Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-07-01 · 11 (7.1931) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
11 (7.1931)
Date
1931-07-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3094266-3094360-3094371--2893-3097647
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sundheitlichen und sittlichen Entwicklung des Schulkindes, Beaufsichtigung jeder gewerblidien Beschäftigung im Sinne des Kinderschutzgesetzes, Beschäftigung und Schulung arbeitsloser Jugendlicher, die U eher nähme von Pflegeschaften, Sdmtzaufsiditen und Vormundschaften, Vertretung Jugendlicher vor dem Jugendgericht, Miwvirkung in der Jugendhilfe, bei den Polizeibehörden, Unterbringung kranker, verwaister und schwer erziehbarer Jugendlicher in Anstalten oder Familien. Hand in Hand mit dieser Frage der Anstellung eines Jugendleiters geht der Plan zur Errichtung eines J u g e nd - heims. Die bisher in der Eschersheimer Landstrasse zur Verfügung gestellten Räume stellen nur einen Notbehelf dar. Von einem Jugendheim im eigentlichen Sinne kann hier kaum die Rede sein. Das Jugendheim, wie es geradezu vorbildlich schon in vielen Städten, die z. T. kaum mit Frankfurt als jüdische Gemeinden konkurrieren können, errichtet ist (Köln, Breslau, Essen, Recklinghausen etc.), dient erst dann seinem eigentlichen Zweck, wenn es auch nur einigermassen praktisch und zweckmässig eingerichtet ist. Der Lebensstandard des Mittelstandes, des Hauptteils der Juden, ist in den letzten Jahren ausserordentlich gesunken. Zahlreiche jüdische Familien leben in äusserst beschränkten Verhältnissen. Die Sorge um den Lebensunterhalt, die allgemeine Wirtschaftslage, die Schwierigkeiten der Unterbringung der Jugendlichen in Stellungen und die Fülle der weiteren Folgen des Niedergangs unserer Volkswirtschaft zeigen ihre verhängnisvollen Wirkungen im Familienleben und im Heranwachsen der Jugend auf Schritt und Tritt. Hier gilt es, der Jugend ein Heim zu schaffen, in dem sie sich nicht nur an ihren freien Stunden zur Erholung und Ablenkung trifft, sondern in welchem sie gemeinsam geistige Anregung erhält und den Zusammenschluss mit Gleichgesinnten findet. Das Jugendheim darf mithin nicht nur aus einer Reihe von Einzelräumen bestehen; zur Errichtung eines solchen Jugendheims gehören notwendig ein Bade- und Duschraum, ein Wirtschaftsraum, mehrere Klubräume für einzelne Gruppen, ein Bibliotheks-Lese- und Spielraum und ein grosser Raum oder Saal, der gleichzeitig als Aufenthalt-, Versammlungs-, Gottesdienst-, Gesellschafts- und Vortragsraum benutzt werden kann. Die Gemeindeinstanzen erkennen die Notwendigkeit der Errichtung eines solchen Jugendheims, wie auch der Anstellung eines Jugendleiters in vollem Umfang an; sie glauben aber bei der derzeitigen Finanzlage die Errichtung einer neuen hauptamtlichen Stelle und die Herrichtung eines solchen Jugendheims finanziell nur bis zu einer gewissen Grenze verantworten zu können. So berechtigt diese Gründe sind, so wenig dürfen sie uns veranlassen, diese beiden Forderungen irgendwie einzuschränken. Wir haben vielmehr die Pflicht, einen Weg zu suchen, der beide Forderun-' gen mit den hierzu notwendigen Mitteln in ganzem Umfang durchzuführen ermöglicht. Ein Vergleich mit den oben erwähnten Städten, die finanziell weit mehr für die Jugend tun als Frankfurt, ist nicht ohne weiteres möglich, weil unsere Gemeinde durch die erheblichen Zuschüsse für eine eigene Schule und ein eigenes Krankenhaus im Etat weit mehr angespannt ist, als alle diese Städte. Es gibt aber Wege, die Mittel, soweit sie von der Gemeinde nicht aufgebracht, werden können, aus der Gesamtheit beisteuern zu lassen. In einem Fall wurde vorgeschlagen, die Gelder durch sogenannte Heimanteile (Bausteine) zu beschaffen, die in Höbe von 5, 10, 20, 50 und 100 M auszugeben wären. Weit zweckmässiger scheint mir folgender Weg: Neben der Gemeinde werden zunächst der preussisdie Landesverband, die Stadtgemeinde Frankfurt und der preussisdie Staat entweder Zusdiüsse zahlen oder Beträge zu billigem Zinssatz zur Verfügung stellen. Sodann könnte ein Kredit aufgenommen werden, dessen Zinsen nidit etwa allein von der jüdischen Gemeinde zu tragen sind, sondern von einem zu gründenden eingetragenen Verein „Jugendheim", dessen Zweck die Erriditung und Unterhaltung dieses Jugendheims sowie die Förderung aller mit der Jugendbewegung im Zusammenhang stehenden Bestrebungen (also audi der Anstellung eines hauptamtlidien Jugendleiters) ist. Dieser Weg ist bereits mit Erfolg in Essen besdiritten, dessen Gemeinde in grosszügigster Weise ein Jugendheim mit allen erdenklidien Mitteln moderner Einrichtung durch den Architekten Eridi Mendelssohn, Berlin, erbauen lässt. Es würde zu weit führen, die näheren Einzelheiten des Vereins, die Verteilung der Arbeit unter einem engeren Vorstand, weiteren Kuratorium und der gesamten Mitgliederversammlung hier im einzelnen zu sdiildern. Das darf jedenfalls als sidier angenommen werden, dass eine g e - m einsame Aktion aller hierfür in Frage kommenden Kräfte — Gemeindeinstanzen, Verbände, Jugend-Örganisationen, Synagogenvereine, Behörden und Sdiulen — den Erfolg erzielen wird, der zur Gründung eines vorbildlichen Jugendheims und Anstellung eines Jugendleiters — dessen Arbeitsräume übrigens im Jugendheim liegen müssten — führen wird. Reditsanwalt Dr. Hugo Hoffmann Berichte fugendkommlssion der Gemeinde Bisher wurde eine Reihe von Sitzungen im Plenum und in der Unterkommission abgehalten. Ein erster positiver Erfolg ist die regelmässige Herausgabe der Beilage „Jugend und Gemeinde". Des ferneren besdiäftigte sich die Jugendkomtnission mit der Hölle der Subventionen für die Jugendbünde. Die Anstellung eines hauptamtlidien Jugendleiters wurde dem Gemeindevorstand vorgeschlagen, begründete Aussiditen bestehen, dass der Vorstand unseren Antrag akzeptiert. Ebenso besteht Hoffnung, die Frage des Jugendheims in absehbarer Zeit einer befriedigenden Lösung zuzuführen. Der Gemeindevorständ wurde ferner gebeten, seinen Einfluss dahin geltend zu machen, dass den jüdisdien Sportvereinen der Turnsaal des Philanthropins zur Verfügung gestellt wird. Schliesslidi beriet die Jugendkornmission über die Möglichkeit, wie die Jugend ihr Teil zum Hilfswerk für die jüdischen Erwerbslosen beitragen könne, ohne allerdings bereits zu Entschlüssen gekommen zu sein. C.V.Jugend Der Landesjugendausschuss Hessen-Nassau des C. V., veranstaltete unter Leitung seines neuen Vorsitzenden, Werner Graff, am 12. Mai einen Vortragsabend mit dem Thema „Die soziale Lage der Jugend". Die Referentin, Frau Dr. Lotte Fink, gab einen Ueberblick über die beruflichen Aussichten der Jung-Akademiker, -Kaufleute, -Arbeiter. Obwohl die geringen .Existenzmöglichkeiten der Jugend ja weitgehendst bekannt sind, wirkte doch die allgemeine Situation-durch das riesige vorge^ tragene Zahlenmaterial noch erschütternder. Anschliessend an die Ausführungen der Referentin entwickelte sich eine Diskussion, in der, wie man bei einem derartigen Thema natürlich nicht anders erwarten kann, eine Klärung oder gar eine „Patentlösung" nicht zu erzielen war. Lediglich der Wunsch zu sdinellster Weg Weisung und gegebenenfalls der Wille zur Einsetzung aller Mittel kamen zum Ausdruck. Der gut besudite Abend war insofern noch ein Novum, als er erstmalig sämtlidie Frankfurter Jugendbünde, die dem C. V. ideologisch nahestehen, zu einer Aussprache über gemeinsam interessierende Dinge vereinigte. Es ist beabsichtigt, derartige Veranstaltungen mit anderen Themen im kommenden Winter-Halbjahr-zu wiederholen. Die Schriftleitung teilt mit: 1. In der Rubrik „Bericht e" wird von allen Veranstaltungen beriditet werden, die eine grössere Öffentlichkeit interessieren. Insbesondere kommen überbündisehe Veranstaltungen Frankfurter Bünde in Frage. Um Einsendung kurz gefasster Berichte an den Schriftleiter wird gebeten. 2. Alle Aufsätze, die in „Jugend und Gemeinde" ersdieinen, stehen zur freien Diskussion. Wesentlidie Beiträge werden in einer „Tribüne" zum Abdruck kommen. Darüber hinaus ist „Jugend und Gemeinde" der Ort, wo alle Fragen von allgemeinem Interesse besprochen werden. Es wird erwartet, dass aus allen Kreisen der Frankfurter jüdischen Jugend Beiträge und Anregungen eingehen. Der Sdiriftleiter bedarf ihrer, wenn die Beilage wirklich ein Spiegel der Sorgen und des Geistes der jüdischen Jugend sein soll. E.H. Schluss der Beilage. Verantwortlich für die Schriftleilung der Beilage: Ernst Holzer in Frankfurt a. M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.