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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-05-01 · 9 (5.1931) · p. Seite 295

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
9 (5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 295 (sequence 17)
Language
German
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295 Werke der hebräischen und jiddischen Literatur in der Braille'schen wie in der einfacheren Moon'schen Schrift gedruckt werden. Palästina In der Nähe von Haifa wurden mehrere jüdische Arbeiter überfallen, wobei 3 Arbeiter getötet und 5 verletzt wurden. — Nach einwöchiger Dauer wurde der palästinensische Lehrerstreik beendet. — Im Jahre 1930 wanderten 4944 Juden in Palästina ein, während 1679 in der gleichen Zeit das Land verlassen haben. — Kürzlich beging der Bürgermeister Mayer Dizengoff, einer der Gründer von Tel Aviv, seinen 70. Geburtstag. Persönliche Nachrichten Isaac Mainz, geb. 25. August 1845 gest. 3. April 1931 * Eine weitbekannte und ehrwürdige Gestalt der Gemeinde ist nicht mehr. Am ersten Tag des Pessachfestes hauchte Isaac Mainz seine Seele aus, am folgenden Nachmittag gab ihm eine überaus grosse Anzahl von Trauernden von seiner Wohnung aus das letzte Geleite zum Friedhof der Gemeinde an der Rat Beil-Strasse, wo er an der Seite seiner ihm am 20. Januar 1925 vorangegangenen Gattin Julie, geb. Fuld, mit der er sich 1S71 vermählt hatte, zur letzten Ruhe 'gebettet wurde. Der Feiertag gebot, das« an der Bahre und am Grab dieses seltenen Mannes kein Wort gesprochen wurde, und so vollzog sich der letzte Abschied inmitten andächtigen Schweigens. Isaac Mainz war ein würdiger Nachfahr einer Familie, die zu den ältesten und angesehensten der Gemeinde gehört. Er pflegte gern zu sagen, sie seien „das erste Haus nach Rothschild", womit er allerdings nur die räumliche Nachbarschaft seines Elternhauses und des Rothschildschen Bankhauses meinte. Sein Vater, Moses Mainz, war nicht nur, wie es in den amtlichen Papieren heisst, „Bürger und Handelsmann", sondern einer der gelehrtesten Männer der Gemeinde und während des Trennungsstreites im vorigen Jahrhundert an führender Stelle für die Erhaltung der Einheit der Gemeinde tätig. Das Beispiel seiues Vaters war für Isaac Mainz, ebenso wie für seinen unveigessenen Bruder Michael Mainz, richtunggebend für sein ganzes Leben. Lange Jahre war er im Ehrendienst der Gemeii.de als Mitglied des Pflegamts des Krankenhauses im alten Gebäude tätig; Zeitlebens blieb er mit der Judengasse verwurzelt, in der er die starken Eindrücke seiner Jugend auf jüdischem und allgemein-politischem Gebiet empfangen hatte. Auch äusserlich glich der kleine Manu mit den klugen Augen, wenn er, sein Einkaufsnetz in der Hand, den Sabbat rüsten half, . den Gestalten der „Gasse", wie man sie auf galten Stichen sieht. Sein Leben vollzog sich in den Bahnen des überlieferten Jiitlenttiin-s. seine Einstellung Hess eine Teilung in eine religiöse und eine weltliche Sphäre nicht zu: für ihn war alles Religion, Befolgung des Gesetzes, Wahrung der Ueberlieferung, bis in die kleinsten Aeusserlichkeiten des täglichen Lebens. Er war wohl der letzte unter den ausgezeichneten Kennern des Frankfurter Minhag, in dessen entlegensten Gebieten er wie kein zweiter Bescheid wusste — eine lebende Enzyklopädie der Sitten und Gebräuche unserer alten Gemeinde. In mehreren Veröffentlichungen hat er sich auf diesem Gebiet auch literarisch betätigt, in Zeitschriften (auch im Gemeindeblatt), in seinen eigenartigen, mit zahlreichen hebräischen Zitaten durchsetzten Briefen und im Gespräch eifrig und kenntnisreich für das Erbgut der Väter gewirkt. Dabei war er ein sehr gütiger Mensch, und seine Frömmigkeit kam in einer ganz persönlichen Art, Wohltätigkeit zu üben, zu vorbildlichem Ausdruck. So wie er während seines Lebens auf peinlichste Innehaltung der religiösen Vorschriften bedacht war, hatte er audi für sein Hinscheiden alles Notwendige vorgesehen. Es war eine merkwürdige Fügung, dass er am Feiertag beerdigt wurde, denn er hatte letztwillig bestimmt, dass in einem solchen Fall der Sarg nicht auf dem Bahrwagen zum Grab gefahren, sondern nach alter Weise getragen werden sollte, und aus diesem Grund hatte er sich beim Hinscheiden seiner Gattin eine Grabstätte nahe am Eingang des Friedhofs gewählt. So war er noch im Tod ein Lehrer der alten Gebräuche, und es entsprach der Empfindung weitester Kreise, dass Herr Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann diesem frommen Mann nach der Beerdigung den Ehrentitel „Morenu"; unser Lehrer, verlieh. Möge Isaac Mainz im himmlischen Frieden ruhen, möge das Verdienst seines frommen Wandels seinen Kindern und uns allen beistehen! Todesfall. Am 9. April verstarb in Paris im Alter von 84 Jahren Frau Baronin Therese de Rothschild. Sie wurde am 18. Juli 1847 als vierte von sieben Töchtern des Ehepaares Mayer Carl v. Rothschild in Frankfurt a. M. geboren. Am 9. Oktober 1871 heiratete sie ihren Vetter, Rechtsanwalt Baron James de Rothschild in Paris. Dienstjubiläum. * Herr Prof. Dr. Mor'itz Werner konnte am 15. April das Jubiläum seiner fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit am Lessing-Gymnasium begehen. Der Jubilar, der nunmehr 28 Jahre als Lehrer der neueren Sprachen im städtischen Schuldienst tätig ist, wurde in seiner Schule durch einen von herzlicher Verehrung getragenen Festakt gefeiert, bei dem auch der Bund für Volksbildung und das Freie Deutsche Hochstift ihre Glückwünsche überbrachten. Der jüdischen Gemeinschaft hat Prof. Werner seine treue Anhänglichkeit stets bewahrt, insbesondere als Mitbegründer und Präsident der Hermann Cohen-Loge, in der Gesellschaft für jüdische Volksbildung, in der Jeschiwa und in der Unterrichtskommission der Gemeinde. Ad multos annos! 86. Geburtstag. Am 20. April konnte Frau Johanna Schott, geb. Meyer, Bornheimer Landstr. 42, ihren 86. Geburtstag begehen. 70. Geburtstag. 25. April: Herr Felix Hirschhorn, Leerbachstr. 29. 29. April: Herr Ludwig Orb, Bürgerstrasse 4. Literarische Rundschau * Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland, Jahrg. 31, 4. Heft. G. Landauer bringt Prolegomena zu einem äusserst interessanten und wichtigen, bisher aber stark vernachlässigten Teilgebiet der Geschichte der deutschen Juden, nämlich der wissenschaftlichen Bearbeitung ihrer Rechtsgeschichte (das monströse Wort „Judenrechtswissenschaftsgeschichte" sollte alsbald verschwinden!). Es ist sehr zu^hoffen, dass der Verfasser Für Körper und Füsse nur DIAI2N-PUDER

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