Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 11 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 349 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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349 die Blütezeit der Frankfurter Privatbanken bedeutete, mit Recht den Namen eines der hervorragendsten und vornehmsten unter seinen Standesgenossen gehabt, dessen Rat überall hoch geschätzt wurde. Mit ihm, der seit fast einem Meii-, schenalter dahin gegangen ist, war Frau Louise Goldschmidt in ganz besonderem Masse -durch humane Gesinnung und soziales Verständnis verbunden. Ohne nach aussen hin hervorzutreten, hat sie es als Ilerzenspflicht empfunden, Wohltaten zu üben und sich der Bedürftigen und insbesondere der Waisen anzunehmen. So hat sie lange Jahre hindurch ihre Tätigkeit mit unermüdlicher Hingebungdem Waisenhäuse des I s r a e 1 i t i s c h e n F r a u e n v e r e i n s gewidmet, nicht im Sinne einer Verwaltungsarbeit, sondern aus innerer Anteilnahme an dem Schicksal der ihrer Eltern beraubten Mädchen. Wie in ihrer ganzen Lebensanschauung und Lebensführung ist sie dabei bewusst den Gesinnungen ihrer Familie gefolgt und sie hat auf alle die ihr nahetreteu durften, nicht nur ein ich ihr Wirken, sondern durch ihre vorbildliche Persönlichkeit erzieherisch und anspornend gewirkt. Immer ist sie dabei von der reinen Nächstenliebe erfüllt gewesen, wie sie unsere Religion lehrt, deren wahrem Wesen sie tief verbunden ist. Der edlen gütigen Frau, die die besten Traditionen unserer Gemeinde in sich verkörpert, seien herzlichste Wünsche für lange glückliche Jahre ausgesprochen! SO. Geburtstag. Herr John, Elsas, Rödelheimer Park-Weg- 34-, ein echter Altfrankfurter, vollendet am 6. Juli in vollster Rüstigkeit sein 80. Lebensjahr. Möge sein unverwüstlicher Humor ihm noch lange erhalten bleiben! 75. Geburtstag. Am 24. Juni feierte Frau Clara L e v i, Ostendstr. 3, Witwe des über 30 J'ahre im Bestattungsdienst der Gemeinde tätig gewesenen Herrn Lazarus Levi, in körperlicher und geistiger Frische ihren 75. Geburtstag*. 70. Geburtstag. Herr Geheimer Medizinal rat, Universitätsprofessor i. R. Dr. Karl Herxheimer vollendete am Freitag, 26. Juni d. J. in vollster Rüstigkeit und Schaffensfreude sein 70. Lebensjahr. Der Jubilar wurde IS&l zu Wiesbaden als jüngstes Kind (von 10 Geschwistern) des Mühlenbesitzers und Getreidehändlers Herz Herxheimer und seiner Frau Jeanette geb. Liebmann geboren; sein Onkel war der bekannte Landesrabbiuer Salüiuon Herxheimer in Bernburg- (Anhalt). Dem bedeutenden Arzt und Forscher gelten beim Eintritt ins achte Jahrzehnt die herzlichen Glückwünsche seiner Freunde und Verehrer. 60. Geburtstag. Am 15. Juli begeht Frau Bertha Schwarz, geb. Sommer, Kantstrasse 27, ihren 60. Geburtstag. Herr Sally Israel, Wittelsbacher Allee 84, Synagogendiener der Synagoge am Börneplatz, kann am 15. Juli d. J. seinen 60. Geburtstag begehen. Gebet Mutter Vierzig Jahre ist heute mein ältestes Kind, Die Jahre verflogen so schnell wie der Wind. Freud und Leid brachte der Wechsel der Zeit — Für Alles sei Dank Dir, Herr, in Ewigkeit, Wenn mein Zeididies endet in Not und in Grau'n Du, Herr, lässt mich licht die Ewigkeit sdiau'n. Liebende Arme sind mir dann zugewandt — Vereint, verklärt im Lichtgewand. Vereint mit ihnen, in der Ewigkeit Licht, In der Gottheit Klärung, aus wonniger Sicht, Tönt's leis noch und betend durch die Lüfte lind: Gott segne, Gott schütze mein ältestes Kind. AUFRUF! Die Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M. steht vor einer Katastrophe! Wenn ihr nicht in ausreichendem Masse von allen Kreisen der Frankfurter jüdischen Bevölkerung in grosszügiger Weise Mittel zur Verfügung gestellt werden, muss sie in kurzer Zeit ihre gesamte Fürsorgeiäu'gkeit einstellen. Das bedeutet: Hunderte von jüdischen Familien werden auf der Strasse liegen, hunderte von unversorgten Kindern werden obdachlos sein. Eine Verelendung wird einsetzen, deren Folgen nicht abzusehen sind. Wollen Sie verantworten, dass Verzweiflungs» taten geschehen, die nicht wieder gut zu machen sind? Helfen Sie! Vorstand der Jüdischen Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M. Langestrasse 30 Fernsprecher 28249 Postscheckkonto 54893 Rabb. Dr. J. Horovitz, Julias Bloch, S.-R. Dr. A. Ettlinger, Wolfgang Auerbach, Dr. Paul Arnsberg, Johanna Baer, Lulu Bloch-Neustadt, Moritz Bloch, Stefanie Forchheimer; Therese Freiman, Paula Frenke!, Heinrich Gerlich, Else Katz, Dir. J. Meyer, Paula Nassauer, Eli Posen, Max Tannenbaum, David Weill, Ella Werner, Julius Werner. Diesen Aufruf befürworten aufs wärmste: Jusiizrat Dr. Blau, Julius Goldsdimidt, Dr. Eduard Baerwald, Dr. Richard Merzbadi, Naphtali Fromm, RA. Julius Simon, Felix Meyer, die Gemeinderabbiner Dr. Seligmann, Dr, Hoff mann, Dr Lazarus, Dr. Salzberger, die Logenpräsidenten J. B. Levy, Dr. S.-R. Hirsch, Dr. Hermann Oppenheim. Anstalten und Vereine Ausspracheabende über Jugendfragen. Der Verein W e s i e n il s y n a go ge u n:l der F r e i - s i n n i g e V er e i n l' ü r j ii d i s c h e s G e in e i n d e - leben haben drei bemerkenswerte Aussprachen über wichtige Zeitfragen veranstaltet. Am 2t. März war eine kleine Anzahl von Schülern und Schülerinnen im Alter von 12—IT Jahren zu einer Aussprache „\V i e kann die J u g e n d a in j ü d i s c: h e n Leben t e i 1 n e h m e n?" eingeladen. Ein einleitendes Referat von O 1 g a L p w a n d o w s k i und ein ergänzendes Referat des Leiters Erwin Baer bildeten die Grundlage einer lebhaften Diskussion. Im Vordergrund stand die Feststellung-, dass die Majorität der Schülerschaft jüdisch indifferent sei. Zur Abhilfe kommen in Frage: Verbesserungdes Religionsunterrichts durch stärkere Bezugnahme auf das Leben der Gegenwart: Unterricht in Forin von Arbeitsgemeinschaften; bei der Auswahl der Religionslehrer grösseres Gewicht auf pädagogische Fähigkeit als auf Gelehrsamkeit legen; die Fähigkeit des Lehrers sei weit ausschlaggebender als seine religiöse Richtung. Von einer Seite wurde mehr Strenge im Unterricht verlangt. Die Propaganda für den hebräischen Unterricht sei sowohl von der Gemeinde als vom Elternhaus her unzulänglich und müsse dadurch verbessert werden, dass man interessierte Schüler hinzuziehe. Die Abhaltung von Jugendgottesdiensten nur für Jugendliche wird nicht für zweckmässig gehalten, ganz ßarnanalysen Speziallaboratorium der Tel. 56621 Niederlage aller Diätmittel Eilbotendienst in alle Stadtteile. 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