Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 11 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 342 (sequence 6)
- Language
- German
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342 mit aller List das Wild besdileichen, oder es muss durch Treiber in die Sdiusslinie gebradit werden. Als Tötungsart' kommt nur die Sdiusswaffe in Betradit. Aber nidit jede Kugel, die trifft, ist ein Blattsdiuss, meistens setzt es Verwundungen, die nidit unmittelbar den Tod herbeiführen. Ersdirocken ergreift das arme Tier die Fludit, bis es nadi stundenlangem und sdiwerem Leiden endlidi zusammenbridit; man denke nur an den verwundeten Hirsdien, den man mit Hilfe des Sdiweisshundes, den man an der Leine führt, Stunden hindurdi vejfolgt. Also eine Tierquälerei, so bösartig, wie man sie sidi nur vorstellen kann, ganz zu sdiweigen von den Hetzjagden, die an Grausamkeit alles übersteigen. Mau sieht, es ist des Sdiweisses der Edlen wert, hier mitfühlend und helfend einzusdi reiten. Die Jagd als solche ist frei Ii di unentbehrlidi. Zwar spielt das Wild bei der Fleischversorgung des Volkes nur eine untergeordnete Rolle, das Wildbret ziert in der Regel den Tisdi des Reidien und Wohlhabenden. Allein es wäre unmöglidi, eine ungemessene Vermehrung der Tiere des Waldes zuzulassen, weil sonst, die Landwirtschaft aufs äusserste gesdiädigt würde. Andererseits wird man auch nidit für ihre völlige Ausrottung sidi einsetzen, denn wer mödite diese grossenteils edlen und sdiönen Gesdiöpfe im Bilde des Waldes missen? Es muss also sdion bei einem durch das Gesetz geregelten Absdiuss und jährlidier Sdionzeit verbleiben. Aber die Methoden der Jagd erheischen gründlidie Aenderung. Bereits die ganze Einstellung ist als unsittlidi zu verwerfen, man redet von einem Jagdvergnügen, das also darin bestellt, lebende Wesen zu töten, oftmals grausam zu töten. Wenn man etwa die Metzger fragen würde, was sie sagen würden, falls man das Sdiladiten ein Vergnügen heissen wollte, so würden sie entrüstet ihren ehrbaren und sdiweren Beruf vor derartiger Beschuldigung verwahren, sie würden erklären, dass ihre Tätigkeit im Schladithaus nun einmal nidit zu umgehen, aber weit entfernt davon sei, einen Zeitvertreib zu bedeuten. In diesem Sinne ist auch die Jagd zu reformieren. Bisher kann sie jeder ausüben, der das nötige Geld besitzt, nach seiner Fähigkeit als Schütze fragt niemand. Den Jagdschein erhält auch der einigermassen lädierlidi wirkende Sonntagsjäger; er ist allerdings harmlos, denn er pflegt sidi damit zu begnügen, Lödier in die Natur hineinzuknallen. Aber man weiss ganz geniu, dass die Mehrzahl der Jäger nidits Besonderes im Sdiiessen leistet. An diesem Punkt setze man an, man beauftrage mit der Jagd Forstleute, die als Mustersdiützen ausgebildet sind, dann hat man die Gewähr, das Wild möglidist vor grausamen Quälereien zu bewahren. Soldien Bestrebungen zu dienen, seien die Tierschutzvereine höflidist eingeladen, hier können sie Segensreidies leisten. N a e h b e m e r k u n g : Ein Zeitungsberidit über einen Stierkampf (Frankf. Ztg. 50. 6. 51. Nr. 477) enthält folgende Stelle: .,Das Tier zeigt sich tapfer und widersteht lange de» Angriffen der Toreros. Mit zwei Degen im Rücken legt es sidi endlidi blutüberströmt zum Sterben hin. Dreimal muß der Doldi angesetzt werden, um dem gequälten Leben ein Ende zu madien. Nidit anders geht es den nädisten Opfern. Den Rücken mit Hakenstäben gespickt, mit schlagenden Flanken und hängenden Zungen senken sie sdiließlidi sterbensmatt den Kopf und bieten den Nacken dem Todesstoß dar. Dem letzten bohren die Banderilleros zuvor Widerhaken mit Feuerwerkskörpern ins Fleisdi. Die explodieren in der Haut. Knallend und zisdiend fahren sie aus dem zerrissenen Körper. Klaglos steht das gepeinigte Tier unter dem Feuerregen." ___ S c h r i f 11. Slatistischcs In seiner in der letzten Ausgabe des Gemeindeblatts veröffentlichten Arbeit „Die Frankfurter Juden in Zahlen und Bildern" erwähnt Herr Ld. mehrere meiner Arbeiten über die Entwicklung der jüdisdien Bevölkerung in Frankfurt a. M., die in-der Zeitschrift „Statistik und Demographie der Juden" erschienen sind. Idi habe mich dabei, soweit von der Bevölkerungsbilanz der Juden die Rede ist, auf die Arbeiten von Obernberg und Bleicher, den beiden ersten Leitern des Frankfurter Statistischen Amtes, gestützt, und deren Tabellen benutzt. In diesen Tabellen berichten die Verfasser, welchen Anteil bei der Zu- - nähme der Frankfurter jüdischen Bevölkerung dem Geburtenüberschuss und welcher dem Wanderungsgewinne zukommt. Sie fanden, dass der Anteil der Geburten an der Gesamtzunahme bei der jüdisdien Bevölkerung grösser ist als bei der allgemeinen Bevölkerung und sie schlössen daraus, dass auch der Geburtenüberschuss bei den Juden überhaupt grösser gewesen sei wie bei der Gesamtbevölkerung, während tatsächlich bei der Berechnung des Geburtenübersdiusses nach der Bevölkerung selbst in der fraglichen Periode der Geburtenüberschuss bei den Juden gerinsrer war wie bei der Gesamtbevölkerung. Der Irrtum der Frankfurter Statistiker war begreiflich, denn vieles SDi-idit dafür, dass es in Frankfurt tatsächlich einmal eine Zeit gegeben hat, wo der Geburtenüberschuss bei den Juden grösser war wie bei den Christen. Noch 1876 war er, wie ich durch neuere Beredmunsren feststellte, bei den Juden 11,2, bei der Gesamtbevölkerung 11,7; die Differenz gegenüber der Gesamtbevölkerung war demnach nur eine ganz geringfügige. Dazu kommt der auffallende Kinderreichtum der Frankfurter Juden in den 60er und 70er Jahren. 1864 gehörten 15.16% sämtlicher Kinder im schulpfliditigen Alter der jüdischen Konfession an, während es nadi dem Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung nur 10% hätte betragen müssen. 1875 waren 16,9% der jüdisdien Bevölkerung Kinder im schulpfliditigen Alter, gegen 10% bei den Katholiken und Evangelischen. Obernberg fragt daher, indem er diese Zahlen anführt, ob der grosse Kinderreichtum bei den Juden von ihrer Geburtenziffer oder geringen Sterblichkeitsziffer herrühre. Nach der letzten Volkszählung von 1925 bilden die Schulkinder nur 4% der jüdischen Bevölkerung; ein drastischeres Charakteristikum für die Vergreisung der Frankfurier jüdischen Bevölkerung der Gegenwart lasst sich gar nicht denken. — Dass im vorigen Jahrhundert der Geburtenüberschuss Räumungs- AUSVE wegen Umzug Grosse Teile unserer riesigen Lagerbestände erstklassige TEPPICHE, GARDINEN, STOFFE etc. bis zum halben Preis Gros des Spezialhaus Süddeufschlands und mehr ermäßigt BRUMLIK Neue Kräme 28-30 42 große Fenster "H^eSS"" JSSl'Ä« ^ohlrSSJsÄ35 zeigen es Ihnen!