst sei ein Tur orach chajim erwähnt, der 1495 in Leira (Portugal) gedruckt wurde, ein prachtvoll gedrucktes und illustriertes Werk, ein Genuss für jeden Bewunderer der Illumination alter Bücher. Die Sammlung umfasst viele anderen Inkunablen aus Portugal und*Spanien. Einige sind auf Pergament gedruckt, so ein Pentateudi aus Lissabon von 1491 und ein Machsor (Festgebete) nach dem Ritus der römischen Gemeinden von Soncino und" Casale Majore (1485—86). Eine der wertvollsten Inkunabeln ist ein More Nebuchim (Führer der Verirrten) von Moses ben Maimon. Das Buch hat keinen Vermerk über das Jahr und den Ort des Druckes, aber es

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