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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-07-01 · 11 (7.1931) · p. Seite 351

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
11 (7.1931)
Date
1931-07-01
Page
Seite 351 (sequence 15)
Language
German
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351 (Fortsetzung von Seite 350.) gen suchte. Die ausserordentlich interessante und instruktive Schau umfasste sowohl Handschriften als gedruckte Bücher, beschränkte sich aber auf die Zeit bis zum Jahre 1600, d. h. auf die eigentlich klassische Zeit der hebräischen Buchkunst, an die ja auch die Soncino-Gesellchaft mit ihren Publikationen anknüpft. Die Reihe der Manuskripte — aus Südfrankreich, Oberitalien, Süddeutschland und dem Rheinland — begann mit einer Bibel aus dem 12. Jahrhundert und führte bis über die Zeit der Einführung der Buchdruckerkunst hinaus. Die Art der Ausschmückung zeigte grösste Vielseitigkeit, einerlei ob es -sich um blosse Federzeichnungen oder um farbige Ausmalungen der Seiten handelte. Sie bestand in manchen Fällen nur aus Rankenbordüren, architektonische Einfassungen oder rein ornamental durchgeführten Zierseiten, dann wieder aus eingestreuten Drollerien, menschlichen Gestalten und Tierdai-istelungen oder schliesslich aus illustrierenden Miniaturen. Ueberall wurde die Uebereinstimmung mit der zeitgenössischen christlichen Kunst deutlich, sowohl was die künstlerische Grundhaltung, als auch was die jeweilige Formensprache betraf. Bei manchen Werken verriet der Buchschmuck allerdings deutlich den christlichen Künstler, da ein Jude den betreffenden Vorwurf schwerlich gewählt oder ihn doch wenigstens anders dargestellt hätte. Eine grosse Anzahl der ausgestellten Handschriften verdiente infolge ihrer hervorragenden künstlerischen Qualität besondere Beachtung. Neben der ältesten Bibelhandschrift aus dem 12. Jahrhundert, die nicht nur ihres Buchschmucks sondern auch ihrer massoretischen Lesarten wegen von Bedeutung ist, fiel zunächst ein Pentateuch vom Ende des 13. Jahrhunderts, aus dem Rheinland stammend auf, der mit herrlichen seitengrossen Titeln auf ranken- und drachenverziertem oder quadriertem Grunde geschmückt war und im Text zudem groteske menschliche Gestalten und Tiere aufwies. Die aus dem Geist des Mittelalters geborenen Drollerien: Affen und Papageien in Menschenkleidern, geharnischte Ritter mit Tierleibern im Zweikampf, hornblasende Hasen u. a. m. machen uns heute staunen, wie weit man damals selbst bei der Ausschmückung eines heiligen Textes in der Uebernahme eines wohl allgemein .gebrauchten, aber .gänzlich unjüdischen Buchschmuckes gegangen ist. Von ausserordentlicher Schönheit waren auch zwei alte Exemplare der Mischne Thora des Maimonides. Bei der älteren Handschrift, einer oimbrischen Arbeit des 14. Jahrhunderts, die sich früher im Besitz der Familie des Abarbanel befand und heute Frau H. Cramer gehört, umgeben reiches Rankewerk und Darstellungen des jüdischen Lebens den schön geschriebenen Text, während bei der jüngeren (italienisch, Anfang 15. Jahrhundert) der künstlerische Schweipunkt auf den grossen, in ihren Farben ausserordentlich reizvollen Miniaturen liegt. Von den ausgestellten Purimmegillot war besonders die früheste aus dem 15. Jhdt. beachtenswert, die noch gotischen Geist atmend wohl zu den ältesten Stücken der ganzen Gattung gehört (Sammlung Dr. A. Sondheimer.) Die Gruppe der Haggadot vertrat eine Venetianer Handschrift des frühen 16. Jahrhunderts, deren Miniaturen in ihrer Komposition und Zeichnung einen sehr guten Meister verrieten. Die zweite Abteilung der Ausstellung, die der gedruckten Bücher, begann mit einer Gruppe von (teilweise sogar auf Pergament .gedruckten) Inkunabeln aus Italien, Spanien und Portugal, deren wundervolle Erhaltung bei dem wechselvollen Schicksal gerade dieser frühesten Zeugen des Buchdrucks in Erstaunen setzen konnte. Unter den Werken italienischer Provenienz waren besonders die Drucke der Soncinaten berücksichtigt, jener ursprünglich aus Fürth stammenden Druckerfamilie, die zuerst in der kleinen lombardischeh Stadt Soncino, dann in einigen anderen italienischen und türkischen Städten bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts eine stolze Reihe hervorragend schöner und textlich wertvoller Werke herausgab. U. a. sah man in der Ausstellung den ersten gedruckten Talmudtraktat (M. Berachoth, Soncino 1483), bei dem zum ersten Mal die uns seitdem geläufige Anordnung des Textes und der Kommentare durchgeführt ist, dann einen in Neapel von einem anderen Mitglied der Familie gedruckten Pentateuch, der durch die Eleganz und Klarheit seiner Typen und die Harmonie in der Verteilung der einzelnen Satzteile als ein unerreichtes typographisches Meisterwerk, angesprochen werden muss. Bei den Drucken des 16. Jahrhunderts war die Offizin des Venetianers Daniel Bomberg mit Recht durch eine grössere Anzahl von Drucken vertreten, da ja aus dieser christlichen Presse nicht nur die erste komplette Talmudausgabe (1519), sondern auch jene rabbinische Bibel vom Jahre 1525 hervorging, die wegen ihrer textlichen Korrektheit noch heute sämtlichen Bibelausk gaben zu Grunde liegt. Neben diesen historisch bedeutsamen Ausgaben konnte man weiter eine Gruppe von Prager Drucken bewundern, deren Typen nächst denen der Soncinaten zu den schönsten gehören, die je geschaffen wurden. Ein Glanzstück der Ausstellung war die berühmte, nur in drei Exemplaren erhaltene Präger Haggada vom Jahre 1526, mit deren klassischer Schönheit sich keine andere später gedruckte Haggada messen kann. Frankfurt war durch die von dem Barfüssermönch Thomas Murner angefertigten Uebersetzungen des Sederituals und des Tischsegens vertreten, die zu den ältesten Büchern unserer Stadt gehören. Diese kleinen Drucke mit ihren eigenartigen Titelholzschnitten wurden seinerzeit auf einem Karren hergestellt, ebenso auch die Selichot von Heddernheim 1556, deren Bordüren und Typen sofort die Prager Herkunft des Druckers verraten. Die übrige Ausstellung bot noch eine Fülle von interessanten Drucken, deren alle Disziplinen jüdischer Gelehrsamkeit umfassender Inhalt ein gutes Bild von der regen Geistes- und Drucktätigkeit dieses Jahrhunderts gab und zugleich weitere lehrreiche Beispiele für die Möglichkeiten des Buchschmuckes in hebräischen Büchern bot. Das einzige, was man au dieser ganzen Schau, der sich auch noch eine kurze Uebersicht über die Publikationen der Soncino- Gesellschaft anschloss, auszusetzen hatte, war die Enge des Ausstellungsraumes, die es der Stadtbibliothek leider nicht erlaubte, noch mehr von ihren Schätzen zu zeigen. Die Ausstellung fand starkes Interesse, Prof. Freimann war den zahlreichen Besuchern ein ebenso unermüdlicher wie sachkundiger Führer. ' R. Ettinghausen. Jugenddienst. Die Zentralstelle Jugenddienst (nachgehende Fürsorge) des Jüdischen Frauenbundes Frankfurt a. M. will allen alleinstehenden Jugendlichen eine beratende Helferin zur Seite stellen. Anfragen und Mitteilungen an die Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Langestrasse 3, tragen zur Erreichung dieses Zieles bei. Weibliche Fürsorge. Der Unentgeltliche Arbeitsnachweis der Weiblichen Fürsorge für jüd. Frauen und Mädchen, Langestr. 3, H. 25462, sucht und vermittelt: 1. Hausangestellte jeder Art wie: Stützen, Hausdamen, Wirtschafterinnen, Gesellschafterinnen, Kindergärtnerinnen, Kinderfräulein, Haustöchter, Köchinnen, Hausmädchen. 2. Kaufmännische Angestellte: Kontoristinnen, Buchhalterinnen, Kassiererinnen, Stenotypistinnen, Lageristinnen, Verkäuferinnen. 3. Gewerbliche Angestellte: Schneiderinnen, Modistinnen, Heimarbeiterinnen. 4. Lehrmädchen (kaufmännische und gewerbliche). Wir bitten dringend, alle Arbeitgeber, sich im Bedarfsfalle unseres Arbeitsnachweises zu bedienen. Die znveriassioen Quaiiiaissiromple 1.50 Prima künstliche Seide „Favorit", der 1000 fach erprobte Seidenstrumpf, la künstl. 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