Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 11 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 347 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3094266-3094360-3094371--2872-3097626- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
347 und Dr. S. London (lib.) zum 2. stellv. Vorsitzenden. — In Anwesenheit von etwa 350 Studenten und Studentinnen fand am 3. VI. die erste Veranstaltung der jüdischen S t u - d e n t en s e e 1 s o r g e unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Joachim Prinz statt. — Der „Verband der jüdischen Studentenvereine in Deutschland" hielt am 50. und 31. V. seine 8. Tagung ab, bei der Ministerialdirektor Dr. Badt über „Wege der Studentenverständigung" referierte. — Der „orthodoxe Rabbinerverband Deutschlands", die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" und der „Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands" haben gegen die vom preussischen Kultusministerium veröffentlichte Prüfungsordnung, in der die jüdische Religion als besonderes Lehrfach bei der Prüfung der Lehramtskandidaten anerkannt wird, Einspruch erhoben. — In diesem Jahre bestanden 4 Kandidaten die Reifeprüfung am Hildesheimerschen Rabbinerseminar. — Im Alter von 75 Jahren verstarb am 2. VI. Frau Rosa Barth, Toditer des Begründers des Rabbinerseminars Dr. Esriel Hildesheimer und Witwe des Orientalisten Geheimrat Dr. Jakob Barth. — Im Alter von 63 Jahren verschied der Schriftsteller F e 1 i x Holländer. — Beelitz. Der „Preussische Landesverband jüdischer Gemeinden" hat Rabbiner Dr. Schreiber-Potsdam mit der seelsorgerischen Betreuung der Synagogengemeinde Beelitz beauftragt. — Braunschweig. Der Landtag nahm in seiner letzten Sitzung eine Gesetzesvorlage an, nach der in Zukunft das Schächten, auch dasjenige von Geflügel, verboten ist. — Cottbus. In Gegenwart von etwa 200 Delegierten aller jüdischen Verbände Deutschlands, Vertretern gärtnerischer Berufsorganisationen und zahlreichen Gästen wurde am 21. VI. der Grundstein zu der ersten jüdischen Siedlung auf dem Gute Gross Gaglow bei Cottbus gelegt. — Frankfurt a. M. Einer Einladung des Vertreters des Völkerrechts an der hiesigen Universität, Professor Dr. Karl Strupp, zufolge, hielt am 19. VI. Dr. Ernst Marcus-Berlin einen Vortrag über die völkerrechtlichen Probleme des Palästinamandats und die staatsrechtliche Gestaltung Palästinas. — Hamburg. Unter den Siegern bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften des „Reichsverbandes für Jiu Jitsu" befanden sich auch zwei Mitglieder des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten". — Hersfeld. Am 17. V. wurde die erste diesjährige Bezirkstagung der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" abgehalten. — Oppeln. Zum Gemeinderabbiner wurde Rabbiner Dr. Pfingst-Nordhausen gewählt. — Stuttgart. Aus der vom Oberrat der Israeliten Württembergs herausgegebenen Statistik geht hervor, dass die Zahl der Juden in erschreckendem Masse zurückgeht. Ausland Europa Oesterreich-Ungarn. Budapest. Im abgelaufenen Geschäftsjahr der Pester Israelitischen Kultusge- mein de stehen den Einnahmen in Höhe von 2,2 Millionen Pengö Ausgaben von 2,4 Millionen Pengö gegenüber. Die Kultussteuer musste in 5000 Fällen niedergeschlagen werden. Durch Vereinigung der Kaschrutverwaltung der beiden dortigen Gemeinden wird eine Ersparnis von mehr als 100 000 Pengö erhofft; ausserdem ist in Aussicht genommen, aus Ersparnisrücksichten einen stufenweisen Abbau der Knaben- und Mädchen-Bürgerschulen durchzuführen. — Mit Unterstützung der amerikanischen Rockefeller-Stiftung, des englischen Hauses Rothschild und des bekannten amerikanischen Bankiers Otto H. Kahn wird im jüdischen Spital in Budapest mit einem Aufwände von mehreren Millionen Pengö das grösste Krebsforschungsinstitut der Welt errichtet werden. — Innsbruck. Kürzlich verschied im Alter von 61 Jahren der bekannte Arzt und Dichter Dr. Richard Huldschiner. — Wien. Am 14. VI. veranstaltete das Beth ha-Midrasch gemeinsam mit der Israelitisch-theologischen Lehranstalt die Feier des 100. Geburtstages des Lektors Meir Friedman (Rabbi Meir Isch Schalom), des berühmten jüdischen Gelehrten und Bahnbrechers auf dem Gebiet der Midraseh- Forschung. — Der jüdische Segelflieger Robert Kronfeld hat kürzlich an einem Tage zweimal den Kanal zwischen Calais und Dover überflogen und den hierfür ausgesetzten Preis von £ 1000.— gewonnen. — Durch das Urteil des Verfassungsgerichtshofes wurde das antisemitische Studentenrecht an der Wiener Universität aufgehoben. Da es infolgedessen zu judenfeindlichen Ausschreitungen, in deren Verlauf mehrere jüdische Studenten und Studentinnen verletzt wurden, kam, wurden die Universität, die Technische Hochschule, die Hochschulen für Bodenkultur und für Welthandel bis auf weiteres geschlossen. — Der Direktor des Childe-Hospitals und Forschungsinstituts Dr. Edelmann, der sich um die Blutforschung grosse Verdienste erworben hat, soll einen neuen Blutkörper entdeckt haben. —> Im Alter von 74 Jahren verstarb plötzlich der bekannte österreichische Strafrechtsreformer Dr. Franz v o n W e i s 1. Schweiz. Basel. In Anwesenheit von 70 Delegierten aus 29 Ländern aller Erdteile, sowie zahlreicher Ehrengäste fand am 22. Juni die feierliche Eröffnung der sechsten Konferenz der Weltorganisation zionistischer Frauen (WIZO) statt. — St. Gallen. Unter dem Voisitz von J. Dreyftis-Brodsky wurde kürzlich die Jahresversammlung des schweizerischen israelitischen Gemeindebundes abgehalten. Grossbritannien, London. In dem Bericht der Klagemauerkommission, der am 8. VI. veröffentlicht wurde, wird den Arabern zwar das Eigentumsrecht an der Klagemauer zuerkannt, die Juden dürfen aber an Feiertagen, wenn auch nicht am Sabbat, Thorarollen zur Klagemauer mitbringen und eine Thoralade aufstellen; das Schofarblasen daselbst ist ihnen dagegen nicht gestattet. Die palästinensische Juclenheit stimmte diesem Spruch der Klagemauerkommission bei. — Der bekannte Biologe Professor Charles Singer wurde zum Vorsitzenden des Internationalen Kongresses für die Geschichte der Wissenschaft und Technik gewählt. — Oxford. Die Universität Oxford ehrte Professor Albert Einstein durch Verleihung der Würde eines Doctor of Science h. c. — Anlässlich des 100. Geburtstages des jüdischen Orientalisten und früheren Bibliothekars an der Bodleiana, Dr. Adolf Neubaue r, fanden verschiedene Feiern statt. Neubauer, der auch Lektor an der Universität Oxford war, hat neben zahlreichen jüdisch-wissenschaftlichen Veröffentlichungen den Katalog der hebräischen Handschriften der Bodleiana, der später von Cowley fortgesetzt wurde, begonnen. Belgien. Dem jüdischen Schriftsteller Joseph Schulsinger wurde für sein Drama „Le Septenaire (Schiwa)" der belgische Staatspreis für Literatur zuerkannt. Italien. Rom. Zu Ehren des hervorragenden jüdischen Gelehrten und Vertreters des Handelsrechts an der Universität Rom, Cesare Vivanti, der wegen hohen Alters sein Lehramt niedergelegt hat, fand ein feierlicher Empfang statt. — Florenz. Das „Collegio Rabbinico", die erste moderne rabbinische Lehranstalt in Italien und Nachfolgerin des „Instituto Rabbinico di Pavia" konnte das Jubiläum seines 100jährigen Bestehens feiern. — Vicenza. Für den verstorbenen jüdischen Staatsmann Luigi Luzzatti, der in Vicenza die erste Genossenschaftsbank begründet hatte, wurde ein Denkmal enthüllt. Spanien. Madrid. Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Madrid Ignacio Bauer hielt am 24. Juni der neugebildete Rat der Verbände spanischer Sephardim seine erste Sitzung ab. Frankreich. In Anwesenheit des Ministers für die französischen Kolonien, Paul Reynaud, des Feldmarschalls Lvautey und zahlreicher hervorragender jüdischer Persönlichkeiten wurde am 29. V. der Palästina-Pavillon auf der Pariser Kolonialausstellung eröffnet. Russland. In Anerkennung ihrer Verdienste um die Industrialisierung und Kollektivierung wurde 5 jüdischen Betriebsleitern der Lenin-Orden, die höchste Auszeichnung in Sowjetrussland, verliehen. Tschechoslowakei. Im Jahre 1930 lösten sich in Böhmen 11 jüdische Gemeinden, in der Slowakei in demselben Zeitraum 5 Kleingemeinden auf. — Der jüdische Abgeordnete Professor Dr. Bruno Kafka, eine führende Persönlichkeit unter den Deutschen Prasrs, wurde zum Rektor der Prager Deutschen Universität für das Studienjahr 1931—32 gewählt. Rumänien. In die rumänischen Parlamente wurden 11 Juden gewählt, und zwar 6 in den Senat und 5 in die Kammer. Lettland. Die lettländische Regierung bewilligte für jüdisch-kulturelle Zwecke die Summe von 36 500 Dollar. Litauen. Von den 24 Abgeordneten, die in den Kownover Magistrat gewählt wurden, sind 7 Juden; in den übrigen Städten Litauens befinden sich unter den 324 Stadtverordneten 125 Juden. Der Faustgarten ist aeöff net u. bietet den idealsten A ufenthalt im Freien zu jeder Tageszeit. Gepflegte Küche Täglich von 4 Uhr an Künstler-Konzerte Kaffee, Eis und Eisgetränke. Der einzigartige Dachgarten im 1. S». lllill!llllllll!!!l!ll|!ll!li!li:illi::i!lll!H;w Frifj Arno Dippmann