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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-05-01 · 9 (5.1931) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
9 (5.1931)
Date
1931-05-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JgfttilftKte? MtaeütH(tbt9 <&tmtinbtbtoti QimtiUbt* fatgan btt ^ftatüü^n <®tmtinbt Die Gemeindemitglieder erhalten das Blatt unentgeltlich. Preis der Einzelnummer 50 Pfg. v Zustellung durch die Post. Fernsprecher: Hansa 27544. Postscheckk.: Frankfurt a. M. 33521 Sohriftleitung und Verwaltung: Fahrgasse 146 Anzeigenpreis für die 6-gespaltene Nonpareillezeile 40 Pfg.l im Text und auf den Umschlagseiten 60 Pfg. / Bei Wiederholungen Rabatt. / Anzeigenverwaltung: Gemeindehaus Fahrgasse 146 Erdgeschoß. t 9. Jahrgang Frankfurt a. M., Mai 1931 Nr. 9 Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblatts nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet, Bei den Marannen in Persien Von Dr. Walter Fischel (Jerusalem). Wenn die Geduld, mit der Schmerzen und Leiden ertragen werden, nadi den schönen Worten von L. Zunz, wirklich adeln, so nehmen es die Juden mit den Hochgeborenen aller Länder auf, und wenn es eine Stufenleiter von Leiden gibt, dann hat das Volk Israel die höchste Staffel erstiegen. Aber innerhalb dieser Staffel muss der dem Abendland so unbekannten persischen Judenheit mit der erste Platz eingeräumt werden. War doch ihre Geschichte, bis vor vielleicht einem Jahrzehnt ein ungeheures Martyriologium, eine Jahrhunderte lange Tragödie, deren tragischer Held die ganze persische Judenheit war. Als Benjamin von Tudela im 12. Jahrhundert nach Persien kam, schätzte er die Zahl der Juden nur in einigen Städten wie z. B. Hamadan (Ekbatana) auf 50 000, die von Isfahan auf 15 000, von Schiras auf 10 000, Rudbar 20 000, Schustar 7000, Huiwan 4000 etc., sodass allgemein angenommen wird, dass die Zahl der gesamten persischen Judenheit im 12. aind 15. Jahrhundert sich auf über eine halbe Million belief. Nach den günstigsten Schätzungen (Volkszählungen gab es bisher in ganz Persien nicht) von heute leben in ganz Persien etwas mehr als 60 000 Juden, die sich wie folgt verteilen: Schiraz Teheran Isfahan Hamadan Kaschan Jezd, Kerman Kermanshah Azerbaidjan Mesched u. Um? 9000 8000 8000 6000 5000 2000 2000 5000 5000 Dörfer in Südpersien 2500 Buchir, Cazerun etc. 2000 Nehawend, Sultunabad etc. 1800 Khoramabad 1000 Kurdistan 2000 Golpaygan 1000 Demawend 500 Mazendran 500 Kl. Landgemeinden 4000 Wie erklärt sich dieser aussergewöhnliche zahlenmässige Rückgang der persischen Judenheit? Genügt es, ihn durch natürliche Ursachen, Krankheit, Hungersnot, Auswanderung, Kriege, Mongolen-Einfall und andre Katastrophen zu erklären oder sollten da nicht noch andre Momente mitgespielt haben? Eine klare, wenn auch traurige Antwort gibt aiuf diese Frage die Chronik des persisch-jüdischen Dichters B a b a i b. L u t f aus dem 17. Jahrhundert. Diese Chronik, von W. Bacher in Auszügen mitgeteilt, ist bisher die einzige Quelle, die uns nicht nur über die politische Lage der Juden im 16. und 17. Jahrhundert informiert, sondern auch wertvolle, noch gar nicht ausgewertete Einzelheiten folkloristischer und kultureller Art vermittelt. Es sei hier nur kurz darauf hingewiesen, dass wir durch diese Chronik imstande sind, die örtliche Verteilung der jüdischen Gemeinden in dem Persien jener Zeit zu erkennen, dass wir Aufschlüsse erhalten über die von den Juden betriebenen Berufe, über ihr geistiges Leben, insbesondere über ihre starke Beschäftigung mit praktischer Kabbala, über ihre Namen, ihre Kleidung und ihre religiösen Gewohnheiten, ihre Beziehungen zur Judenheit der Aussenwelt und vieles mehr. Diese Chronik, das „Emek habacha" und der „Schebet Jehuda" der persischen Juden, schildert die unsäglichen Leiden und Verfolgungen, vor allem die Zwangsbekehrungen durch die Geistlichkeit unter der wglorreichen" Regierung des Schah Abbas I. und H. War die Zerstreuung des jüdischen Volkes unter alle Völker schon an sich ein Unglück, so musste das Leben unter der Fahne des schiitischen Islams als ein noch schwereres Schicksal betrachtet werden. Weit von Europa entfernt, ohne die Protektion eines Fürsten oder eines einflussreichen Glaubensgenossen, waren sie den Verfolgungen und Nachstellungen einer fanatischen Masse unbarmherzig ausgeliefert Zwar sind wir infolge mangelnder Quellen nicht imstande, die Geschichte der persischen Juden darzustellen, wir können nur soviel sehen, dass das Mittelalter der persischen Juden mit der Safawidendynastie und besonders mit der Thronbesteigung des Schah Abbas I. (1587—1629) beginnt, dessen Regierung u. a. durch eine religiöse Wiedengeburt Persiens und durch die Einführung des S c h i i s - mus als Staatsreligion gekennzeichnet ist. Die schiitische Geistlichkeit, die seitdem ungeheueren Einfluss hatte, war es, die das Land von allen Ungläubigen reinigen wollte. Da die christliche Minorität, die Armenier vor allem, in dem Schah selbst infolge geleisteter Kriegshilfe einen wirksamen Schutz fanden, blieben neben den Zoroastern allein die Juden das Ziel der Bekehrungs- und Verfolgungssüchte des Klerus. Es soll hier keineswegs in Einzelheiten eingegangen werden; wir erkennen aber einen charakteristischen Zug, der der iganzen antijüdischen Bewegung zugrunde lag. Das war die Anschauung von der rituellen Unreinheit jedes Andersgläubigen, also auch des Juden, aus der sich alle Demütigungen und Verfolgungen erklären. Die sogenannten Jüdeugesetze des Schah Abbas beruhen alle auf dieser Grundanschauung. Konnte doch dieser Begriff der rituellen Unreinheit auf unendlich viele Handlungen des täglichen Lebens ausgedehnt werden und damit das Leben der Juden überhaupt unterbunden werden. Aus der langen Liste der Beschränkungen und Ausnahmegesetze seien nur folgende Punkte angeführt: Da der Jude sich in allem von dem Muslim unterscheiden sollte, musste er andre Kleidung, andre Kopfbedeckung, kleinere Häuser haben, die Eingangstür zum Haus musste niedriger sein. Während des Regens durfte er das Haus nicht verlassen, denn das Wasser könnte doch die rituelle Unreinheit des Juden auf die Gläubigen übertragen. Lautes Gebet in der Synagoge war nicht gestattet. Beim Reiten auf einem Esel mussten seine beiden Beine auf einer Seite sein, auf Pferden durfte er überhaupt nicht reiten, jedem Mohammedaner hatte er Ehrenbezeugungen zu erweisen, ausserhalb seines Viertels durfte er nicht gehen, Früchte durfte er nicht kaufen, seine Stimme angesichts eines Muslim nicht erheben. Dass damit auch das geschäftliche Leben, Handel iusw. unterdrückt war, versteht sich von selbst. Noch heute gibt es in Teheran und anderen Städten „judenreine

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